wie es kam...

Tja, irgendwie verlaufen meine Reisen immer katastrophal, was mir den Spitznamen "Dr. Katastrophe" einbrachte. Leider sind nicht mehr alle Reiseberichte vorhanden. In manchen Fällen nur noch ein "Beschwerdebrief"...

kreative (!) Anregungen sind willkommen!

Euer
Dr. K.

Freitag, 30. März 2018

Juckatan

...oder die Mücke Maya

Vorgeschichte und Anreise:
Normalerweise ist der Februar einer der miesesten Monate bei uns und ich wäre da gern vor Regen und Kälte geflohen, aber ich entschied mich, dem heimischen Thekenverein ins verregnete Norditalien zu folgen. Der Urlaub konnte daher erst im März stattfinden. Der Vorteil war, dass wir die klassische Winterkrankheitswelle hinter uns hatten und ausnahmsweise mal gesund in den Urlaub fuhren.
Abflughafen war Köln-Bonn. Zwar nicht unser Wunschflughafen, aber dafür gab es von dort einen Direktflug. Nun ist das nicht mehr im VRR. Wir hatten ein „Zusatzticket“, hätten aber ein „Anschlussticket“ gebraucht. Wir lernten doch tatsächlich mal einen netten Kontrolleur kennen, der es uns erklärte und uns dann weiterfahren ließ.
Am Gate waren allerhand seltsames Volk. Einen Typen mit einer kurzen Hose über einer Leggins und einen anderen mit Wollmütze. Hatten die in Geografie nicht aufgepasst oder wollten die vor Ort um die Wette stinken? In unserer Nähe im Flieger zum Glück nur zivilisierte Leute, was vielleicht daran lag, dass ich uns extra Beinfreiheit gebucht hatte. Rückblickend mit Sicherheit eine der besten Investitionen in diesem Jahr bis dato. Der Flug an sich war ebenfalls der beste Langstreckenflug, den ich je hatte. Das Wetter war so traumhaft, dass wir New York klar sehen konnten.
Auf dem gesamten amerikanischen Doppelkontinent war ich in keiner Stadt drei Mal - in Cancun, die Stadt, die eigentlich keinen Besuch wert ist, kam ich zum dritten Mal an. Aber irgendwie fühlen wir uns hier ein ganz klitzekleines bisschen zu Hause. Wir wurden am Flughafen abgeholt, was ich nach so langen Flügen immer wieder sehr angenehm empfinde. In unserem Hostel war leider das Abendessen gerade zu Ende. Lag unter anderem daran, dass wir gern noch Geld gezogen hätten, aber der scheinbar einzige Automat war kaputt. Da der Chef im Hostel nicht da war, konnte der Gehilfe uns kein Geld tauschen. Also mussten wir noch zum Supermarkt und dort Geld holen und bei der Gelegenheit ein paar Pils und natürlich den ersten Tequila und Limonen. Unser spartanisch eingerichtetes Zimmer hatte eine riesen Terrasse, um den Ankunftsabend ausklingen zu lassen.

Der Norden
Die ersten Tage war es ungewöhnlich stark bedeckt. Warm genug für Sandalen usw. war es trotzdem. Am Ende des ersten ganzen Tages gab es sogar einen Platzregen. Zum Glück wurden vor einer Kneipe davon überrascht, in der wir weitere Bier und Tequila Sorten ausprobieren. Mittlerweile gibt es auch eine Mall, die einige in unserer Heimat übertrifft – in jeder Hinsicht. Wir gehen shoppen. Meine Frau verschwindet in einer Umkleide, ich setze (!) mich hin. Eine Angestellte läuft an mir vorbei und lächelt mir von Auge zu Auge ins Gesicht (dazu später mehr). Manch einer behauptet auch, Yucatan sei Mexiko für Anfänger, weil es fast so ist wie daheim. Wetter und Ort sind zum Akklimatisieren allerdings genau richtig. Das Hostel ist zum Kennenlernen gut geeignet. Wir müssen leider feststellen, dass wir wohl langsam zu alt für das übrige Publikum sind und so genießen wir Pils auf der riesigen Dachterrasse, die uns mehr oder weniger allein gehört. Jeder muss sich sein (inklusives) Frühstück selbst machen. Die Sauberkeit der Teller und Tassen lässt daher etwas zu wünschen übrig. In der Mall kaufen wir uns daher etwas eigenes, was sich rückblickend als wahrer Glücksgriff herausstellt, da wir es – und sei es nur für den eigenen Tequila – des Öfteren gebrauchten.
Am vierten Tag holen wir dann unseren Mietwagen ab – einmal rund um die Halbinsel Yucatan. Wir sind etwas aufgeregt, weil wir schon so viel über die Polizei in Mexiko gelesen und gehört haben. Tatsächlich ist am Ortsausgang der erste „Posten“. Man sollte sich ja auf doof stellen (als ob man kein Spanisch spricht), aber das kann ich nicht. Ich antworte auf seine Frage, ob alles gut sei, freundlich mit ja, alles bestens und er sagt nur: „Gute Fahrt.“ Kurz danach ist schon wieder jemand an einer Mautstelle, der irgendwas will. Es sind allerdings nur ein paar nette Offizielle, die uns darauf hinweisen, dass wir die Uhren umstellen müssen, weil der kleine östlichste Bundesstaat Quintana Roo zu einer anderen Zeitzone gehört. Auf dem Rückweg gibt es das übrigens nicht. Auf den ersten 500 km haben wir im Schnitt alle 100 km eine Polizeikontrolle, aber die winken normalerweise durch.
Die Fahrt durch den ganzen Norden ist leider extrem unspektakulär: Beige Bäume begrenzen auf beiden Seiten die Sicht. Das Land ist flach und man sieht nichts weiter. Unser erster Stopp ist das beschauliche Städtchen Valladolid. Es ist so beschaulich, dass wir ausnahmsweise von unsere Regel „Wir essen und trinken nur lokale Produkte“ abweichen und bei Domino eine Pizza essen. Scheinbar so scharf, dass es nicht lange in mir verweilen möchte. Das war allerdings das einzige Mal, wo es Probleme mit dem Magen gab.
Der nächste Tag wird anstrengend: Zunächst fahren wir zu einer der angeblich schönsten „Grotte“ (heißen hier Cenote) mit dem lustigen Namen „Dzitnup“. Der Führer rennt mit uns zur ersten Grotte und brabbelt ein paar Sachen, dann hält er auch schon die Hand auf: „Sie müssen nichts zahlen, es ist freiwillig.“ Die Hand nimmt er allerdings erst weg, nachdem ich ihm ein paar Peso gegeben habe. Wir beschließen, grundsätzlich keine Führer mehr zu nehmen. Ansonsten ist es recht ruhig bzw. lauschig. Außer uns ist nur ein anderes Pärchen hier. Weiter geht’s Richtung Chichen Itza, eines der neuen sieben Weltwunder. Vor 13 Jahren war ich schon mal hier. Jetzt musste ich es natürlich meiner Frau zeigen: Der Weg zu den Ruinen gleicht einem langweiligen Markt mit hunderten von Ständen, die etwa drei verschiede Produkte anbieten und wo alle Standbesitzer unsere Freunde sind. Genervt erreichen wir die große Pyramide. Alles voller Menschen. Auch zwischen den Sehenswürdigkeiten hier ist alles voller Stände. Flair oder gar Respekt vor dieser einmaligen Kultur und deren (Bau)Kunst kommt nie auf. Es gibt wenig Schatten, dafür umso mehr Sonne. Als wir gut gegart aufbrechen überwiegt doch eher die Enttäuschung.
In Merida angekommen, wird es nicht besser: Es gibt keine Möglichkeit in unserem Hotel, draußen zu sitzen und das schöne Wetter zu genießen; und das, obwohl ich bei der Buchung ausdrücklich darauf bestanden habe. Da wir auch nicht planen, um 20:00 Uhr ins Bett zu gehen, müssen uns eine Lokalität suchen, wo wir Spaß haben können. Zum Glück gibt es gegenüber ein Restaurant, das unsere Wünsche erfüllt. Am nächsten Morgen haben wir noch genug Zeit zum Shoppen. Merida ist laut. Sehr laut. In den Läden läuft laute Musik, Boxen stehen mitten im Raum und im Laden neben an die nächste. Die Straßen sind gerappelt voll – vormittags an einem Wochentag. Wir gehen in einen Laden. Ohne es sofort zu bemerken, haben wir plötzlich einen Schatten: Eine ca. 1,10 m große Angestellte folgt uns in Sicherem Abstand mit einem Enterhaken längst vergessener Zeiten. Später wird uns klar: Da die Bevölkerung hier mehrheitlich etwa kurz über einem Meter aufhört zu wachsen, braucht man ein Hilfsmittel, um die Kleidung von den oberen Haken zu „fischen“. Während meine Gattin mal wieder eine Umkleide aufsucht, lehne ich mich gelassen an eine Art Aufsteller mit Torso und reiße fast die Deko nieder. Beim Bezahlen pustet uns eisige Luft aus der Klimaanlage ins Gesicht. Es gibt noch Rabatt. Warum wissen wir nicht, ist auch egal.

