wie es kam...

Tja, irgendwie verlaufen meine Reisen immer katastrophal, was mir den Spitznamen "Dr. Katastrophe" einbrachte. Leider sind nicht mehr alle Reiseberichte vorhanden. In manchen Fällen nur noch ein "Beschwerdebrief"...

kreative (!) Anregungen sind willkommen!

Euer
Dr. K.

Freitag, 29. Juni 2012

Menorca

Das konnte doch schon nix werden: 2 Tage vorm Abflug wurde mir klar: sollte Deutschland Gruppensieger werden, würden wir (vorausgesetzt, man würde das Viertelfinale gewinnen) GENAU während des Halbfinals im Flugzeug sitzen. SCH****!!!
Naja. Zu spät.
Los geht's mit dem ICE zum Flughafen. Pünktlich geht's los, zu spät kommen wir an. Ahhh, das tut gut, Dr. Katastrophe fühlt sich spätestens dann wohl, als er feststellt, dass die H-Bahn durch einen ollen Bus ersetzt wird (wie oft das jetzt schon war, kann man gar nicht mehr zählen; warum die Komiker vom Flughafen Ddorf dieses schrottige System der Dortmunder Uni gekauft haben, war mir schon von Anfang an ein Rätsel).
Plötzlich der Schock: beim Einchecken bekommen wir ohne Nachfrage XL-Sitze (also am Notausgang zugewiesen). Musste Dr. Katastrophe sich etwa Sorgen machen?
Etwa 75% der Passagiere sind Familien mit (Klein)Kindern. Hatte ich so gehört und gelesen. Oje...
Wir nehmen am Flughafen unseren Ford Fiasko entgegen. Der Wagen ist vollgetankt. Das müssen wir bezahlen. Wenn wir den nicht leer fahren: Pech gehabt. Scheint hier so üblich.
So ein bissle Beschiss ist das schon, da die Insel wirklich mickrig ist, fällt es uns schwer, den Tank auch nur annähernd leer zu fahren. Wir schaffen am Ende ca. 550 km und haben noch 180 km "Luft". Der Wagen ist ok. Die Scheiben sind verschmiert, nur das Spritzwasser alle. Später stelle ich fest, der Dreck ist von innen! Wie geht das???
Naja, normerweise findet mal selbst als Geschichtskundiger das Autokennzeichen 1898 (weil Zahlendreher) eher uninteressant. Seit die Vögel in Spanien jedoch ihre vernünftige "Nomenklatur" geändert haben (also nicht mehr M für Madrid usw.), kommt einem das Kennzeichen schon doch doof vor, wenn es danach mit HJ weitergeht!
Neben der Anmietstation ist ein Supermarkt. Schnell noch was fürs Frühstück eingekauft und ne Pulle Wein, um uns willkommen zu heißen (Wasser vergessen wir natürlich).
Am Hotel angekommen stürze ich zum TV und habe so schnell das Zweite gefunden, wie meine Frau ihre Sachen im Appartement verteilt hat, als ob wir hier schon immer wohnen. Das 1. Spiel (VF) ist schon vorbei - leider. Auf den ersten 20 Sendern alles deutsch. Keine Frage also wo wir sind.
Freitag. "Wir" spielen. Ich bin widerstrebend für die Kriechen(den). Wir müssen bei herrlichem Wetter drinnen sitzen und die Türen verrammeln: unser Balkon zeigt direkt zum Pool und zur Kinderanimationsbühne. Das Gedudel und Gelaber ist so laut, dass wir den Fernseher auf Max stellen müssen (bei geschlossenen Türen und Fenstern!). Ich verfluche, keinen Waffenschein gemacht zu haben. Dabei sitzen wir sonst so, wie vor einer Schießbude auf dem Jahrmarkt. Gegen 21:00 Uhr ist Schluss. Denke ich zunächst. Doch nach sage und schreibe 8 Minuten geht es genauso laut weiter. Für dann noch drei (!) Kinder! Immerhin ist das Spiel gut. Wir gewinnen. Mist. Also tritt der Worst-Case ein. Später weiß ich: es hätte nicht besser kommen können.
Die nächsten Tage sind ähnlich:
Wir besuchen eine Reihe von Buchten. Jede ist schön, jede hat etwas anderes. Das Wasser ist klar, der Strand sauber. Zwischendurch ein paar kleine Örtchen, genauso sauber wie die Strände, wie die ganze Insel eigentlich. Überall geht's flach ins Wasser. Daher gibt‘s wohl auch so viele (Klein)Kinder hier.
Um nicht vom Glauben abzufallen, basel ich mit meinem Zeh irgendwo gegen. Verstaucht. Am nächsten Tag ist der lila.
Wir ärgern uns zwar nochmal über die laute Animation, aber eigentlich ist die Anlage super: sehr gepflegt, viele bunte, blühende Blumen, sauberer Pool und am vorletzten Abend sogar eine coole "Nachmachshow mit so tun als ob Gesang" inkl. Verkleidung als Elvis, Tina Tuner und Freddy Mercury. Wir sitzen mit unserem Feldstecher wie in einer Loge der Oper.
Am letzten Abend ertappe ich mich, wie ich bei dem Gedudel mit summe...
Es hat uns gefallen!
Um das gewohnte Bild abzurunden stelle ich bei der Autorückgabe fest, dass ich eine zusätzliche Versicherung zahlen musste. Werde mich daheim wohl beschweren müssen.
Am Flughafen noch etwas Sahne auf die Sache: Flieger hat Verspätung.
Und auf die Sahne noch ne Kirsche:
In Ddorf ist entweder was kaputt oder die haben keinen Bock mehr: mein Koffer ist unter den ersten, dann kommt 35 Minuten gar keiner mehr. 2 Züge verpassen wir.

Fazit:
Schöner Urlaub, gute, saubere Anlage und Insel. Hier ist wenigstens noch richtig Sommer (jeden Tag > 30 Grad, man könnte gut und gern ein paar Wochen früher fahren). Eine Woche reicht locker, um alles zu sehen (natürlich nicht alle Buchten).

Mittwoch, 23. Mai 2012

Hell-S(t)inki

Zur Vorgeschichte:

Die Planung:
Wir hatten uns überlegt, gemeinsam wegzufahren. Ein gemeinsames Ziel zu finden gestaltete sich weniger schwierig, als erwartet. In Helsinki war noch nie einer von uns und auch keine unserer Frauen hatte das auf den vorderen Plätzen der Wunschliste. Den Termin zu finden war etwas schwieriger, aber auch das ging eigentlich. Dass wir im Endeffekt wirklich alle 5 unter einen Hut bekamen, ist trotzdem schon ein kleines Wunder. Wir gaben dem Trip anlässlich des Datums und der Teilnehmer den Codenamen "Pimmelfahrt".

Die Vorwoche:
Am Donnerstag bekam ich eine Erkältung.
Am Freitag ging‘s in die Hauptstadt. Da wurd schon mal kräftig gefeiert, getrunken und gesungen.
Am Samstag wurde dem "Münchner Schickeriapack" die Lederhosen ausgezogen. Und die hatten 5 Stück übereinander, die auch alle ausgezogen werden mussten. Mindestens einen Liter Bier hab ich durch die Luft geworfen und mindestens genauso viel landete auf meinen Klamotten. Das dies meiner Gesundheit nicht gut tun würde, war klar. Das Adrenalin strömte durch meine Adern und alles war gut. Bis Sonntagabend.
Am Montag suchte ich den Arzt auf. Sofort AU. Pimmelfahrt stand auf Messers Schneide. 2 Tage Antibios und liegen machten es dann dennoch möglich.
Am Mittwoch ging‘s nach Helsinki. Noch vor Düsseldorf war das Niveau im St(F)urzflug fast auf Null. Der Flieger war nicht mal halbvoll.
In Helsinki am Flughafen kauften wir zunächst zu lang gültige 3 Tageskarten. Naja, Geldverbrennung war dann eben so. Wenn wir da schon die Preise gekannt hätten, wären wir evtl. "vorsichtiger" gewesen: ein Bier 6,20 €, ein Baguette bei Subways 10 Piepen, ein belegtes Baguettbrötchen im Café 8 Mäuse und ein gutes Essen (eher ein Rentierdöner) inkl. Getränk 25 €. Bei allerdings meistens mieserem Service und niemals abgeputzten Tischen. Eine große Flasche Wasser kostet VIER € inkl. Flaschenpfand 40 Cent. Naja, die Pfandpiraten wollen ja auch leben! Allerdings: ein Pfund Kaffee gibt’s für 1,77 €!
Die Vegetation hängt hier locker einen Monat hinterher. Nur wenig ist grün.