Der Westen
Wir verlassen den Moloch und erreichen nach zwei Stunden die beste Unterkunft (war klar, habe ich ja auch selber gebucht) unserer Rundreise: Celestun liegt am Golf von Mexiko, das Meer hat also nicht diese karibischen Farben. Als wir abends aber vom riesigen Balkon den Sonnenuntergang beobachten, ist uns das egal. Es eine von zwei Unterkünften, in der wir einen Kühlschrank haben. Für uns nicht nachvollziehbar, wie man hier Zimmer ohne Kühlschrank anbieten kann. Wo sollen wir das Pils den sonst kalt halten? Der Vermieter ist aus Frankfurt nach Kanada ausgewandert. Vor ein paar Jahren ist er da abgehauen, weil er das miese Wetter da satt hatte. Celestun ist ein echtes Kaff und es gibt wenig Touristen, aber einige gute und günstige Restaurants direkt am Meer. Nur Geld abheben ist schwierig. Wir müssen also mit der Kohle aufpassen. Aber selbst in diesem Kaff kann man besser mit Kreditkarten zahlen als daheim.
Wir sind hier vor allem wegen der Flamingos hier. Die leben hier. Wir fahren also zur Anlegestelle und versuchen, ein Boot zubekommen. Der Preis ist pauschal, also je mehr Leute dabei sind, desto günstiger wird es. Wir warten erstmal, ob noch wer kommt. Es kommen drei Mexikaner. Eine Familie. Die genaue Konstellation ist uns nicht klar. Egal. Während wir uns bekannt machen, kommt noch ein junges Pärchen aus Frankreich, das außer Französisch nichts kann. Aber rechnen mit dem Handy geht und die Zahlen versteht ja jeder. Also steht unsere lustige 7er Gruppe. Die Rumschifferei ist ganz lauschig und interessant, wir entscheiden uns trotzdem dagegen, zum Ornithologen umzuschulen.
Meine Beine sind mittlerweile übersäht von Mückenstichen. Jetzt aber erst haben die Viecher bemerkt, was ich schon lange wusste: Meine Gemahlin schmeckt einfach besser.
Bei Sonnencreme senke ich den LSF (wobei ich sowieso nie mehr als 20 nehme). Ich sehe nach einer Woche allerdings immer noch so käsig aus, wie der Durchschnittsdeutsche um diese Jahreszeit. Wir verlassen den Ort zu meinem kleinen „Traum“: Uxmal. Auf dem Weg dorthin ist fast kein Verkehr bis auf ein paar Motorradfahrer mit Gewehr. Das ist etwas befremdlich, auch wenn die nur auf der Jagd sind.
In Uxmal haben wir ein Hotel mitten im Dschungel, einigermaßen romantisch und entsprechend teuer, weil ja nix in der Nähe ist. Das Pils bei den Ruinen ist unsere Rettung (natürlich für den Abend). Bei den Ruinen gibt es fast gar keinen Schatten, der Himmel ist wolkenlos. Es gibt nur sehr wenig Touris, keine nervigen Verkäufer oder Hobbyführer. Alles ist super entspannt, die Pyramide des Magiers ist wahrlich beeindruckend. Wir dürfen nur die gegenüberliegende „Hauptpyramide“ besteigen. Oben kann einem aber schon anders werden bzw. beim Abstieg: die ca. 25 cm hohen Stufen sind deutlich kürzer als hoch und man geht besser schräg. Hierzulande wäre alles mit Geländern übersäht. Das Pils und die Margarita haben wir uns verdient!

Der Süden
Am nächsten Tag knacken wir (das einzige Mal) die 40-Grad-Marke. Wir kehren zurück in die Zivilisation nach Campeche, welches wir zur Stadt wählen, die uns am besten in Mexiko gefällt (ein paar haben wir ja auch zuvor gesehen): Schönes koloniales Zentrum mit ausreichend Kneipen und Restaurants, große Supermärkte (das ist für uns immer wichtig), Kultur und Meer. Wir beschließen mit ein paar Pils den Sonnenuntergang anzusehen (Romantik!). Das ist allerdings ein sinnloses Unterfangen: die Hauptstraße führt direkt an der Promenade entlang und es gibt wenigen Plätze, wo man es sich gemütlich machen könnte. Unsere Wahl fällt auf etwas, wo es nach Kloake riecht (das war am Nachmittag noch nicht so). Wir brechen das Unternehmen ab.
Am nächsten Morgen starten wir zu unserer längsten Strecke, vor der ich den meisten Respekt hatte (was aber rückblickend gar nicht nötig war). Unterwegs haben wir ein paar Mal das Gefühl, es würde schneien, so voll ist die Luft von Schmetterlinge. Es geht nach Calakmul. Auch dieser Name löst bei mir immer noch Faszination aus: Die Unterkunft liegt noch mehr im Dschungel als in Uxmal und es ist noch weniger los. Kein Wunder, denn von euch haben bestimmt nur wenige davon gehört. Vom Hotel aus müssen wir am nächsten Morgen noch eine Stunde durch Dschungel Richtung Süden fahren. Näher an Guatemala kommen wir in diesem Urlaub nicht heran. Alles ist sehr weitläufig. Als wir die „große Akropolis“ erreichen, sind wir enttäuscht: Die ist nämlich ziemlich mickrig. Aber das ist gar nicht das größte hier. Das ist eine Pyramide mit dem klangvollen Namen „Struktur II“. Auch das deutet darauf hin, dass man hier noch was entdecken kann. Nach den Erfahrungen von Uxmal möchte meine Gattin nicht mit hoch klettern. Doch es muss sein. Als ich denke, ich bin oben, geht es noch weiter. Der Blick hier ist atemberaubend und man sieht, was die Forscher noch alles vor sich haben.
Der Tag war anstrengend und wir wollen noch etwas ausspannen, aber das Wetter macht uns plötzlich einen Strich durch die Rechnung. Wir müssen also an der Unterkunft im Nichts auf der Terasse sitzen, während es regnet. Der Hotelchef (offenbar ein amerikanischer Auswanderer) gibt und für den Abend noch einen Tipp. 10 Minuten mit dem Auto entfernt ist ein riesiges Loch in der Erde. Nur ein Achtung-Schild mit einer Fledermaus am Straßenrand, was wir beim ersten Vorbeifahren auch tatsächlich übersehen haben, deutet auf eine Sensation hin: Es sollen ein paar Fledermäuse hier wohnen. Weil wir ja Zeit haben, wollen wir eher hin. Das macht aber keinen Sinn, weil die Tierchen erst bei Sonnenuntergang starten. Wir parken gerade unseren Wagen, als der Himmel seine Pforten komplett öffnet. Während wir warten, füllt sich der Parkplatz (der keiner ist – wirklich absolut null für Tourismus) mein ein paar anderen Autos. Irgendwann lässt der Regen nach und wir werden ungeduldig. Nach ein paar Meter finden wir das riesige Loch. Wir finden auch ein paar Besucher der Ruinen wieder (den Jesusnachahmer mit seinen Jüngern, die alle nur barfuß unterwegs sind und sich erstmal in den Dreck legen, genauso wie das genaue Gegenteil – die Familie um Ken (allerdings ohne Barbie) mit fliederfarbenen Shorts und dem passenden rosanen Pullover lässig über den Schultern, die alle einen Mundschutz tragen). Ab 18:15 Uhr sollte es losgehen. Die Fledermäuse lassen uns aber 40 Minuten warten, so dass auch genügend Schaulustige sich einfinden können. Was dann passiert, haben wir noch nicht erlebt: Unten aus der Höhle, die vielleicht so 50 m tief ist und einen etwas kleineren Durchmesser hat. Wie eine Windhose steigen die abertausende Fledermäuse auf. Sie bringen ein klein Bisschen den Geruch von Kot mit nach oben. Es ist still und man hört nur das Flügelschlagen der kleinen Tierchen. Wie eine schwarze Wolke eines Schlots ziehen sie minutenlang davon. Das Schauspiel scheint nicht zu enden. Wir verschwinden nur, weil die Dämmerung schon so weit fortgeschritten ist, dass auch bald der Rückweg durch den Wald verschwinden wird. Bei Interesse kann man Videos suchen („bat cave calakmul").

Der Abschluss
Am nächsten Morgen verlassen wir den Bundesstaat Campeche Richtung Quintana Roo. Seltsamerweise gibt es hier – anders als auf dem Hinweg – niemanden, der uns darauf hinweist, dass wir die Uhren wieder umstellen müssen. Vermutlich, weil es hier im Süden einfach kaum Touristen gibt. Wir lassen auch weitere Ruinen und Ausgrabungsstätten achtlos liegen, weil wir für diesen Trip genug gesehen haben. Wir erreichen gegen Mittag Bacalar. Hier sollte in einer „Eco Lodge“ noch etwas Natur usw. erfolgen. Bisher hatten lief ja auch alles viel zu gut, Zeit also für Doktor Katastrophe: Wir kamen am Freitag an. Dort hatten wir uns auf die Kajaktour am nächsten Morgen eingestellt. Am Abend stellten wir nur durch Zufall fest, dass die Kajaktour für den Sonntag eingeplant war. So kurzfristig konnte das nicht mehr geändert werden. Wir hätten also eine dreistündige Kajaktour vor unserer anschließenden 3,5stündigen Autofahrt gehabt. Dass die Kajaktour daher ausfallen musste, war uns zu dem Zeitpunkt bereits klar. Da es an der Unterkunft keinerlei Infrastruktur gab (auch in der Lobby nicht etwa einen Kühlschrank oder eine andere Möglichkeit, Getränke oder Essen zu bekommen, waren wir gezwungen, in die ca. 10 km entfernte Stadt zu fahren und uns dort Lebensmittel insbesondere Getränke für den ganzen nächsten Tag zu kaufen). Uns stellte sich nun die Frage, wie wir den Tag dort verbringen sollten. Wir fuhren zunächst zurück in den Ort, um essen zu gehen und Getränke einzukaufen. Der Ort liegt malerisch an einer Lagune und grau kommen uns Erinnerungen an diese Gegend. Dann wurde es kompliziert: Lebensmittel werden in dieser Stadt nicht in den gleichen Läden wie Alkohol verkauft. Und frisches Gemüse wiederum in einem dritten Laden. Wir verplempern also einige Zeit mit dem Suchen dieser Läden, die schlauerweise natürlich nicht nebeneinander liegen. Es ist heiß. Wir sind genervt und müssen tanken. Ich vergesse das Wechselgeld von 200 Peso. Der Tankwart weist mich von allein darauf hin. Ob das einer hier zu Hause machen würde? Zurück an der Unterkunft überlegen wir , wie wir es uns gemütlich machen können. die wenigen Sitz- bzw. Liege-Möglichkeiten dort waren auch noch größtenteils kaputt. Auf Rückfrage hieß es, wir könnten ja eine Hängematte in der Lobby benutzen oder uns auf den Steg legen. Für diese Antwort fehlte uns jedes Verständnis. Selbst die beiden Tage zuvor im Dschungel bei Calakmul boten ungleich mehr Möglichkeiten in jeder Hinsicht. Daher entschieden wir uns noch am ersten Abend zur Abreise in das Hotel in Playa del Carmen am nächsten Morgen. Ich trank mein erstes Bier mit Tomatensaft aus der Dose und wir freuten uns auf unsere Abreise.
Wir erreichen wieder einmal zum Abschluss unseres Urlaubs Playa del Carmen. Das Stadtzentrum besteht nur aus Einbahnstraßen und die Rückgabe des Wagens gestaltet sich als schwierig. Europcar hat einen wirklich netten Mitarbeiter: er bringt uns freiwillig zum Hotel (nicht weit, aber mit dem ganzen Gepäck bei der Hitze sehr vorteilhaft). Der arme Kerl wird wohl anschließend einen Einlauf erhalten, denn der Kollege wollte das nicht tun.
Wenn du nach Mexiko möchtest, bist du hier falsch. Das ist wie Kirmes, Ballermann und USA in einem Potpourri. Preise und Gerichte sind nicht wirklich mexikanisch, die Läden nur teilwiese. Für uns trotzdem die richtige Entscheidung. Man kann hier noch die letzten Besorgungen für daheim machen und das zweite Mal Anti-Mückenspray kaufen. Außerdem wollte ich schon bei unserem ersten Aufenthalt nach Cozumel, wo ich bei meinem ersten Aufenthalt wiederum nur tauchen war. Bei dem Ticketverkauft werden wir das einzige mal in den 2,5 Wochen etwas reingelegt: 1. Klasse? Wofür? Man muss eben auch bei offiziellen Sachen aufpassen. Alle Leute werden durch so ein Tor wie am Flughafen geschleust, das natürlich in einer Tour piept. Wozu das gut war? Man weiß es nicht… Nach der Überfahrt ist meiner Frau etwas schlecht. Und sie ist froh, kurz danach wieder ruhigen Boden unter den Füßen zu haben. Wir gehen bekommen hier eines der besten Essen des Urlaubs: Schwein à la Pastor. Beim Schreiben bekomme ich schon wieder Hunger darauf. Ich hatte daheim beim Antiquitätenhändler meines Vertrauens noch Sonnencrem mit LSF 6 erworben und hatte nun nur diese aufgetragen. Könnt ihr euch vorstellen, wie meine Haut am Abend aussah? Nein: immer noch wie daheim.
Nach der Rückkehr wollen wir noch schnell in den Supermarkt und die Getränkeversorgung für den Abend sicherstellen. Im Wal-Mart hängen Papierzettel, dass der Verkauf ab 17:00 nicht mehr möglich ist. Auch in anderen Läden und Kiosken gibt es nichts. Wir erfahren, dass es sonntags Abends hier verboten ist, Alkohol zu verkaufen. Der Sinn erschließt sich uns nicht. Glücklicherweise bilden die Touriläden eine Ausnahme.
Wir gehen abends in einer Seitenstraße essen. Das ist nach unserem Geschmack und ein echtes Erlebnis: Die Portionen sind riesig und der Kellner schließt uns gleich ins Herz. Wir quatschen mit ihm und machen Werbung für seine Margerita am Nachbartisch. Wir probieren endlich auch mal Mezcal. Der letzte Schnaps geht aufs Haus und wir verbschieden uns, als seien wir die alte Kumpels.

Fazit
Reisezeit:
Eine Woche eher wäre perfekt gewesen, so hätte man nur kurz wieder arbeiten müssen und dann war schon Ostern. Ansonsten war es vom Wetter her ideal, auch Ungeziefer war nicht allzu viel anwesend.

Unterkünfte:
Für uns nicht nachvollziehbar, wie man in so einem Land (Klima) so viele Zimmer ohne Kühlschrank finden kann. Es gibt aber die Möglichkeit, Eiswürfelbeutel zu kaufen, die deine Getränke zumindest für einen Abend richtig kalt halten. Auch die Raucherprohibition ist hier verbreitet; etwas zu finden, wo man rauchen darf, ist nicht ganz so einfach. Etwas ohne Klimaanlage noch schwieriger.

Polizei & Sicherheit:
Wir haben keine „komischen“ Beamten getroffen und heikle Situationen haben wir auch keine erlebt. Einer im Hostel erzählte, dass man ihm sein Hady stahl. Allerdings war der da auch so besoffen alleine unterwegs, dass es dann auch nicht wirklich verwundert. Wer hier zulande vollkommen hacke nachts in Marxloh mit seinem Eierfon winkt, wird es nicht anders ergehen.

Gesundheit:
Wir hatten beide nichts. Möglicherweise lag es an Unmengen von Vitamin C (aus Zitronen und Limonen), die wir zu uns genommen hatten. Auch hier kann etwas Vorsicht schon helfen. In den letzten Jahren war ich meist wegen eigener Dummheit krank im Urlaub (außer vielleicht in Indien).

Ansonsten:
Wieder einmal hat die nur latente Urlaubsverlängerung um 3 Tage wie ein Wunder gewirkt. Es war alles in allem ein entspannter Urlaub. Nur an zwei Tagen waren wir mehr als zwei Stunden im Auto. Insgesamt waren es nur 1.600 km. Die Leute, die wir getroffen haben, waren allesamt freundlich. Und beim Schreiben würde ich am liebsten gleich wieder los.

Euer
Don Manuel

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Ironische Inseln

Der eingerahmte Urlaub


Vorgeschichte:
Eigentlich wollten wir eine Woche eher fahren, aber eine meiner seltenen Dienstreisen wollte ich unbedingt mitnehmen und so starteten wir Anfang Oktober. Die Zugfahrt nach Süddeutschland startete ich im T-Shirt. Bei feinstem Herbstwetter stieg ich mit Pulli und Jacke aus - kurz vor tiefgefroren. Das Ergebnis war, dass ich 20 Stunden vor Urlaubsbeginn krank wurde.