Dass das Niveau noch weiter sinken schnell (!) konnte, ist dieser Sprache zu verdanken. Die Wörter sehen aus, als ob einem das Scrabbelspiel runtergefallen wäre. Es gibt auch lustige Wörter wie "klo" und "pussi", die eine völlig andere Bedeutung haben, als daheim. Im Hostel haben wir ein langgezogenes 5er Zimmer mit folgender Aufstellung: Fart - Snorre - MedWurst (Dr. der Furzologie) - Duracell (läuft länger als jeder andere auf Vollgas) – ich

Dann unser erstes Essen im T-Shirt auf dem Markt. Die Innenstadt ist schön. Die Architektur doch mit erstaunlich viel Jugendstil. Dabei muss man wissen, dass Helsinki eine sehr junge Stadt ist (um die 450 Jahre).

Wir sind alle etwas kaputt und schlummern weg. Am nächsten Morgen pennen alle etwas länger. Bis auf Duracell. Der hat schon ne Runde um Block gedreht, als wir alle noch dösen.

Wie geplant buchen wir eine Fähre am nächsten Tag nach Tallinn. Wir besuchen jedoch zunächst eine Festungsinsel vor der Stadt. Starker Nebel. Das Wetter wird mieser: Immer kälter und dazu gesellt sich immer wieder mal ein Schauer. Zu Hause ist es super. Meine Laune wird schlechter.
Mitten in der Stadt gibt es eine Kirche, die IN einen Felsen gebaut wurde. Wir erreichten diese um 17:0x Uhr, wobei x eine seeehr kleine Zahl ist. Um 17:00 Uhr wurde die geschlossen. Grrr. Aber von außen war‘s auch ganz schön.

Abends sind wir wieder alle kaputt. Alle liegen. Nur Duracell nicht. Er steht neben meinem Bett und klatscht. Wir sind froh, dass wir ihm das Becken weggenommen haben.

Da die Fährticketverkaufstante einen Fehler machte, nehmen wir die Fähre um 8:00 Uhr. Keine 2 Stunden später sind wir in Tallinn. Der Wind ist übel. Ich bin entzückt über die estnische Hauptstadt. Es ist ein bisschen wie im Freiluftmuseum rauflaufen und essen. Wir reservieren gleich zum Mittag und Abendessen einen Tisch. Es wird Völlerei. An den meisten Stellen geben sich die Einheimischen richtig Mühe, das Gefühl zu bestärken: wir essen in der "alten Hanse" zu Mittag. Da mein Frühstück aus einem Jogurt, einer halben Tüte Chips und 2 Pancakes bestand und es nach 14:00 Uhr ist, knallt das Honigbier richtig rein. Meine Mitreisenden werden ähnlich lustig. Das Essen ist super. Das Gewürzbier gibt schon fast den Rest. Nach dem Absacker eiern wir knülle am Nachmittag durch die Stadt. Das Wetter wird immer besser. Leider ist es preislich so wie daheim. Kreuzfahrer (also nicht die mit den Schwertern) kommen hier her, dann St. Petersburg, dann Helsinki. Das treibt die Preise. Kaviar im Supermarkt gibt’s jedoch für 1,07 €.
Für gewöhnlich nehme ich ja irgendeinen Fusel mit. Also will ich am nächsten Tag im Supermarkt in die Spritecke. Die ist aber mit einem rot-weißem Band abgesperrt. Mit meinen eingerosteten Russischkenntnissen finde ich heraus, dass diese "Abteilung" erst um 10:00 Uhr geöffnet wird. Scheinbar will man nicht schon morgens Besoffene haben. Während ich da versuche, etwas Lokales zu finden, kommen 6 oder 7 Leute und holen sich Stoff. Nur einer davon war nicht im Rentenalter. Schon krass: man sieht, dass was man aus den Reportagen kennt. Ich frage eine Oma nach dem Inhalt von ein paar Pullen. Auch erstaunlich: wenn ich im Laden oder sonst wo wen anspreche, es sind immer Russen, obwohl das ja nur jeder 4. Sein dürfte.
Es gibt hier lustige Souvenirs: Streichhölzer mit Obama, Merkel, … und krasserweise auch mit Anton H.!
Wir machen eine kostenlose zweistündige Stadtführung mit einer Studentin, die mehr Trinkgeld bekommt, als z.B. ein mitgereister Arzt in der Zeit verdient.
Das Wetter ist richtig gut, die Mehrheit meiner Mitreisenden bekommt ein rotes Gesicht.

Wieder zurück in Helsinki ändern wir die Aufstellung: MedWurst und ich tauschen die Position, damit die Verwesung direkt am Fenster liegt, das hält zudem jegliche Insekten ab - von denen wir im Übrigen wenig sehen. Außerdem bin ich näher an Snorre und kann so mehr finnische Bäume retten.

Von der Fähre haben wir einen Karton Pils mitgenommen. Abendessen gibt’s eigentlich nicht. Und wie Snorre ja richtig anmerkt: "7 Pils sind auch ein Schnitzel". Die Dosen wirken also zügig. Wir brechen jedoch zu spät auf, um zum Sonnenuntergang am Kaffee im Park zu sein. Es ist trotzdem herrlich dort. Langsam dämmert es und die Lichter der Stadt am anderen Ufer machen es romantisch. MedWurst hat gut recherchiert.

Fazit:
- Ein teurer Trip, was die Nebenkosten angeht.
- Kein lästiges Geldwechseln in den beiden Ländern.
- 2 Tage später wären perfekt gewesen.

- Für jede Stadt hätten wir mindestens einen Tag länger gewollt bzw. gebraucht.
Schon schade, dass es zu Ende geht. Ich freue mich auf den nächsten Trip - du hast was verpasst!

Dienstag, 13. März 2012

Mittelamerika

Vulkane, Seen, Ruinen und Karibikstrände

Na toll: einen Tag nachdem ich unsere Flüge gebucht hatte, kam die Meldung, dass American Airlines pleite seien. Einen Tag bevor wir fliegen wollten, kam die Meldung, dass am Flughafen in Frankfurt gestreikt wird. Naja, sollte mal bei mir irgendwann alles glatt laufen, würde ich mich auch Sorgen machen!
Am Tag vor dem Abflug fuhren wir mit dem Zug zu unseren Freunden in Wiesbaden, um die Reisedauer wenigstens etwas zu verkürzen. Die schnellste Verbindung brachte uns in 3,5 Stunden und SECHS Zügen (U-/S-Bahn, IC, ICE) dorthin. Wer in Erdkunde nicht gänzlich geschlafen hat, findet die Anreise DO-K-F-MZ-WI mehr als absurd. Passend stiegen wir also am Frankfurter Flughafen in den Zug nach DO. Wie wir dann erfuhren, hätten wir das gar nicht gedurft, weil das eben nicht der direkte Weg ist und wir ja zwei Mal an WI vorbei fahren, Deutsche Bahn...
Am nächsten Morgen kamen wir relativ entspannt in FRA an. Das währte natürlich nicht lang: unser Flieger war noch nicht mal da, > 2,5 Std. Verspätung => Anschlussflug wäre weg. Zum Glück buchte man uns auf die Lusthansa um. Das war super, der Service klasse. Wir kamen leicht verspätet in Guatemala Stadt an. Auf der "Autobahn" hatte es einen schweren Unfall gegeben. Durch den Rückstau dauerte es ca. 30 Min., bis wir überhaupt richtig fuhren. Als wir dann nach ca. 23 Std. mehr oder weniger ohne Schlaf ankamen war das nur die Bestätigung dafür, was wir bereits kurz vor der Abreise beschlossen hatten: SO werden wir nicht mehr fliegen: entweder geben wir mehr Kohle aus oder so manche Ziele müssen halt bis zur Rente warten.

Bei meiner 9. Ankunft in Lateinamerika tausche ich am Flughafen für einen ziemlich miesen Kurs Geld. Mieser als "normaler Weise mieser" am Flughafen - wie sich später herausstellte. Aber wir wussten ja nicht, ob Banken an Wochenenden geöffnet hatten und nachdem wir von mehreren (!) gehört hatten, dass man nach dem Abheben vom Automat (!) später mal die Gehälter der russischen oder einer anderen Mafia finanziert, nahmen wir den Aufpreis in Kauf.
Antigua (1.500 m) ist eine schöne koloniale Stadt, zu deren Kulisse nochmal drei fast 2.500 m höhere Vulkane gehören. Das Hotel war gut. Arm fand sogar ich als militanter Nichtraucher a.D., dass man selbst im Hof nicht rauchen durfte. Also musste Steffi das Willkommenspils "trocken" aufm Zimmer plätten. Später entdecken wir, dass die eine Dachterrasse haben. Warum die die so „verstecken“ ist uns vollkommen unklar. Entsprechend sind wir die einzigen oben und können die ganze Stadt überblicken, da hier kein Gebäude mehr all als zwei Etagen (EG & 1. OG) hat. Nur hier und da sieht man die unzähligen Kirchen etwas rausragen. Jedoch sind die die meisten nur noch Ruinen und man kann sich vorstellen, warum man die alte Hauptstadt von hier wegverlegt hat (Erdbebenregion).