Zu Hause war meine Frau derweil damit beschäftigt, die Mehlwürmer (oder was auch immer es war, was in meinem Müsli genistet hatte) und deren „Folgeprodukte“ zu beseitigen.
Zakynthos:
Nach einem leicht verspäteten aber ansonsten angenehmen Flug (auf dem wir für die Mutter, die ca. 2 Dutzend Mal betonte, dass sie Ihren 11jährigen Sohn daheim gelassen hatte, den Speicherchip ihres Handys vollknipsen sollten) kamen wir bei sehr angenehmen Wetter an, schnappten uns den für griechische Verhältnisse normal verbeulten Wagen und machten uns zur Unterkunft direkt am Meer auf. Dort nahmen ein paar griechische Snacks und Bier am Meer ein. Ein traumhafter Einstieg in einen Urlaub. Die eher spartanische und zusammengewürfelte Ausstattung tat dem keinen Abbruch.
Am nächsten Tag besuchten wir den berühmten Schiffswrackstrand. Toll. Das Wasser dorthin war glasklar und dazu der blaue Himmel lud mich zum Sprung ins Wasser ein, ich war mittlerweile jedoch richtig krank, so dass ich mir das leider sparen musste. Anschließen wollten wir natürlich von oben ein Foto schießen. Die Beschilderung war dermaßen bescheiden, dass wir  - wie eine Menge andere Leute – wie Bergziegen in die falsche Richtung kraxelten. Als wir dann zurückgingen, war das Licht nicht mehr das Beste, dafür war der Strand fast menschenleer.

Lefkada:
Zunächst nahmen wir die Fähre zum Festland und fuhren – während ich eine halbe Klopapierrolle wegschnupfte - durch das mit Abstand hässlichste Stück unser gesamten Reise bis zur wirklich sehenswerten Brücke über den Golf von Korinth bis nach Nafpaktos, ein kleines Städtchen mit winziger Altstadt und einer mittelalterlichen Mauer „oberhalb“. Am nächsten Tag ging es Richtung Lefkada über ein kleines Gebirge, wobei das Navi uns über eine ziemlich unsinnige Strecke lotste, die uns definitiv einiges an Zeit kostete. Lefkada ist eigentlich mit dem Festland verbunden. Als Brücke dient eine ausgemusterte Fähre. Der Hauptort mit gleichem Namen wie die Insel ist ganz nett, da wir allerdings zu Mittagspausenzeit da sind, ist dort der Hund begraben. Die Saison ist vorbei. Alles ist günstig. Wir fahren zu unserer Unterkunft ebenfalls direkt am Meer an einer kleinen Bucht. Die Omi kann nur griechisch. Namen? Egal! Irgendwelche Unterlagen nötig? Natürlich nicht. Hier ist der Schlüssel.
Einen kleinen Pool haben wir da auch. Es sind nur noch zwei Restaurants geöffnet. Da die Küche noch behelfskochen erlaubt – und meine Frau kann wirklich gut improvisieren – probieren wir eines der Restaurants aus – und fallen auf die Nase. Naja, wenigstens das Bier am Meer schmeckt. Der nächste Supermarkt ist Luftlinie ein paar hundert Meter entfernt, wegen des Höhenunterschiedes und der Serpentinen tatsächlich jedoch ca. fünf Kilometer. Hier auf der Insel haben wir den einzigen schlechten Tag in zwei Wochen Urlaub. Wir fahren bei grauem Himmel und nicht so warmen Temperaturen an die Südwestspitze zu einem exponierten Leuchtturm. Auf dem Rückweg machen wir in einem kleinen Ort Pause, um dort zu essen. Als wir diesen verlassen wundere ich mich über ein komisches Geräusch: Ein Reifen ist platt. Ein Nagel steckt drin. Zum Glück ist ganz in der Nähe eine Tankstelle und der Tankwart offenbar gleichzeitig Mechaniker. Er sieht gleich was los ist und flickt das Loch in Windeseile. Und das Ganze für sagenhafte fünf Euro!


Kefalonia:
Am Tag der Weiterreise (einem Sonntag) haben wir wieder herrlichstes Wetter: Keine Wolke, kein Wind. Ich sage noch, dass es wunderbares Reisewetter ist. Wir packen ein und ich bin ungewöhnlich nervös. Macht keinen Sinn: Die Fähre geht erst kurz nach dem Mittag und wir müssen keine 30 Minuten zum Hafen fahren. Als wir dort ankommen, kommt ein Restaurantbesitzer auf uns zu. Na klar will der uns sein Essen verkaufen, denken wir. Aber er teilt uns mit, dass wohl keine Fähre fahren wird. Und so ist es denn auch. Irgendwie hatte ich das wohl gespürt. An einer Notfalltelefonnummer kann man uns natürlich nicht weiterhelfen, weil ja sonntags keiner im Büro sitzt. Zum Glück gibt es ein kleines kompetentes Reisebüro in dem Ort, wo man uns eine größere Fähre in 100 km Entfernung empfiehlt, die statt zwei dreieinhalb Stunden braucht. Diese Verbindung findest du nicht mal bei Gugl. Wir machen das, schließlich gibt es ja keine Garantie, dass morgen das Wetter besser ist. Wir kommen statt ca. 16:00 Uhr um 1:00 an und verpassen den angeblich schönsten Ort auf der Insel (Fiskardo). Der Schlüssel steckt in der Tür – hier ist die Welt noch in Ordnung! Ich gieße die letzten drei Pils runter und gehe erschöpft ins Bett. Trotz allem die richtige Entscheidung!
Am nächsten Morgen geht die Sonne an einem wiederum strahlendblauen Himmel auf. Unsere Unterkunft liegt auf einer Anhöhe zwar weiter weg vom Meer, das man aber weithin sehen kann. In dem Kaff gibt es allerdings sonst nichts und der nächste Supermarkt ist fünf Kilometer entfernt. Am nächsten Abend möchte meine Frau mal unter Leute. Es gibt drei weitere Hotelgäste (der fünf), die sich abends an der Bar einfinden. Der Abend wird lustig. Wir dürfen unseren eigenen Sprit anbieten, nicht zu Letzt, weil der Vater des Besitzers irgendwann auch in Bett möchte und die Bar abschließt. Am nächsten Morgen fällt das Aufstehen schwer. Zu späterer Stunde fahren wir in die nette Inselhauptstadt. Der Tribut des gestrigen Abends bringt, dass wir dort ohne Bargeld auflaufen. Aber anders als in unserem ach so fortschrittlichen Land kann man dort wirklich alles bis zur Kugel Eis mit der Kreditkarte bezahlen. Also ist der Shoppingausflug gerettet. Anders als auf Lefkada ist es hier nicht so günstig, was daran liegt, dass es eine direkte Flugverbindung nach England gibt. Wir besuchen noch eine eingestürzte Grotte und einen Ort für Briten.
Abschluss und Fazit:
Wir beenden unsere Reise, wo wir anfingen: Auf Zakynthos. Machen dort noch eine Grottenfahrt und shoppen ein letztes Mal in der kleinen niedlichen Inselhauptstadt mit gleichem Namen.
Mal abgesehen davon, dass ich während des gesamten Urlaubs krank war, war nahezu perfekt: Das Wetter reichte (sogar am grauen Tag) immer für Sandalen.
Die Fährverbindungen zu dieser Zeit sind deutlich eingeschränkt, einige Restaurants haben schon geschlossen, fast überall gibt es Rabatt.
Die Leute sind ausnahmslos nett, viele können gutes Deutsch. Wein, Ouzo und Bier sind lecker.
Die Entfernungen sind kurz, brauchen aber viel Zeit, weil die Straßen viele Kurven haben und es daher überall Geschwindigkeitsbegrenzungen gibt. Daher haben wir auch zu viel Zeit im Auto verbracht und konnten nicht alles sehen, was wir wollten. Darum kommen wir wieder. Beim nächsten Mal lassen wir nur die nördlichste Insel weg.
Wir kommen bei goldenem Oktoberwetter heim. Ich genieße meine 16 Stunden Aufenthalt, bevor es nach Zypern geht und ich am nächsten Tag fast noch einmal über unsere drei Inselchen fliege.

Euer Geographieexperte

Doc. K.

Samstag, 29. Juli 2017

Irland



Schafe im Nebel

Ein lägst überfälliger Bericht; die Schriftsteller unter euch kennen das: Schreibblockade

Vorgeschichte:
Schon länger hatten wir eine ganze Woche anstatt eines PärchenWEs geplant. Irland war eigentlich auch als Ziel gesetzt. Zeitraum in den Sommer(!)ferien, um maximal bestes Wetter zu bekommen. Die Anreise mit der deutschen Bahn an einem Freitagnachmittag zum Düsseldorfer Flughafen gestaltete sich wie gewohnt reibungsvoll und mit einiger Verspätung, neu war hingegen, dass wir während der Fahrt im Wasser wa(r)teten. Der Flug war dann auch leicht verspätet, so dass wir erst um Mitternacht am Hotel waren und es nur noch für ein Smithwicks reichte.