Wir shoppten die ersten Tage wie blöd. Nicht nur auf dem riesigen Markt in Chichicastenango, wo alle Touris hin müssen. Preise (und auch Qualität) waren einfach super! Nicht so super war allerdings der Trip: wir wurden mit ca. 20 Min. Verspätung mit einem Minibus offenbar älteren Modells abgeholt. Der Wagen quälte sich im ersten Gang auf jeden Hügel, um anschließend auf der anderen Seite im 2. (Motorbremse) wieder herunter zu jaulen. Und wieder von neuem… Die etwas neueren Modelle überholten uns. Etwa 30 Min. nach der Abfahrt aus Chichi warteten wir immer noch, dass uns gleich der Motor um die Ohren fliegen würde. Die Sitze sind von der Breite entweder für einen Amerikaner oder zwei Einheimische, von denen mir in seltensten Fällen einer über den Ellenbogen reichte. Also nicht grad der bequemste Trip. Da telefonierte der Fahrer (wie konnte der bei dem Motorgeräusch überhaupt was verstehen???). Dann wurde gewendet. Zwei dämliche Amis hatten den Bus (obwohl er über 15 Min. später abfuhr) verpasst. Warum sich die zwei Pansen nicht in ein Taxi setzten und uns flux einholten, war niemandem klar. So kam es, dass ein Italiener und eine Französin sich zu Rädelsführern aufschwangen und heftigst protestierten. Ich hoffte, niemand von denen hätte bei einem Seilverkäufer auf dem Markt zugeschlagen, um nun den Fahrer zu lynchen. Doch der 1,40 m große Mann wies den pöbeln Mob in seine Schranken, auch wenn in der folgenden Zeit sich hinter uns im Bus tumultartige Szenen entwickelten.
Irgendwann waren wir dann in Panajachel. Ein Dorf am Atitlan-See, der von drei mächtigen Vulkanen umgeben ist. Eine atemberaubende Kulisse!

Ich hatte Steffi gewarnt: die Sonne (auch wenn nicht immer zu sehen) ist auf 1.500 m und vor allem in diesen Breitengraden gefährlicher. Sie verbrannte sich ihren Ausschnitt. Ich mir meine Nase und meinen Nacken. Danach waren wir vorsichtiger. Verbrannten uns dann noch mal am Meer im Schatten (tja, Reflexion ist auch nicht zu unterschätzen).

Des Abends wollten wir noch schnell das wichtigste kaufen: 0,5 l Cola, 1,5 l Wasser und ein Sixpack. Ich bezahle und suche die barbusigen Mitarbeiter, die man angesichts der stolzen 11 € dafür hier fast hätte erwarten können, doch es war nur ein ganz normaler Minimarkt. Ich fühle mich beschissen. Naja, am nächsten Tag stellen wir fest, dass diese Sorte auch in einem großen Supermarkt teuer ist. Im Restaurant allerdings das günstigste. Das muss man ja nicht verstehen. Es heißt "Gallo" auf Deutsch etwa "Gockel", der auch das Wappen des Biers ist. Wir machen ein paar Büxen am Hotel platt. Das ist richtig geil: wir sind fast allein, sitzen dick eingepackt (abends wurde es richtig kalt) vor unseren Zimmern im Garten. Es schmeckt gut. Rauchen ist natürlich erlaubt.
Am nächsten Morgen gehen wir irgendwo frühstücken. Es ist Rosenmontag. De Zoch kütt: ein paar hundert Kinder kommen vorbei. Irgendwie sehen alle niedlich aus.
Wir shoppen weiter. Irgendwann haben wir dann doch diese Nase voll. Wir kehren für eine Kleinigkeit in die Sunset Bar ein. Ein lauschiges Plätzchen, mit rauschenden Preisen (vor allem für was). Egal wo wir einkehren, wir sind fast immer die einzigen Gäste. Das verstehen wir nicht. Abends schreien wir uns an. Die Musik des Nachbarrestaurants ist zu laut. Gäste gibt’s dort nicht. Wir sind die einzigen in „unserem“.

Aschermittwoch. Alles ist vorbei. Zumindest, was meine Gesundheit angeht. Zunächst stehen wir jedoch gemütlich um 3:00 Uhr auf, um 4:00 zum Flughafen gebracht zu werden. Der Shuttlebus kommt natürlich zu spät. 20 Min. Unverständnis bei uns, vor allem weil leer. Ankunft am Flughafen 5:30. Wir sind schon leicht nervös, weil wir nur 60 Min. bis zum Abflug haben, aber alles ist entspannt. Die 1,5 l Flüssigkeit im Handgepäck interessiert niemanden. Nur Schusswaffen sind verboten. Ich vergewissere mich, dass meine auch sicher im Koffer verstaut ist, als mir einfällt, dass ich keine habe. Keine Durchgeh-Piep-Mopeds oder ähnliche Sicherheitskontrollen.
Es geht mit einer 20sitzigen Propellermaschine los. Der Service für den nicht mal einstündigen Flug (also die Verpflegung) schlägt den miesen von AA (American Airlines) für die über 3 Std. (von Dallas) um Längen. Ich sitze ganz vorn. Meine ausgestreckten Beine würden ins Cockpit reichen. Ich muss an Luke Skywalker denken ("die Mühle ist ja nur Schrott"). Zumindest was das Äußere (also Innere) Erscheinungsbild angeht. Wir haben etwas feuchte Hände. Mein letzter solcher Flug ist schon was her. Ich habe mächtigen Spaß: das Innere des Cockpits sieht aus wie der Meikroschrott Flight Emulator damals auf dem C64. Es wird laut. Sehr laut. Jeder hat Ohrenstöpsel bekommen. Die Piloten fummeln an den hundert Knöpfen und Rädchen. Nix Autopilot. Wir fliegen permanent auf 11.000 Fuß. Es geht rasend schnell vorbei. Inkl. Start und Landung zeigen die Jungs, was sie von ihrem Handwerk verstehen. Ein 1A Flug.

In Flores herrscht Tropenklima. Die kleine ca. 500 x 500 m große Insel erkunden wir fix. Von unserem (ansonsten gammeligen) Hotel haben wir Blick auf den See und später den Sonnenuntergang. Leider muss Steffi das Pils dabei allein genießen. Mein Magen will nicht.
Am nächsten Tag dann "die Mutter aller Mayapyramiden": Tikal. Sehr beeindruckend. Mehr hierzu mal mdl.

Wir verlassen das arme Land, in dem jeder 3. weder Strom noch fließend Wasser hat, wohl wissend, dass wir nur die reichsten Orte gesehen haben.

Es geht nach Belize. Grenze. Alle raus aus dem Bus und dann jeder seinen Krempel durchs Niemandsland der Grenze (das heißt hier so, weil hier niemand geteert hat) gezogen und wieder rein in den Bus. Manche Logik kann man nur durch überhöhten Drogenkonsum erklären.
Belize ist etwas anders: offizielle erste Sprache ins ausnahmsweise Englisch. Für Deutsche auch als „Sprachform“ falsch zu verstehen: die Hauptstadt heißt „Bell-Moppern“ (bzw. Belmopan). Es gibt viele Kreolen (Sklavennachfahren). Das alberne Land gehört zu den Komikerländern, die immer noch der britischen Königin huldigen (die Oma ist noch in jung auf den Geldscheinen abgebildet, die Rückseite jedoch ist cool: mit einheimischen Tieren, Ruinen, Inseln). Noch alberner ist dann, dass die Währung an den Dollar gekoppelt ist (1:2). Also irgendwie nix eigenes. Eigentlich schade, aber entsprechend viele (ca. 2/3) Amis gibt’s hier. Und teurer ist‘s auch noch.

Wir verbringen unsere Zeit auf Caya Caulker. Ich hatte nie zuvor davon gehört, aber die Auswahl des Reisebüros war topp: Steffi kam aus den Ohs und Achs gar nicht mehr raus: die Insel ist ca. 2 km lang oben (Norden) 100 m breit und unten (Süden) vielleicht 500 m. Meer zu beiden Seiten. Karibik pur: Palmen, glasklares Wasser, nur den Strand hat ein Hurrikan hinweggerafft. Wir gehen also vom Steg vorm Hotel ins Wasser. (Eigentlich ist die Insel länger nur hat der Hurrikan sie in zwei Teile getrennt, der nördlich ist Vogelschutzgebiet (in Google Maps übrigens NICHT im Kartenmodus zu finden)).

Wir kommen ca. 11:30 Uhr an. Die Leute begegnen uns mehrheitlich mit ner Pulle Bier. Ein Trinker stellt eine leere Flasche ab. Und schon schnapp sie sich ein Pfandpirat. Sauber! Pfand finde ich hier richtig weit vorne! Natürlich staunt man, dass es auf diesem kleinen Flecken überhaupt solche Leute und die klassischen Bretterbuden gibt. Irgendwie ist man doch zu Deutsch: für so eine kleine Insel gibt’s viel zu viel rumliegenden Müll (also es ist hier sauber, aber für so eine Mini-Insel nicht sauber genug) und ein paar Sachen vergammeln auch, die man mit nur wirklich wenig Mühe auf Vordermann bringen könnte. Ok, der Bagger am Strand (wie viele tausende Euros mag der gekostet haben??), dem ein Stück aus einer Kette fehlt natürlich nicht. Aber krass.
Und warum haben auf diesem kleinen Sandhaufen überhaupt streunende Hunde???
Auch interessant: die Vodafone-Mafia hat hier nicht Fuß gefasst. Ich bin länger offline, die heimische Liga bzw. die Ergebnisse müssen wir also anders verfolgen. Aber offenbar gibt’s auch in den hinterletzten Ecken dieses Planeten in jedem Hotel W-LAN, kostenlos natürlich.
Alle paar Meter ein Minimarkt. Wie wir erfahren, gehören ALLE Chinesen. Was einen Menschen bewegt, sich 15.000 km weit weg von seiner Heimat auf so einem Sandhaufen anzusiedeln, bleibt unbeantwortet…
Verkehrsmittel sind Golf Cars. Auch geil!
Vor Belize liegt das zweitgrößte Korallenriff der Erde. Am Horizont sieht man beständig eine kleine Wellenkrone.

Schnorcheltour: Das Segelboot gleitet leise mit vollen Segeln durch das kristallklare Wasser. Aus den Lautsprechern tönt Reggae Musik (normalerweise nicht mein Ding) und passt in ein perfektes Bild. Ein paar Spritzer Meerwasser kommen von Zeit zu Zeit auf uns zu und ich habe plötzlich das Gefühl, 2.000 Lichtjahre weit weg von allem anderen zu sein.
Dann schwimmen wir mit Meeresschildkröten, beim zweiten Gang mit Haien (ich hatte zwar zunächst Schiss, aber alle sind rein und es sind auch nur kleine Pflanzenfresser) und Rochen, die alle ganz zutraulich scheinen (der Guide mit den Rasterzöpfen, der zuvor jeden Satz mit „okay män“ beendet, krault die Tierchen und es scheint ihnen zu gefallen).

Abends dann eine Wahlveranstaltung. Die Partei (PUP) hat als Farben blau-weiß. Neben mir ein betrunkener Penner, der eine blauweiße Fahne schwenkt (ein Bild, dass wir nur zu gut von daheim kennen). Der Wahlspruch ist (kein Witz!): pup together. Typisch blau-weiß! Es gibt Bier (von der Pulle in Becher gegossen) und zum Abschluss der Veranstaltung die Nationalhymne. Die meisten stehen auf. Keiner Singt mit. Die Mischlingsfrau beweist, dass nicht alle stärker pigmentierte auch stärker singen können und wird dabei von der Mundharmonika begleitet. Sehr geil!

Wir reisen mit dem Schiff nach Mexiko ein. Auch eine neue Erfahrung.
Wir verbringen unseren Urlaubsausklang dort, wo die einzige Maya-Pyramide am Meer bzw. Strand steht – und was für ein Strand! Der ist fast weiß. Im Süden, wo die Hotelzone ist, sieht es aus wie auf der Postkarte. Dort sind die Preise mehr als doppelt so hoch wie im Ortszentrum. Naja am Strand zahlt man halt auch die Aussicht usw…
Wir kaufen noch die letzten Andenken. Wir fragen uns, wo die Zeit geblieben ist.

Die letzte Nacht verbringen wir (wieder) in dem uns bereits bekannten Hostel in Cancun. Zu kurz, wie alles hier. Wir wollen lieber bleiben.

Am nächsten Morgen sind wir um ca. 4:30 am Flughafen. Ein paar Leute haben natürlich Bier am Start. Am geilsten ist ein Typ so um die fufzich, der so unnatürlich braun ist, dass er aussieht, als sei er mit Schuhcrem eingeschmiert. Das Stehen fällt ihm schwer. Arg Schlagseite...

Auf dem Rückweg hatten wir 5 Std. Aufenthalt in Dallas. Zunächst fanden wird das blöde, aber so haben wir uns noch einen richtig schönen Tag da gemacht. Mit bummeln und schlemmen. Das Essen (auch in guter Qualität bzw. Restaurants) ist „gg“ (geil und günstig) und wir wundern uns nicht, dass draußen mal wieder ein paar Kugeln vorbei rollen. Ein schlechtes Gewissen haben wir nicht, haben wir doch zuvor ein paar Kilo abgenommen.
Wir schauen raus in den blauen texanischen Himmel und fragen uns, ob wir wirklich den Flieger ins kalte graue Deutschland besteigen sollen. Warum wir das machen fragen wir uns spätestens noch mal, als wir etwa über Grönland die wohl längsten Turbulenzen (schätze 45-60 Min.) in meinen über 200 Flügen erleben. Dafür gibt es wenigstens KEINEN Film (zur Erinnerung: siehe Anfang). Doch wir kommen sicher an. Endlich wieder zurück zu Hause. Man kann sich wieder auf einiges verlassen: der ICE kommt pünktlich in FRA an – und baut sich ab Köln eine Verspätung bis DO von 40 Min. auf. Endlich wieder so, wie man es kennt…

Fazit:
  • erlebe-fernreisen.de wird auch beim nächsten Mal unsere erster Ansprechpartner sein (natürlich abhängig vom Ziel), können wir nur empfehlen!
  • Wir haben uns immer sicher gefühlt.
  • Die Leute waren alle sehr freundlich, nur einen einzigen lästigen Verkäufer gab’s (nicht so wie Richtung Süd-Ost), was Einkaufen auch echt zu einer Freude machte.
  • Unterwegs haben wir ne Menge Reisende kennen gelernt. Alle nett! Nur eine Deutsche. Total gemixt, jedoch überwiegend Amis.
  • Eigentlich genau unser Ding und wäre perfekt gewesen, wenn wir gesund geblieben wären. Das war die eigentliche Katastrophe.

Also bis demnächst
Manolo Zapata

Montag, 21. November 2011

48 Stunden? - Mehr als genug!

2 Tage? Zu kurz, um was zu unternehmen oder gar zu erleben! – Quatsch!

Zur Vorgeschichte:
Eigentlich wollte ich am Mi. nach Athen fliegen. Aber die Gyrosfraktion wollte noch weniger arbeiten als ohnehin schon. Also Generalstreik. Mein Chef lies mich freundlicherweise am Mi. arbeiten. Aber Do. & Fr. musste ich frei nehmen. Dreck! Denn was macht man da im November?
Zeit für meine erste Couchsurfing-Erfahrung! Also schnell 5 Leute in Berlin angeschrieben. Einer hatte Zeit: ein Arzt. Zudem hätte er auch Fr. noch Spätschicht, also können wir was unternehmen. Topp!
Do. 13:45 mit der MFZ in einem Bulli nach Berlin (30 Piepen)
an der Grenze dann einen Stopp eingelegt. Dann die Info, dass ein LKW umgefallen ist => Vollsperrung! Also Landstr. Kurze Info an meinen „Host“, dass ich später komme. Kein Thema. Plötzlich SMS: Ich solle ich mir noch mehr Zeit lassen, da er sich beim Kürbissuppe kochen in den Finger geschnitten hatte. Der arme Kerl musste später noch in Krankenhaus und genäht werden.
In Berlin ging auf den Straßen auch nix, so dass ich in Summe ca. 2 Std. später ankam. Naja, mit Narkose und Schmerztabletten reichte es dann nur noch für ne DVD.
Als ich am nächsten Morgen um 8:00 Uhr aufstand, war er schon weg (neuer Verband). Ich bin dann zunächst zur Zitadelle in Spandau gefahren (die Museen machen erst um 10:00 auf). Später war vor den Museen auf der Museumsinsel überall eine elendige Schlange. Aber ein Häuschen für Tageskarten für alle Museen war auch noch da. Keine Ahnung, warum da kaum einer war. Mir war’s recht! Also bin ich durch ALLE Museen auf der Insel durch. Abends dann auf dem Funkturm im Messegelände, wo ich bei Dämmerung dann (wieder über MFZ) eingesammelt wurde. Für 15 Piepen brachte er mich nach Hannover. Dort am Hbf sammelte mich meine Cousine ein. Wir haben in einer Kneipe gegessen und getrunken.
Am nächsten Morgen in Ruhe gefrühstückt und dann mit dem Zug zurück nach Dortmund. Ankunft 13:15 – Was mir noch ca. 45 Min. Zeit lies, bis ich zur 5:0 Abfertigung des Karnevalsvereins starten konnte.
Noch Fragen?
:)

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Sitz-Lilien

Salve!