Von Dublin zur äußersten Südwestspitze:
Trotz 5 Tage Männerwochenende  vor einem Jahr entdecke ich ein paar neue Ecken in Dublin. Und auch ein Bierchen in unserer damaligen Stammkneipe muss sein. Mein prägendste Erinnerung: Wir treffen eine wegen der Arbeit dorthin gezogene  Bekannte. „Und gefällt es dir hier?“ – „Nein.“ – „Warum?“ – „Das Wetter…“ Ich habe allerdings tatsächlich nur ein T-Shirt an. Als es dann nieselnd weiter geht finden unterwegs wir nirgends eine Möglichkeit, zu frühstücken. Das hatten wir uns anders vorgestellt. Gegen Mittag wird das Wetter immer besser. Wir erreich das niedliche Kilkenny. Das Wetter ist mittlerweile traumhaft und es ist leider nur ein Zwischenstopp, also können wir uns nicht mit Kilkenny volllaufen lassen. Es folgt für mich einer der Höhepunkte der Rundreise: Rock of Cashel, eine große Klosterruine gegenüber einer noch größeren einer Burgruine. Der Weg dorthin ist später die meisten Wege: Wir fahren Landstraßen, um mehr zu sehen (oder mangels Alternativen), doch sehen tun wir gar nix: Die grüne Insel ist so grün, dass rechts und links neben den Straßen – ja was eigentlich? – so eine Arte natürlicher Hecke ist. Auf beiden Seiten ist das höher als unser Auto und es fühlt sich an, wie durch den Todessterngraben zu jagen. An manchen Stellen gibt’s noch Bäume und man fährt dann wie durch einen Tunnel. Die Geschwindigkeitsbegrenzungen erscheinen uns doch eher für Harakirifahrer geeignet und ein paar Eingeborene geben auch gut Gas.
Am Abend erreichen wir das unspektakuläre Cork. Lustig allerdings die Menschmassen, die in ihren Farben zu einer Randsportveranstaltung laufen. Ob die das gleiche hier an einem Samstagnachmittag denken? Abends kehren wir noch in einen Pub ein. Als die Leute dort erfahren, woher wir kommen, würden uns alle gleich am Liebsten mal im schönsten Stadion der Welt besuchen. Die meisten haben allerdings schon ordentlich getankt. Es ist ja auch ein Sonntagabend, also ideal zum Betrinken. Mein Lieblingssatz sagt einer über seinen Kumpel: „Er sprich zwei Sprachen: Englisch und Rubbish.“
Von hier aus geht es zur äußersten Südwestspitze, dem Mizen Head – nicht zu verwechseln mit Miezen. Das Wetter ist am Anfang noch gut. Aber der Wind an der Spitze ist schon sehr kalt.

Von Mizen Head bis Galway:
Bei der Abreise kommen wir an ein paar weißen, breiten, sauberen Stränden vorbei. Ein paar Ir(r)e liegen sogar dort rum. Wenn die hier nur ein bisschen besseres Wetter hätten, wäre das ein Reiseziel, was überfüllt wäre.
Immer wieder reihen sich Ruinen in die Landschaft ein und ein paar alte Herrenhäuser, die wir besuchen, erinnern ebenfalls an eine interessante Vergangenheit.
Das Wetter ist ab jetzt nur noch typisch irisch und manchmal ein bisschen mieser. Statt dem Ring of Kerry machen wir den Ring of Beara. Angeblich genauso schön, aber weniger überlaufen. Alles in grau und Nebel. Wir wollen eine Ruine besichtigen, die laut Reiseführer reizvoll zu scheinen ist. Das Bild gehört definitiv nicht zu der Ruine, von der nur noch ein Torbogen sowie ein paar Mauerreste vorhanden sind. Aber wir sind offenbar nicht die einzigen, die die großartigen Reste eines Schlosses suchen. Der Reiseführer wandert in den Müll. Auf dem Rückweg machen wir noch an einem kleinen Wasserfall halt. Das Parken dort war der einzige Nepp auf unserer Reise.
Wir haben hier (in Kenmare) für drei Tage eine schnuckelige Wohnung. Und so kann meine Frau auch mal wieder ihre Kochkünste zeigen: Hier gibt es im Aldi oder Lidl irisches Rinderfilet. Und das ist so gut, wie sein Ruf. Abends sind wir dann auch mal wieder in einer Kneipe mit Livemusik. Die meisten Pubs sind gerappelt voll. Schon erstaunlich, was in diesem 1700-Seelendorf los ist. Ein Trottel aus Deutschland zählt uns an, wir mögen doch bitte etwas leiser reden. In einer Kneipe mit Livemusik??? Was für ein peinlicher Idiot. Wir ignorieren das natürlich.
Die Strecken hier sind – wie schon erwähnt – nicht gerade einfach zu fahren und so dauern auch km-mäßig kurze Ausflüge recht lang. Außerdem gibt es immer wieder Gründe anzuhalten.
Zu den spektakulären Cliffs of Moher geht es noch mit einer Fähre über Irlands größten Fluss, den Shannon. Die Cliffs sind wirklich beeindruckend, allerdings ist die Sicht wegen der dicken Wolkendecke nur mittelmäßig.
Der letzte Stopp heißt Galway. Durch Feierabendverkehr geht auf den Straßen nichts mehr. Wir haben eine Wohnung, in die man direkt (!) von der Straße reinfällt, wenn man die Tür öffnet. Das Wetter ist mittlerweile zum Abreisen. Wir gehen zuvor nochmals richtig gut essen (außer, dass das Bier aus der Dose kommt). Shepards Pie. Typisch irisch, kannte ich bisher noch nicht und saulecker. Das Frühstück im Hostel gleicht etwa dem Gefühl, wenn du aus Versehen in einen Ameisenhaufen trittst und alles loswimmelt. Wir gehen doch lieber in unsere Wohnung nur mit einem Kaffee.
Auf dem Rückweg besuchen wir noch in Athlone eine - ja was wohl - Ruine.

Fazit:
Das einzige was man in Irland häufiger sieht als Ruinen, sind Schafe. Die meisten sind lustig mit Farbe bepinselt. In dem dichten Nebel kann man die manchmal kaum von den Felsen unterscheiden. Und die Insel ist eigentlich nicht nur die grüne, sondern die bunte Insel: In vielen Städten blühen Petunien in Kübeln. Also kann das Wetter doch gar nicht so mies sein?
Ich will auf alle Fälle wieder hin. Meine Frau ist (wegen des Wetter (noch)) dagegen. Die Klimaerwärmung spielt mir allerdings in die Karten. Es gibt hier noch so viel zu sehen… Allerdings wäre mir selber eine Woche Wetterlotto heikel genug.

Euer
Nebelmann


Dienstag, 20. Juni 2017

Thessaloniki

OP 8.0

Fart hatte diesmal die Idee, die Reise wie Malle Kegelclub Ausflug zu beginnen und hatte entsprechende Schrottmucke dabei, um diese laut im Taxi zum Flughafen aufzudrehen. Sogleich wurde dies ihm vom Rest untersagt. Kurz darauf waren wir auch schon am Flughafen und wie gewohnt durch geheime Kanäle vor dem Gate mit ein paar kühlen Blonden versorgt.
Die Unterkunft lag auf den ersten Blick recht gut, hatte eine kleine Bar und es gab ein kleines leckeres Frühstück. Wir waren am ersten Abend in Minuten am Meer. Einen Strand gibt es allerdings nicht. Alles ist zugebaut. Restaurants zu Hauf am Meer, aber dazwischen noch eine lärmende Straße. Viele Leute können deutsch und sind freundlich. Von Krise keine Spur: Mitten in der Woche sind alle Läden prall gefüllt.
Am nächsten Tag wandern wir den Hügel hinauf bis in die unspektakuläre Altstadt. Die gesamt Stadt bietet ein ähnliches Bild: Durch Bauwut und Naturkatastrophen wechseln sich einige historische Häuser mit hässlichen Neubauten durcheinander. Es ist schwül und einige von uns haben einen neuen Tick entwickelt: Das Schmierbauchzeigen. Oben auf dem Hügel angekommen frönen gleich drei von uns ihrem neuen Hobby. Zum Glück habe ich gerade nichts gegessen. Anders als in vielen anderen Ländern, gibt es zwar viele Plätze (die manchmal auch als Park bezeichnet werden), jedoch bestehen diese nur aus Stein. Und in so einer Stadt bieten grüne Oasen doch mehr Entspannung. Am Abend wird zünftig getrunken. Wohl zu viel. Irgendwann ist unserer Jüngster weg und wird Opfer eines Raubüberfalls. Zum Glück muss man sagen ist nur das Handy futsch und er trägt nur ein paar kleinere Blessuren davon. Von dieser hässlichen Seite hatte ich Griechenland noch nicht kennengelernt und der nächste Urlaub dorthin ist ja auch schon gebucht.
Am nächsten Tag fahren wir mit einem Mietbulli zum Olymp. Die Götter wollen heut keine Gäste empfangen und so ist leider alles in dicke Wolken gehüllt. Zum Abschluss der kleinen Wanderung fahren wir an den nächsten Strand, der an sich schon recht hässlich ist. Drei mutige gehen ins Wasser. Nach dem Abtrocknen sehen die weißen Handtücher aus, als hätten sie diese nur zum Abputzen einer bestimmten Stelle nach der Notdurft benutzt.
Am nächste Tag fahren wir auf einen der drei Finger der Halbinsel. Hier ist es wieder so schon, wie ich es kannte. An einer Stelle lädt das diesmal klare und saubere Wasser uns. Da einige keine Badehosen dabei haben, ziehen wir halt alle blank. Es entsteht zudem der Begriff „Minusglied“.
Abends haben noch einmal ein richtig geniales Essen und leider müssen wir am nächsten Morgen wieder heim.
Epta Bira
Mανυ