Bei feinstem Wetterchen verließen wir die Heimat auf dem Weg in den Regen. Na wenigstens war der hier warm :) Tatsächlich war immer kurze Buxe angesagt.

Am schwülen Sa Abend nahmen wir dann unseren FIAT in Empfang. Fast neu und tadellos (aber Veränderungen sind ja was tolles). Mit einer neuen „an-der-Ampel-ausgeh-Automatik“ – kannte ich noch nicht, aber fand ich ganz gut.
 Der Sizilianer an sich legt sehr viel Wert auf die volle Funktionsfähigkeit seines Autos: permanent kontrolliert er den linken Blinker (also natürlich auch auf BEIDEN Fahrbahnen), häufig das Fernlicht und die Hupe.
Der Verkehrskollaps hat hier längst stattgefunden (in den Städten zumindest). Das Fahrverhalten ist nicht großartig anders als in Indien („ich fahr schon mal in die Kreuzung rein, irgendwann muss ich ja durchkommen“ – so kann man natürlich wunderbar andere Spuren blocken). Ich stellte mich schnell auf das rücksichtslose und maximal aggressive Fahren ein (häufig wurde an den Straßenrändern sogar dafür geworben - "Aggrotourismo"): Blinken stellte ich praktisch noch in den ersten 24 Std. ein. Wenn du 90 bei 50 erlaubten fährst, rechts das Überholverbotszeichen und dazu die durchgezogene Linie siehst, kommt das "wir kontrollieren hier elektronisch"-Schild wie eine Farce vor, wenn du von ALLEN überholt wirst! Die Skrupel legte ich zügig ab und fuhr wie die Einheimischen notfalls auf der nicht vorhandenen 3. Reihe. Später hielten mich auch rote Ampeln und Einbahnstraßen in die anderen Richtung nicht mehr auf. Ganz normal. Aber für die eine mickrige Stunde Falschparken kurz nach dem Einladen am letzten Tag musste ich 39 Piepen latzen!
Also denk das nächste Mal daran, wenn du darüber meckerst, dass der Verkehr hier nicht läuft…

Bei der Ankunft in Palermo begrüßte mich auf dem Klo übrigens eine schwarz-weiß-rote Fahne mit römischen Insignien und ich erinnerte mich, das der lokale Fußballclub der rechten Szene zuzuordnen ist. Lustig, dass die ausgerechnet in rosa spielen... Naja, Faschismus hatte ja in Italien nie wirklich schlechte Konjunktur. Als mich in einem Souvenirladen Mousse-O-Lini mit dem erhobenen rechten Arm begrüßte, verließ ich angewidert den Shop. Aber den Knaben gab‘s da in jedem Laden...

Tja, wie sieht der Sizilianer an sich aus? Er hat definitiv zu viel männliche Hormone. Die Frauen sind nur besser rasiert. Die Jüngeren zumindest. Außerdem kann man hier unmöglich unterzuckern, so dass ein Großteil der Leute pummelig sind (aber trotzdem gern eine Nummer zu klein tragen). Aber alle finden sich toll. Und beim Reden ist es unabdingbar, dass sich mindestens in einer Hand alle fünf Finger berühren. Und hier kommt auch Luigi (Mario-Brothers) her …
Sizilien ist angeblich das "Land", dass am häufigsten erobert wurde. Doch der finale Aufschwung begann ja erst in den letzten 20-60 Jahren. Wo wäre Italien heute ohne Sonnenbrille, Pomade/ Gel und letztendlich ohne Handy?

In den 1.500 km rund um die Insel haben wir ne Menge gesehen: Egal, wie mickrig der Ort auch war, sein "Dom" war immer überwältigend. Leider meistens neben dem Rathaus auch das einzige Gebäude, was gut in Schuss war. In Rumänien und anderen ehem. Ostblockländern sieht es nicht schlimmer aus! Manchmal war es sogar eher Lateinamerikaniveau! (Man sagt ja auch, Sizilien ist die DDR Italiens (wobei böse Zungen behaupten, dass das auf alles außer Südtirol zutrifft).) Denen im Osten kann man immerhin zu Gute halten, dass die erst seit ca. 20 Jahren "Freiheit" am Aufbau arbeiten (können). Also denk das nächste Mal daran, wenn du darüber meckerst, dass so ein Land in die EU will, während die Pfeifen im Süden schon von Anfang an (!) drin sind.

Ich zitiere hier mal einen Reiseführer: "Nach Sizilien kommt man nicht der Strände wegen." Darum waren wir auch nicht hier, aber dass man auf einer Insel doch mal ans Wasser will, ist doch normal! Also folgten wir gierig dem ersten Schild "mare" als denn das Wetter danach war: eine Treppe führte auf eine Art Felsplateau, dass genug Platz für ein Duzend Leute geboten hätte und etwa dem Müll, den so eine Anzahl in einer Woche produzieren kann. Aber nur letzteres wurde erfüllt - "Nach Sizilien kommt man nicht der Strände wegen."
Beim nächsten Versuch folgten wir wieder den Schildern. Der Strand war diesmal größer. Parkmöglichkeiten gab es für ca. 3 bis 5 Autos. Das Parkhaus war zugekettet. Ganz so viel Müll gab‘s hier nicht, aber für die ca. 15 Gäste mindestens 2 illegal eingewanderte Krempelverkaufsnordafrikaner. "Nach Sizilien kommt man nicht der Strände wegen."
3. Versuch: "lido azzurro" - der blaue Strand. Hört sich toll an. Passender wäre allerdings "Müllkippe azzurro": Wenigstens gibt es zwischen den Müllflächen genügend Platz für unsere Handtücher und neben den illegal eingewanderten Krempelverkaufsnordafrikanern noch eine Reihe von ostasiatischen Masseusen. Und der meiste Müll ist auch gar nicht so gefährlich wie die zerbrochenen Glasflaschen oder so ekelig die alten Windeln. erfüllt - "Nach Sizilien kommt man nicht der Strände wegen." Der ca. 150 - 200 m breite Sandstrand (das Potenzial ist da!) wird auf ganzer Länge bis ca. 5 m vor dem Meer durch eine blickdichte Holzmauer vom der "Müllkippe verde" (unserem 4. Versuch) getrennt. Letztere erinnert (von der Kulisse her) stark an Kuba (nur, dass auf Kuba kein Müll war): ein ehemals für den „Strandgebrauch“ errichtetes Gebäude hat sich nun dem Verfall gewidmet. - "Nach Sizilien kommt man nicht der Strände wegen."
Kenne ich von daheim nicht! Also denk das nächste Mal daran, wenn du über so was wie Kurtaxe meckerst…

Eigentlich schade. Denn: Wenn du mit dem Auto an der Ostküste nach Norden fährst, den Ätna immer als Begleiter am Horizont, kommst du von durch abwechslungsreiche Landschaften. Den Olivenplantagen schließen sich Zitronenhaine an, dann kannst durchs „Gebirge“ hochfahren und eine Kuh steht mitten auf der Straße und hinter der nächsten Kurve kommt dir eine Ziegenherde mit Glöckchen und Hirte hinterher entgegen – ein fast alpine Kulisse. Wenn du dann Cefalu ankommst, dort durch den feinen sauberen Sand ins glasklare Wasser watest – im Hintergrund der riesige Fels, an den sich der Ort schmiegt , du abends auf der Dachterrasse mit einem Glas Rotwein sitzt, während rechts von dir die Sonne hinter rot angeleuchteten Wolken untergeht und in der Dämmerung das ferne Ende der Bucht erst durch die Lampen dort sichtbar wird und links von dir der Normannendom einen immer längeren Schatten auf den riesigen Felsen wirft und dabei das Leben auf dem kleinen Vorplatz in Schwung kommt, dann weißt du: es geht auch anders! Und: nach Sizilien kann man auch der Strände wegen kommen.

Ach, da gibt’s noch ne Menge weiterer Geschichten, die erzählen wir euch mal, wenn wir uns sehen…

Ein schöner Urlaub. Aber keine Empfehlung. Zumindest NOCH nicht.

IL MANUEL

Montag, 1. August 2011

Enschede

Die Stadt ist keine Reise wert. der Markt am Sa. allerdings riesengroß & gute, günstige Sachen.
Zum schwachen & teuren (das ist in NL überall so) Abendessen sind wir in einen Laden am Kirchplatz.
Es lief: Twente gg. Ajax. Es spielte nur türkis (gg. rot).
Dann haben wir die Lokalität gewechselt.
Plötzlich ein Raunen. 1:0
Die Wahl der Spelunke traf dann Steffi. Mir war‘s gleich und Bruder & Schwägerin sind extrem unkompliziert.
Am Eingang saß ein Dunkelhäutiger am Spielautomat, 2 Molukken guckten Fußball. Wir dann auch.
Es spielte weiterhin nur türkis. Da es 1:0 stand, war es für uns klar, dass muss Twente sein. Dann Halbzeit. Es ging so weiter, aber nicht mehr ganz so arg.
Sonntagsschuss türkis und es stand - oh Wunder - 1:1. Die roten (also das Heimteam) hatten wohl einen Elfer bekommen. Dann rot für einen wegen Schwalbe. Die waren während der 90 min 2 mal vorm Tor. Und das zweite Mal machten die mit dem Sonntagsschuss das 2:1. Also gute Stimmung.
Es kam dann eine Tusse und Karaoke ging los.
Sie sang Celine Dion. und son ähnlichen Rotz.
Wir haben getrunken.
Genug, um später auch mal das Mikro zu nehmen.
Schwägerin & ich: die fette Elke
Schwägerin & Steffi: Nena
Später haben wir dann mit denen holländische Schlager gesungen.
Nach 8 Pullen Grolsch & 3 Schnäpsen haben wir dann rubbeldikatz gewünscht und bekommen und mitgesungen. So dass später noch ein paar Einheimische Migranten (der laden war mittlerweile richtig voll) mit einstimmten.
Der Molukke wollte dann noch Rammstein von mir gesungen haben, der Wirt meinte aber, das wären Nazis.
Ich hab mich noch mit ‘nem Türken angefreundet, der auf meine Schwägerin stand.
Die Bruchbude, in der wir gewohnt hatten war zum Glück schön nah.
Alles in allem ein gelungener Ausflug!

Sonntag, 10. April 2011

USA: Ostküste

Oh wie schön ist Panama...
...oder warum man manchmal (fast) nicht da ankommt, wo man hin will:

Urlaub fing schon mit Stress an: der dämliche Fahrkartenautomat nahm keine (eine hätte gereicht) meiner drei 20 Cent Stücke, Zug zum Flughafen war (natürlich) zu spät. Dann Nervosität beim check-in - aber esta-Formular korrekt ausgefüllt - Entspannung setzt dann doch ein. Der Delta-Flug war auch gut, die Saftschubsen sind zwar eher alt und abgehalftert oder gar männlich und die "TV-Anlage" eher veraltet, aber der Service 1A!
Irgendwie doof, dass wir praktisch über PHL flogen, um in Atlanta umzusteigen, aber da ist nun mal das Delta-Drehkreuz....
Dort dann die obligatorischen 90 Min. Wartezeit, bis man endlich einreisen durfte und dann...
Zunächst wurde der Anschlussflug um 35 Min. verschoben - wegen irgendwelcher Verkehrsprobleme in PHL. Dann ging’s los, aber landen durften nicht. Also Schleifen fliegen. Irgendwann war dann wohl der Sprit alle und wir mussten nach Norfolk fliegen, das Wanne-Eikel der Ostküste: keiner weiß, wo es liegt und keiner will dort hin - also wieder nach Süden. Vor der Landung wurden wir ordentlich durchgeschüttelt und kaum war der Geruch von verbranntem Gummi verflogen, wähnte ich mich in einer Möwenkolonie: ca. 150 Menschen fingen gleichzeitig ausnahmslos alle an zu telefonieren (obwohl keiner wusste, was los war geschweige denn, wie's weiter geht). Dann die Info, dass der Flughafen in PHL gesperrt wurde wegen schlechten Wetters und jetzt erst mal gewartet werden müsst - da kamen die Möwen wieder. Irgendwann die Durchsage, wir würden in 20 Min. losfliegen. Möwen.
Im Allgemeinen ist das Rumhantieren mit dem Handy viel schlimmer als bei uns. Wahrscheinlich wird das auch noch kommen...

Da ging’s flugs zur Autovermietung. Der freundliche Herr von Hertz, der Los der Nachtschicht gezogen hatte, hatte offenbar Valium zur Stressbewältigung gezogen. Er bearbeitete uns in Windeseile und nach einer guten Stunde hatten wir auch schon unser Auto. Dann zum Motel und nach 24 Std. und doppelt so vielen Minuten konnten wir endlich wieder liegen.

Der 1. Morgen war grau und das Thermometer im Wagen brachte die Gewissheit: die Temperatur hatte die wichtige 0-Grad-Marke geknackt. Wir hatten dicke Sachen dabei, aber nicht für solche Temperaturen. Also "rannten" wir durch die Stadt, um nicht zu frieren. PHL gefiel uns gut. Anders als andere amerikanische Großstädte gab es in der der Innenstadt viele Einkaufsmöglichkeiten und Altbauten. Hier wurde die Unabhängigkeit unterzeichnet und es war vor Washington Hauptstadt. Und es gibt hier sogar ein "Germantown", weil hier die meisten deutschen Einwanderer einst hinkamen.
Nach 8 Std. taten uns die Füße weh und wir entschieden uns, so schnell wie möglich nach Süden (also zum 3. Mal in diesem Urlaub) zu reisen.
Die Straßenverhältnisse (nicht nur in PHL) sind teilweise noch mieser als nach unserem Winter. Zum Glück war unsere Mühle nicht tiefer gelegt!
Parken im Parkhaus: 4,25 $ für die 1. Std., also freu dich über unsere Innenstadtpreise!

Am nächsten Morgen galt (mal wieder) mein Respekt den Konstrukteuren von (scheinbar) ganz normalen Stühlen, die tatsächlich das Gewicht etwa eines ausgewachsenen Büffels tragen konnten. Neben uns schien mein Weltbild aus den Fugen zu geraten, als eine Frau einen Apfel essen wollte. Aber beruhigt sah ich zu, wie sie selbigen mit Erdnussbutter bestrich. Nach dem Frühstück hatten wir etwa so viel "Grünen-Punkt-Müll" produziert, wie daheim in einer Woche.

In Baltimore kamen wir durch niedliche "Einfamilienreihenhäuser", die aber wohl teilweise sozialer Wohnungsbau waren. In ganzen Straßenzügen waren Häuser zugenagelt. Scheint schwer vorstellbar, denn architektonisch um einiges schöner als etwa der Hannibal bei uns. Die "Innenstadt" am Hafen war ansprechend und durch die Sonne wurden sogar die 10 Grad geknackt. Es gab kostenlose Touribusse und eine deutschsprachige Dame in der Touriinfo, die sich freute, endlich mal ihre Kenntnisse nutzen zu können.

Dann haben wir Annapolis angesehen, die älteste Stadt (besser Dorf) der (englischen) USA. Erinnerte vom Flair entfernt an so etwas wie Gretsiel. Hat uns gefallen.

In Washington haben wir dann (teuer) übernachtet. Ein Bier (350ml) kostet 3,50 € (in PHL 1,50 €). Hier war alles teurer, hier gab’s auch die meisten Touristen. Die Stadt selber ist wirklich sehenswert. Breite Straßenzüge und Altbauten wie etwa in Wien lassen die Stalinistisch wirken. Nicht zu Letzt auch durch Gebäude, wo der alte Cäsar hätte Pate stehen können und das Capitol, das aussieht, als sei es aus demselben glänzenden Marmor wie der Ceausescu-Palast in Bukarest.
Natürlich wurde wie immer irgendetwas renoviert. Und so war der Teich vor dem Lincoln-Denkmal (wo Forrest Gump seine Freundin umarmt) trockengelegt. Weiter südlich ein echter See und überall Kirsch- und Magnolienbäume, die grade zu blühen anfingen gaben bei strahlend blauem Himmel ein tolles Bild ab.
Die ganze (Kriegs-Gedenk-)Anlage ist sehr großzügig angelegt, so dass inkl. (bzw. zzgl.) Irak, Afghanistan & Libyen noch ein paar andere Länder erobert bzw. in Schutt und Asche gelegt werden können...
Hier gab’s auch die meisten Touris und das einzige Mal auf der Reise hörten wir vereinzelt andere Deutsche.
Hunger oder Durst zu stillen erwies sich (ausnahmsweise) als nicht ganz so einfach, denn weder auf der (kostenlosen) Museumsmeile noch in der nächsten Straße gab’s dafür Einrichtungen. Vereinzelte gab’s dann in der näheren Umgebung.