Dienstag, 4. April 2017

Kuba

Urlaub im Freilichtmuseum

Vorgeschichte und Anreise

Zum dritten und wohl letzten Mal machten wir uns im ausgefallenen deutschen Frühling auf den Weg nach Kuba. Nach einer Busrundreise 2008 sollte es nun eine Mietwagenrundreise werden. Wir hatten uns auf eine Reiseroute geeinigt, ich hatte das Buchungsformular ausgefüllt, da ruft mich die Frau vom Reisebüro an und sagte mir, dass die Flüge plötzlich pro Person (!) um 500 Piepen teurer geworden waren. Wir waren kurz davor, dass Ziel zu wechseln. Statt Gabelflug hatten wir nun einen Inlandsflug, einen Tag Verschiebung und „nur“ 40 € pP Mehrkosten. Immerhin konnte ich so noch am Freitagabend zum Fußball gehen.
Am nächsten Morgen ging es dann um kurz nach fünf Richtung Frankfurt. Am Gate wollten wir dann noch etwas essen und trinken, aber in dem gesamten Terminal C gibt es keine Cafés oder ähnliches. Nochmal zur Erinnerung: Wir waren in Frankfurt, dem zweitgrößten Flughafen Europas und nicht etwa in Lemberg. Also mussten wir zum Terminal B – natürlich inklusive Kontrolle. Warum auch immer es die nicht in Terminal C an sich gibt, sondern nur am Gate, ist mir ein Rätsel. Es kam wie es kommen musste: Meine Powerbars machten wohl ein komisches Bild auf dem Röntgenapparat und dann wurde so ein Papierschnipsel durch meinen Rucksack gezogen, der einen Hinweis auf gefährliche Substanzen hatte. (Zugegeben: Der Sack ist ca. 18 Jahre alt und war schon auf mehreren Kontinenten – wer weiß, in was für Zeugs der schon gestanden hat. Meine Frau entschließt sich zu einer Grundreinigung nach der Rückkehr.) Der herbeigerufene Beamte ist indes immer noch nicht da und an der Kontrolleinrichtung befinde nur noch ich mich, da ich meine Frau losgeschickt hatte, die Leute vom Flieger zu informieren, dass es wohl noch etwas dauern könne. Nachdem dann der letzte Aufruf kam und man erneut den Uniformierten angerufen hatte, kam der dann auch gemütlich vorbeigeschlendert. Dann ging es endlich – mit (nicht wegen mir) Verspätung los.
Bei der Ankunft in Varadero am Flughafen stand dann auch ein Fuzzi mit einem Schild „Stephania – Manuel“. Ein Schreibfehler, dachte ich. Der wollte uns nach Varadero bringen. Wir wollten aber nach Havanna. Es stellte sich heraus, dass der Mann tatsächlich auf wen anderes wartete. Nach zwei Stunden waren wir dann auch endlich mit dem richtigen Fahrer im Kolonialhotel angekommen. Und ich wusste, dass ich nachts auf kubanischen Landstraßen nicht sein wollte – was da alles so unbeleuchtet rumeiert…
Das Hotel mit super Lage war schon weit über hundert Jahre alt, die Matratzen allerdings auch. Am zweiten Morgen gibt es kein fließend Wasser. Ein Teil in der Pumpe ist kaputt und wird auch nicht so schnell repariert… Das Personal war auch gut: gleich beim Einchecken las er laut meine Stadt vor: Dortmund? Borussia! Auch später sprachen mich einige auf mein schlichtes T-Shirt mit der Aufschrift Dortmund an. Das war neu. Im Baseball verseuchten Kuba war Fußball bisher ziemlich unbekannt. Und dann auch noch unser Club...

Vom Anfang bis zur Mitte

Zum Frühstück gab es natürlich Eier. Da meine Gattin diesen nicht traute, hatte ich vier. Dann Oldtimertour durch die Hauptstadt: cool. Dann Mittagessen: Ich bestelle mal Hühnchen, damit kann man nix falsch machen. „Huhn ist aus.“ Ok, dann Rind. „Rind ist aus.“ Damit fallen etwa zwei Drittel der Speisekarte aus. Am Abend gibt es kein Huhn und Schwein. Bier ist auch aus (außer Hai-necken – ich trinke doch hier bitte nur kubanisches Bier!). Ok, nehmen wir Cuba Libre. Später kommt plötzlich eine Lieferung Bier. So war das eigentlich immer: irgendwas gibt es nicht. Außer Eier. Die gibt es immer. Die werden locker zu 30 Stück auf der Palette auf dem Fahrrad balanciert oder lose Tüten transportiert.
Gleich am Anfang tauschen wir Geld im Hotel, da wir keine Lust haben, in Schlagen vor Wechselstuben zu stehen und auch heute schon ne Menge Kohle für das Auto brauchen. Später stelle ich fest, dass wir dadurch etwa 50 € verbrannt haben, aber immerhin Zeit gespart.
Am Ende des ersten Tages müssen wir auch schon unseren Mietwagen holen. Der Papierkram selber dauert nicht lange, lediglich das Zurverfügungstellen des Autos dauert schlappe 110 Minuten, da man es erst von was weiß ich wo herfahren muss. Damit liegt die Geschwindigkeit bzw. der Service auf dem Level von Fuerteventura.
Am nächsten Morgen geht es dann auch schon los Richtung Santa Clara über Cienfuegos. In den Städten gibt es do gut wie keine Schilder, die dir helfen könnten, aus der Stadt und dann auch noch in die richtige Richtung zu kommen. Ohne Navi kannst du da einpacken. Genau Adressen kennt unsere Offlinenavigation auch nicht. Unser Zimmer ist einen Block nach Osten und einen nach Süden verrutscht, daher müssen wir etwas länger suchen. Die Privatunterkunft ist wie alle anderen topp: Doppelzimmer, eigenes Bad, zum Glück fast immer mit Kühlschrank, sauber, jeden Morgen gibt es frisches Obst (hier bin ich gegen einiges allergisch, dort vertrage ich alles), frisch gepressten Obstsaft, leider nur Weiß- oder gar nur Milchbrötchen und natürlich Eier. Eigentlich sitzen wir immer draußen. Fensterscheiben gibt es so gut wie nirgends. In der Unterkunft hier handelt es sich ebenfalls um einen Kolonialbau, mit den (nicht nur vom Alter her) dazu passenden Einrichtungsgegenständen.
Abends bestellt meine Frau eine Pizza. Das war ein Fehler. Das konnten die damals schon nicht. Am nächsten Tag fahren wir in das ca. eine Stunde entfernte Remedios und von dort für einige Stündchen ans Meer. Niemals wieder hatten wir so eine Ruhe. Die Sonne ist allerdings deutlich aggressiver als erwartet und etwas liederliches Eincremen verursacht an der ein oder anderen übersehenen Stelle kleinere Verbruzzelungen. Abends besuchen wir noch ein Museum und versuchen (man beachte, dass dieses Wort hauptsächlich aus „suchen“ besteht) etwas zu Essen zu finden. An einer lebhaften Bar bekommen wir ein paar gute Kleinigkeiten zum Bier. Wir wollen noch ein zweites. „Ist aus.“ Cuba Libre tut‘s auch.
An nächsten Morgen fahren wir weiter Richtung Osten und wollen tanken. Da ich mit einem 50 CUC-Schein (1 CUC ist ca. 1 €) bezahle (der einzige, den ich hier bekam), muss ich mich registrieren. Komischerweise zeigt der Bordcomputer unseres MGs über hundert Kilometer mehr Reichweite an als bei der Entgegennahme des Fahrzeugs – Volltanken ist eben nicht gleich Volltanken…
Weiter geht es über die einzige Autobahn des Landes. Warum die so heißt, ist mir ein Rätsel: Neben Eselkarren, Radfahren und Fußgängern gibt es Kreuzungen und Wendemöglichkeiten sowie ordentliche Schlaglöcher.
Gegen Nachmittag erreichen wir dann Camaguey. Wir flanieren durch die Einkaufsstraße. Wie ich feststelle, gibt es mittlerweile auch hier Fitnessstudios, was man vereinzelten Leuten auch ansieht. Es ist heiß. Wie immer. Da unser Mittagessen aus einem Toast und ein paar Keksen Bestand und wir eine kleine Pause machen wollen, kehren wir eine Art Kneipe eine, stillen unseren Durst und bestellen ein paar Häppchen. Mit dem leeren Magen knallt das Bier natürlich doppelt. Da kommt ein Opa herein und will mir Zigarren (natürlich ohne Banderole) verkaufen. Mehr aus Mitleid halte ich ihm 1 CUC hin und hätte gern zwei Stück (bei dem Preis kann es sich nur um Abfall handeln). Der Opa will schon gehen und dreht sich nochmal um, um mir noch eine dritte zu geben. Seine Großzügigkeit (immerhin hat er etwas verschenkt) gepaart mit seiner Armut berührt mich.