Dann wollten wir nach Richmond. Kennt jeder als Südstaaten-Hauptstadt aus Fackeln im Sturm. Aber aus DC rauszukommen, erwies sich als schwere Geburt. Schilder zu irgendwelchen Autobahnen oä gab es keine. Aber für EINE Wagenlänge Parkverbot gleich 4 (!) Stück. Sowieso ist der Schilderwald katastrophal unübersichtlich (manchmal steht einfach ein einzelnes Parkverbotsschild am Autobahnrand - die waren scheinbar noch im Fundus und übrig).
Aber wir haben’s geschafft.
Verrückt: Ich hab mir bei der Kälte die Nase verbrannt!
Richmond ist allerdings keine Reise wert. Als wir morgens aus dem Fenster sahen: Schnee auf den Autos!!!
Dass die Meteorologen in TV sagen, dass es für die Jahreszeit viel zu kalt ist, tröstet uns wenig.

Dann ging’s an ein paar alten Farmen (u.a. die älteste des Landes) über die Museumsstadt Williamsburg (kam uns eher wie Nap vor) auf die Outer Banks - Nordsee im Herbst. Kilometerlang. Stundenlang. Fast ausgestorben. Zu kalt. In den wenigen bewohnten Siedlungen sollten wir 20 bis 25 mph fahren (da wird man fast von Fußgängern überholt) und dann gab’s auch gleich die Polizei, die uns "nur" verwarnte. Puh!
Wir mussten dann auf einer Insel übernachten und haben uns eine Pizza aufs Motelzimmer kommen lassen. Ein bisschen wie im Film - wie im Übrigen auch ein paar Ranger, die andere Verkehrsrowdies anhielten, sowie das Frühstück am nächsten Morgen.

Hatte schon im Reiseführer was von wegen "Dialekt" gelesen und es dauerte auch etwas (und manchmal auch mehrfaches Nachfragen), um rauszufinden, was "ja wo faa pie, ra?". Ansonsten waren die meisten Amis freundlich und vor allem interessiert. Da war mal eine in Deutschland, eine wurde dort geboren, ein Vater kam von dort usw.
Auf gute Manieren bzw. Erziehung braucht man hier nicht zu hoffen. Dabei meine ich nicht, dass auch in feinen Läden die Leute nicht mit Messer und Gabel essen (können). Zwar ist die Bedienung in jedem noch so miesen Restaurant (in guten ohnehin) deutlich besser als bei uns, aber Rücksichtnahme ist hier unbekannt. Sonst hätte man wahrscheinlich auch nicht so viel Freude daran, mal eben ein anderes Land zu verwüsten und ein paar Einheimische abzuknallen. Viel mehr nervte die Tatsache, man beim Autofahren noch seltener reingelassen wird als bei uns - wenn überhaupt! Aber am allerschlimmsten ist die Tatsache, dass man zu JEDER Zeit laut ist. Egal, ob es mitten in der Nacht ist! (s.u.)

Autofahren ist ja hier so eine (Schleicher-)Sache, aber normalerweise wegen des außerhalb der Besiedelungen geringen Verkehrs, der kilometerlangen graden Straßen sowie dem Speedomaten. Ich wollte es mir grade während der Fahrt auf der Rückbank gemütlich machen, als meine Frau jedoch intervenierte und ich doch hinterm Steuer bleiben musste.
Nervig sind auch die tellergroßen Schilder, die an Kreuzungen sagen "hier hättest du links gemusst". Aufgeheitert wird man von den Namen, wobei bei der Gründung der verschiedenen Orte der Einfallslosigkeit keine Grenzen gesetzt waren: wir kamen vorbei an Alexandria und Lima (nur ganz selten hatte man sich die Mühe gemacht, "New" (zB Bern) davor zu schreiben. Als dann den Siedlern nix mehr eingefallen ist, hat man einfach Ländernamen genommen (Bolivia) oder was der Himmel so bietet (Jupiter) oder ganz dämlich "Versorgung" (Supply). Wenigstens ist und bleibt Dortmund einzigartig!
Aber es gibt auch kreative: www.classiccarandtruckclubofbeaufort.org – kann man sich doch gut merken, oder!?
Deutlich schlimmer als bei uns (und da nervt es schon heftig) ist die Blaulicht- und Unfall-Gafferei - ALLE werden DEUTLICH langsamer (auch wenn es in einer ganz anderen Straße was zu glotzen gibt). Bei Dunkelheit oder starkem Regen wird nicht direkt das Licht angeschaltet, was manchmal schon gefährlich ist!

Apropos Regen: auf dem Festland hat es die ganze Zeit bis South Carolina geregnet. Das spanische Moos sah dann in den Bäumen etwas gespenstisch aus. Aber es schien die Zeit der Blüte zu sein und das sah am nächsten Tag toll aus. Zudem war es plötzlich super Wetter. Vor ein paar Tagen muss es hier so heiß gewesen sein, dass es gebrannt hatte: die Bäume waren teilweise verkokelt und es roch sogar noch nach "frischer" Holzkohle.
übernachtet haben wir in Georgetown, ganz nett, aber keine Reise wert. Zum Frühstück probierte ich dann etwas, das aussah, wie Erbrochenes, wobei die Bröckchen (so fand ich raus; das andere Wort kannte ich nicht) so was wie grobe Bratwurst waren (kann mir einer von euch sagen, was das war?). Ich war mir nicht sicher, ob ich es "mochte" und probierte noch mal. Tendenz: eher nein. Ich hatte dann sehr lange keinen Hunger mehr.
Wir haben dann Charleston besucht und echtes Südstaatenfeeling (bei endlich mal warmen Sonnenschein) kam auf. Trotz der vielen Touris war es wirklich toll dort. All diese riesigen Villen zeugten von Reichtum. Ein Plantagenbesuch hatte das Bild abgerundet.
Zur Feier des Tages (bzw. Wetters) kaufte ich mir eine Art Zigarre. Die obligatorische Frage, ob die denn auf dem Schenkel einer Kubanerin gerollt worden wäre, sparte ich mir, denn die Antwort war offensichtlich.
Später machten wir noch einen Stopp in einem kleinen Sumpf und beobachteten Alligatoren.
Den Abend verbrachten wir Beaufort und aßen endlich mal richtiges Steak.
Die Schönheit dieser Stadt konnte man (aus dem Auto) am nächsten Morgen nur erahnen: die Sintflut hatte begonnen. Es regnete, nein schüttete, den ganzen Weg durch Georgia. Leider auch in Savanah. Die Stadt wurde angeblich von Kriminellen (mit)begründet. Dass sich daran nicht geändert hatte, wurde klar, als man fürs Visitors Center auch noch zahlen sollte. Ich entschied mich in Summe Georgia für den miesesten Staat der Reise zu deklarieren.

Dann - fast genau 1200 Meilen nach unserem Start - erreichten wir Florida. Während die Temperatur mit jeder nach Süden Meile stieg, ging der Regen weiter. Also: Shopping!
Die nächsten beiden Nächte verbrachten wir in St. Augustine. Auch hier war (spanische) Geschichte lebendig. Jede Menge Touris störten uns nicht, als wir am Abend von der Veranda des "stilechten" Motels auf die Lagune blickten.
Am nächsten Morgen: Regen. Also: Shopping. Irgendwann vermutete ich ein Wimmern der Kreditkarte zu hören. Egal. Zur besseren Vorstellung: meine FRAU hatte am Ende keinen Bock mehr zum Shoppen!
Am Nachmittag konnten wir endlich mal trockenen Fußes durch die Stadt schlendern. Toll!

Endlich mal 2 Nächte in einem Zimmer/Bett! Von wegen: die Toilette ging am ersten Morgen in den Streik und wir mussten 2 Zimmer weiter ziehen.
Wir entschieden uns, den Aufenthalt um eine Nacht zu verlängern. Wie bitte? 55 $ mehr (bisher: 95 $) nur, weil Wochenende ist??? Wir lehnen dankend ab und reisen nur bis Daytona Beach, wobei wir immer wieder Stopps am Strand einlegen. Beim letzten Stopp entfährt uns beiden gleichzeitig "was ist denn das für eine Scheiße?!" - ein über 100 m breiter, kilometerlanger, feinsandiger Strand und überall parken Autos!!! Der Blick über die Schulter ist ebenso hässlich: Vieles erinnert an die Hotelklötze in Cancun, nur sind das hier Wohnhäuser, die von weitem dem Hannibal in nix nachstehen. Aber hier hat man in regelmäßigen Abständen dem Pöbel wie uns einen Zugang dafür geschaffen. Das muss man denen hier lassen: an jedem Zugang Duschen und an den meisten auch WCs, die - insbesondere für öffentliche - sehr sauber sind (wie das ganze Land an sich auch).
Die Hotels sind entweder ausgebucht oder exorbitant teuer oder die letzten Bruchbuden, für die aber trotzdem ein Heidenmoos verlangt wird. Außerhalb finden wir ein nettes und zudem günstiges Motel. Um 1:30 ist die Nacht zu Ende: die Vorzüge des Motels hatten auch 4 jüngere Leute im Nachbarzimmer entdeckt, durch dass wir (wie oft üblich) durch eine Doppeltür getrennt waren. Die haben so viel gekifft und gefeiert, dass wir dem Fuzzi an der Lobby um 5:30 noch ein zweites Zimmer abrangen. Also hatten wir jetzt in genauso vielen Betten geschlafen, wie wir hier waren... Als ich am späten morgen dann in unser Zimmer zurückkehrte, roch es bei uns so, als hätten wir selbst grad die Ernte aufgebraucht.