Von der Mitte bis in den Osten

Der Vermieter unserer Unterkunft ist tatsächlich ein echter Italiener (warum jemand in diese Richtung auswandert…) und im angeschlossenen Restaurant gibt es dann auch eine richtig gute Pizza. Beim Frühstück lernen wir ein Pärchen aus dem ehemaligen sozialistischen Bruderland kennen. Wir fahren gemeinsam über Bayamo (keine Reise wert) nach Santiago de Cuba. Darauf hatte ich mich schon lange gefreut. Ich hatte das schöner als Havanna in Erinnerung, diesmal empfand ich es anders: Ich zitiere hier den Reiseführer: „Santiago ist anstrengend.“ Ja, es ist laut. Und zwar immer! Bis auf Havanna kräht auch jeden Morgen ein Hahn auf Kuba. Wobei „Morgen“ eher „mitten in der Nacht“ bedeutet, wie jeder weiß, der schon mal auf dem Land übernachtet hat. Auch hier in der Innenstadt. Zur Strafe landen die dann normalerweise auf meinem Teller. Schon erstaunlich, dass Sie die Viecher überhaupt gegen das Knattern der alten Schleudern und Mofas durchsetzen können. Ach ja: Musik ist auch immer laut. Aber davon gab es mir am Abend zu wenig. Am späten Nachmittag sah ich öfter Livemusik, aber nach dem Abendessen nicht (in Havanna war auch das anders). Ich habe extra nicht geschrieben „zum Bier“, denn das wird hier offenbar rund um die Uhr getrunken. Macht auch Sinn: Es ist immer schönes Wetter und außer den paar Leuten in den Läden muss niemand arbeiten. Was mein schönes Bild über Santiago trübte, war das viele Betteln oder das „Anbieten von Diensten“: Eine Bettlerin folgte uns bis in den Laden und wartete dann sogar an der Kasse mit uns. Dafür gibt’s natürlich nix! Und auf dem Hauptplatz geht es etwa so zu: Taxi? Taxi? Taxi? Internet? Taxi? Taxi? Taxi my friend? Taxi? Cigar? Taxi? Taxi? Hola amigo, Taxi? Taxi? Internet? Taxi? Restaurant? Taxi? Taxi? Und jetzt das ganz wieder von vorn. Und wenn du schnell lesen kannst, hast du das auch in dem Tempo gelesen, wie das auf dich einprasselt.
Hier findet einer unserer Höhepunkte der gesamten Reise statt: Wir wollen eine Hafenrundfahrt machen. Wieder so ein lästiger Vogel will uns zunächst günstigere Tickets verkaufen. Immerhin weiß er, wann die Fähre fahren wird (in der Touristeninfo hat man uns 14:00 Uhr genannt, 15:00 war richtig). Man solle an dem Restaurant am Wasser die Tickets kaufen. Das machen wir. Dort fragt man uns, ob wir unsere Pässe dabei hätten. Natürlich nicht. Ob wir unsere Passnummer wüssten. Natürlich nicht. Ok, der Name reicht. Meine Gattin heißt Estefany. Weil die Frau, die das einträgt auch so heißt. Sie freut sich und holt die Kellnerin herbei, denn die heißt auch so.
Bei schnulziger Livemusik warten wir auf die Fähre. Es ist eine Fähre, die zu einer kleinen bewohnten Insel im Hafenbecken fährt und zurück. Ansonsten hat die keinen Zweck. An Bord befinden sich außer uns vier steife Engländer und ansonsten nur Einheimische. Alle haben sich Sprit mitgebracht. Die Musik ist laut genug, dass man nicht in die Versuchung kommt, sich zu unterhalten. Es gibt Importbier. Nein danke! Wir nehmen Rum. Pur natürlich. Cola ist aus. Die Gruppen der Einheimischen mischen sich schnell und man schenkt sich regelmäßig Rum ein. Es wird getanzt. Der olle Kahn befindet sich nach etwa einer Stunde auf dem Rückweg und das lästige Einschenken wird weggelassen und direkt aus der Pulle Rum getrunken. Auch die beiden deutschen Touris sind mittlerweile beim Trinken und Tanzen dabei. Alle haben Spaß. Nach ca. zwei Stunden ist die Party leider vorbei. Das Festland scheint nicht mehr so ganz stabil zu sein und fast verabreden wir uns noch für den Abend. Leider entdecke ich den Club erst am nächsten Tag. Schade. Das wäre die Krönung gewesen. Schnell gehen wir noch was Einkaufen. Der Supermarkt ist direkt gegenüber der Anlegestelle und wir wollten eh eine Droschke für den Heimweg nehmen. Bepackt mit Fusel für den Abend halten wir den ersten Radtaximann an. Er winkt ab. Komisch. Der zweite macht es. Er ist deutlich jünger. Er will fünf Euro (später lernen wir, dass wir für vier bis zur Tür mit einem Auto gebracht werden). Der junge Mann fährt in die falsche Richtung. Dort ist es flacher. Er holt Schwung. Die Steigung nimmt zu. Mir fällt ein, dass wir ja oben auf dem Hügel wohnen. Um eine Kurve muss er uns ziehen. Er legt etwa zwei Drittel des Weges zurück. Eigentlich hat er sich das Geld nicht verdient, aber in Anbetracht der Ströme von Schweiß, die nun an Ihm herunterrinnen irgendwie doch.
In Santiago lernen wir noch ein Pärchen aus der DDR kennen. Mit beiden Paaren verbringen wir den Abend. Unsere Begeisterung über eine Bootsfahrt, die lustig ist, können wir offenbar nicht vermitteln. Am nächsten Tag wollen wir mit einem Bus durch die Stadt fahren. Er ist oben offen. Der Stern knallt. Wir fahren zu einem Kinderpark und zurück. Ok, das war wohl der falsche Bus. Er hat auch nur 25 Cent für beide gekostet. Ein anderer Bus muss es sein. Der kreuzt nach einiger Wartezeit auch auf. Wir fahren zu einem Kinderpark und zurück. Das kostet diesmal etwas mehr. Wir steigen aus und der Busfahrer kommt hinter uns her gelaufen, um uns zu sagen, dass er nun woanders hinfahren würde und das hätten wir ja schließlich gebucht. Wir winken ab. Leider geht es dem Magen meiner Frau nicht so gut. Wir bummeln einfach noch etwas. Meine Gattin entdeckt noch einen Laden für Schläppchen. Der „Laden“ ist etwa so groß wie ein Kinderzimmer hier und dient dort normalerweise als Wohnzimmer, da es sich um ein ganz normales Wohnhaus handelt, auch wenn es mitten in der Fußgängerzone liegt. Während sie ein paar Schuhe anprobiert, kommt ein Anwohner mit einem Schweinekopf vorbei – d.h. herein. Er hält ihr das tote Tierteil vors Gesicht. Ob wir auch noch etwas Suppe wollten? Nein danke, die Sandalen reichen.
Am nächsten Tag fahren wir in den äußersten Osten der Insel. Dort wollen wir etwas Natur genießen. Leider könnten wir unseren gewünschten Ausflug erst am Tag der Abreise machen. Dieser Teil der Reise war daher etwas enttäuschend. Das Beste passiert noch am ersten Abend: wir sitzen zu viert auf der Veranda, als es plötzlich laut wird auf der Straße. Dort hat sich offenbar ein Mopp zusammengerottet, der die Straße entlang zieht. Unser Vermieter klärt auf: Die Leute feiern einfach nur so. Tanzender- und musizierenderweise zieht man um den Block. Man hat einfach nur Spaß. Es vielleicht hundert Eingeborene und EIN Tourist. Wir schließen uns der „Conga“ an. Das dauert etwa eine halbe Stunde und dann gehen plötzlich alle heim. Unglaublich.
Wir legen uns am nächsten Tag an den - laut Reiseführer – „Hausstrand“. Dahin müssen wir allerdings ca. 20 km über eine Schotterpiste fahren. In den drei Stunden dort kommen fünf Leute vorbei, die uns Getränke, Knabbersachen und ein Essen anbieten. Und sie kennen meinen Namen, schließlich habe ich mit beim Verlassen des Autos einem dahergelaufenen Fuzzi vorgestellt. Außer uns sind auf dem kurzen Stück noch zwei andere Paare. Scheinbar jedoch genug, um diese Fragesteller hier zu haben. Nach unserer Rückkehr staunen wir über das Auto unsere neuen Bekannten. Hatte das vorher auch keine Nummernschilder? Der Vermieter sagt, wir sollen unseren Wagen umparken. Warum ist nicht wirklich klar. Vor einer Bank darf man nicht parken? Falsche Fahrtrichtung? Wir gehorchen natürlich. Als die beiden von einem Ausflug wieder kommen, stellt sich heraus, dass die Polizei kurzer Hand die Nummernschilder abgeschraubt hatte. Normalerweise wäre das doch unser Auto gewesen, wo so etwas passiert wäre!? Ich kann ein bisschen mit meinem Spanisch bei der Wache aushelfen. Es kostet „nur“ 30 Euro. Wenigstens können wir gemeinsam am nächsten Morgen losfahren. Tanken müsste ich noch. Erste Tankstelle: Schlange. Aber es gibt noch eine am anderen Ende des Ortes. Dort ist Benzin aus. Ach, es wird schon reichen durchs Gebirge. Als der Bordcomputer allerdings noch 13 km Reichweite anzeigt und die nächste Tanke noch 29 km entfernt ist, fange ich an zu schwitzen. Zum Glück sind wir nicht allein unterwegs. Als wir die Tanke erreichen habe ich schon wieder ca. 60 km Reichweite – daheim klappt das nie mit dem „Mehr-Werden“. Dann der Schock: Benzin ist aus! Die nächste Tankstelle ist in 40 km. Ok, das sollte so gerade eben noch reichen. Die Anspannung steigt trotzdem. Wir erreichen die Tankstelle jedoch problemlos. Allerdings: Ihr wisst schon: Benzin ist aus! Manni hat die gute Idee, den Tankwart zu fragen, ob er nicht vielleicht noch ein Schlückchen im Schlauch und auf dem Boden des Tanks hat. Für fünf Euro hat er noch. Ob das an der Planwirtschaft liegt? Auch wenn es das Benzin mit der Oktanzahl meiner Kindheit ist schaffen wir es noch so gerade eben nach Guantanamo. Den Rest der Strecke mit Schlaglöchern und Schotterpistenabschnitten fahre ich nach dem Erlebnis vom Vortag wie auf Schienen. Nach schlappen sieben Stunden ohne wirkliche Pause (außer den ganz erfolglosen Tankstopps) sind wir AI-Hotel angekommen.