Fußball bekommt man hier nix mit. Aber da ich gute Beziehungen nach Hause pflege, ereilten uns frühstückend bei gleißender Sonne die guten Nachrichten vom Tabellenführer. Es war ein sinnloses Unterfangen, aber abends (ver)suchte ich es trotzdem im TV. Der erste Sender zeigte Werbung. Der nächste auch. Und die nächsten vier auch. Dann: Basketball, Baseball, Eishockey, Football (die Saison ist vorüber, also wird alter Mist wiederholt, statt mal die echte Kunst vom grünen Rasen zu zeigen), Golf, Basketball - schon wieder? Ach so: Frauen. Dann eine Halle voller Leute. Aber kein Sport. Kein Konzert. Nein: ein Prediger! Dann fiel mir die Drive-In-Kirche ein, an der wir vorbeigekommen waren – und die wundern sich über religiöse Fanatiker in anderen Ländern??? Ich gab die Suche auf. Allerdings hatte die Werbung für Waffen (auch auf Plakaten) und die Tatsache, dass es eigentlich bei jeder Gelegenheit Waffenläden gab, die Wirkung, dass ich mich aufmachte, unsere Sicherheit zu verbessern. Leider konnte ich mich gegen meine Frau nicht durchsetzten und so zogen wir verängstigt und gefährdet weiter.

Die Nacht wollten wir in Melbourne (wir waren immer noch in den USA) verbringen. Es gab EIN einziges Hotel und das war WEIT draußen und kostete über 120 $. Also suchten wir noch etwas. Es gibt auch B&B, aber anders als wir das kennen: alte Häuser, in denen man stilecht wohnen kann. Das letzte freie Zimmer: > 500 $. Ich wollte die Butze nicht kaufen! Nach ca. 2 Stunden - in diesem Kaff wohlgemerkt - hatten wir Hunger und langsam mieser Laune. Wir entschieden uns für das Hotel. Wie hatten nämlich geplant, durch die kleine Altstadt zu schlendern und am Ende Seekühe zu beobachten und wollten darum 2 Nächte bleiben. Die Zimmer für den Kurs gab’s nicht mehr. Nur noch für > 70 $ mehr. Ich stellte mich innerlich auf eine Nacht im Auto ein, da sagte die Empfangsdame: "Wir haben noch ein Hotel, noch weiter draußen." Ok, also hin. Das war dann mit 80$ noch deutlich günstiger. Direkt vor dem Zimmer war ein beheizter Pool. Wie geil! Und rein!
Wir buchten das reichhaltige Frühstück dazu. Es gab sogar gesunde Sachen, wie Obst und Müsli. Ich entschied mich für Bratkartoffeln, Rührei und Speck, sowie eine frische Waffel mit Sirup und Butter zu Nachtisch. Hmmmm!
Wir lungerten den Tag am Pool und gingen später in den Supermarkt. Lebensmittel sind recht teuer - insbesondere (so hatten wir das Gefühl) gesunde - was Restaurantpreise wiederum relativiert.
Seekühe haben wir nur als große dunkle Schatten unter Wasser gesehen. Trotzdem war’s schön dort. Zudem gab’s in Fußläufigkeit ein Steakhaus mit grandiosem Essen und ich konnte endlich mal ein Bier trinken.
Wir entschieden uns, zu bleiben. Aber jetzt sollte die Nacht 55 $ mehr kosten, weil eben KEIN Wochenende mehr war?!? Was für eine Verarsche (ich mein, Geschäftsreisende brauchen doch so einen Pool nicht)! Abreise!

Wir kamen weiter südlich durch Gegenden, wo sich Millionäre kein Haus leisten können. Hier wohnen Taiga Wutz, Sänger und Schauspieler. Wow!
Hier gibt’s dann auch mal Fußgänger und ne Menge Sportler. Die Reichen scheinen auch mehr Wert auf Gesundheit zu legen...

Wir finden ein liebevolles von einem Italiener und seiner kanadischen Frau geführtes Motel in Ft. Lauderdale by the sea. Ich bemerke die doch übermäßig vielen Männergruppen im Motel und finde im Reiseführer die Bestätigung: Ft. Lauderdale ist eine Mischung aus Venedig und Köln (oder hier: San Francisco).
Die dunkelhäutige Putzfrau mit einem "der Herr ist mein Hirte"-T-Shirt macht den Aufenthalt noch angenehmer. Ein altes kanadisches Ehepaar aus der (auf Deutsch) lustig klingenden Provinz "Gebäck" sind die einzigen muffigen Menschen, die wir auf der Reise treffen. Dagegen "freunden" wir uns mit einem amerikanisch-kanadischen Rentnerehepaar an.
Den ersten Abend essen wir an der „Promenade“. Alles wimmelt von Touris, endlich (und das einzige Mal) bekomme ich meinen Fisch (wenig, dafür, dass wir fast immer am Meer waren). Das Essen meiner Frau ist nicht besonders gut, dafür aber teuer. Am nächsten Abend essen wir in einer richtig guten Kette. Das Essen (Steak) ist super und günstig. Im Preis inbegriffen ein Stück Kuchen, dass wir nur zu zweit mit Mühe und Not schaffen. Wir befürchten, sofort Insulin spritzen zu müssen: Der („Käse“)Kuchen besteht aus der Zucker- und Fettportion für einen Monat und hatte einen Geschmack, der uns in Ekstase versetzte. Wir beteten heimlich, dass diese Kette niemals über den großen Teich kommt…

Am 1. Nachmittag kommt - wie vorhergesagt - ein Gewitter. Wir fahren nach "Downtown" Ft. Lauderdale zur "Einkaufsstraße" und dem "Riverwalk".
Ich war schon mal hier und nun fällt mir auch ein, warum ich keine Erinnerungen mehr an diese Stadt habe:
Parken kostet 6 $ die 1. Stunde und entsprechend sind die Preise in den Läden. Vom Riverwalk sind wir auch enttäuscht. Von oben muss es toll aussehen, aber die Stadt kann man auch ohne Aussteigen erkunden. Fußgänger gibt’s entsprechend keine (außer einer kleinen Gruppe Betrunkener).
Während wir die nächste Zeit bei 30 Grad genießen, wägen die Effekte eines "Ich-steig-aus-Faxes" nach Hause ab. Als wir lesen, dass der Sky-Train grad nicht verkehrt, die Bahn 30 Min. Verspätung hat und auch keine Rolltreppe geht (wozu auch - oder könnte am Flughafen jemand mit schwerem Gepäck sein?), wissen wir, dass wir die falsche Entscheidung getroffen haben...

Am letzten Abend reisen noch ein paar Asseln an, d.h. eine: ein Mann mit Popelbremse seiner - allerdings normalen - Frau und Mutter. Er läuft 4 (!) Mal zum Auto und holt nur Sprit. Als wir am nächsten Morgen gg. 9 zum Frühstücken rauskommen, liegt er schon mit einer Kanne Bier in der prallen Sonnen...
Wir besuchen noch ein paar Drehorte von Miami Vice und den berühmten Art Deco District von South Beach. Abgesehen von den Gebäuden gefällt es uns nicht: Hektik, überall laute Mucke, Poser ohne Ende und alles sauteuer. Und hier finde ich die mit Abstand ekelhafteste Strandtoilette.
Wir machen noch schnell ein Andenken-Foto vor einem Ortsschild mit Temperaturanzeige (die in diesem Falle fast die Körpertemperatur erreicht) und dann ging’s ganz gemütlich durch ein paar schöne Stadtteile und dann zum Flughafen. Die Ausschilderung und die Rückgabe des Toyotas (fuhr trotz aller Rückrufe sehr geschmeidig) waren 1A.

Nach 1750 Meilen (2800 km), Temperaturen zwischen 0 und 34 Grad (Celsius) verließen wir den wohl geschichtsträchtigsten Teil des Landes der Doppelmoral mit einer großen Menge an Eindrücken und Erlebnissen und schönen neuen Klamotten :)
Vermisse jetzt schon den "grünen Rechtsabbiege Pfeil" und das Volltanken für weniger als die Hälfte!

Euer
Yankee Manuel

Gerne zeigen wir Interessierten auch Highlights…

PS:
Für Nachmacher: die ADAC Mitgliedschaft hat sich echt gelohnt!