Abschluss und Fazit

AI-Hotel: Kuba erlebt man auf diese Art (mit dem Mietwagen) tatsächlich intensiver. Es ist allerdings anstrengender und ein kleines Abenteuer. Die fünf Tage nichts machen waren daher auch wirklich nötig. Ich habe vier Mal in meinem Leben (mangels Alternative) AI-Urlaube gemacht, dreimal davon auf Kuba. Ich finde das furchtbar: Natürlich gibt es überall auf der Welt Fette (ich rede nicht über ein paar Speckröllchen oder einen Bierbauch), aber in diesen Anlagen trifft man sie geballt: Frauen mit Liegebrüsten (die liegen auf dem Wanst) mit ihren Männern, deren Arme im 45 Grad Winkel vom Körper abstehen, weil sie nicht mehr anliegen können, die auch nur wankenderweise vorwärts kommen, weil auch ihre Beine zu fett sind, um aneinander vorbeizukommen. Die sich dann ihre Teller vollschaufeln, mit Dingen, die ich mir selbst daheim nicht kaufen würde wie Gänseleberpastete und das in einem Land, wo die Leute hungern müssen, finde ich das schon abstoßend.
In den paar Tagen wurde auch das Hotel immer, so dass am letzten Tag der kleine Pool schon etwas milchiges Wasser hatte. Außerdem gab es eine Liegen-Reservier-Mentalität vom allerfeinsten: Am letzten Tag legte ich mich noch mit so einem Fuzzi vom Hotel und einem anderen Gast an, die meinten für EINE Scheintote, die jeden Tag ca. 45 Minuten hier im Schatten schlief ZWEI Liegen reservieren zu müssen, direkt unter dem Schild „Liegen reservieren verboten“. Zur Beruhigung der Patrioten unter euch: Es waren ca. 95 % der Gäste aus Kanada.
Dann war Derby-Tag. Bei uns daheim kann man diese Spiele nur für viel Geld im TV sehen, hier – wie in Brasilien - hatten wir neun Sender und zwei davon zeigten jeweils eine BuLi-Begegnung live! Leider hatten wir vergessen, dass die Zeitumstellung bereits eine Woche vorher war und daher mussten wir in der Halbzeitpause schnell frühstücken, um dann vom sonnigen Balkon das lateinamerikanische Goooooooooooooool zu hören.
Die letzte Nacht mussten wir wegen der komplizierten Flugverbindung nochmals in Havanna verbringen. Wir waren wieder im gleiche Hotel und hatten diesmal das beste Zimmer (riesengroß und deutlich schöner als beim ersten Mal und mit besseren Betten). Der Flug wurde allerdings zwei Stunden nach hinten verschoben. Obwohl das schon vor unserer Ankunft bekannt war, wurden wir dennoch für die alte Flugzeit abgeholt – das hieß annähernd sechs (!) Stunden vor Abflug waren wir am Flughafen. Das Gute daran war, dass wir erst drei Stunden vorher einchecken konnten und es uns daher mit unseren Koffern gemütlich machen konnten. Da das Terminal, wo Condor abfliegt, vor der Check-in etwa so viel Infrastruktur hat wie der Provinzflughafen von Augsburg, hatten wir nur eine Option: Wir setzten uns mit Sack und Pack an die einzige Snackbar vor dem Gebäude und tranken Bier. Etwa 45 Minuten vor dem Check-in schloss jedoch diese auch und verhinderte so, dass wir volltrunken an Bord gehen mussten. Am nächsten Tag waren wir gegen 18:00 ziemlich gerädert daheim. Immerhin hatte ich 30 Minuten Zeit, bis ich ins Stadion musste.
Bier: Es gibt fünf Sorten, einige durchaus trinkbar, aber fürs Reinheitsgebot reicht es nicht – in allen ist Zucker. Hier ist sowieso in allem Zucker, vermutlich auch im Salz.
Autos: Das erste Feuerwehrauto, das wir sahen, war so niedlich, dass man sich gar keine Sorgen mehr machen würde ob des ernsten Auslaufens des selbigen. Die Polizeiwagen haben so einen blauen Fünflitereimer auf dem Dach. Das sieht auch niedlich aus. Ach ja – die Oldtimer. Jeder Fahrer ist ein Bastler. Es gibt sogar welche, die Klimaanlagen haben. Allerdings gibt es so viele alte Schleudern, die so viel Dreck in die Luft pusten… Bei manchen hatte ich das Gefühl, die verbrennen direkt Rohöl. Wenn man sich mal vorstellt, dass vor ca. 50 Jahren Millionen davon auf dem Straßen fuhren und immer noch in der dritten Welt rum fahren, dann wird einem erstmal klar, dass wir mit unseren Bemühung um Mülltrennung usw. niemals genug erreichen werden, wenn wir nicht den ganz großen Dreck dort abschaffen.
Sozialismus: Während des Wartens auf das Auto warteten, erzählte ein Angestellter, dass es doch nicht gut sei, wenn sie viel Geld einnehmen und so noch ein paar neue Wagen anschaffen könnten, das aber anders verteilt werden würde. So sahen wir an einer anderen Stelle eine Kolone nagelneuer Trecker. Du magst ja vom Sozialismus halten, was du willst, aber du solltest das auch verstehen. Warum z.B. gibt es zwei verschiedene Autovermietungen, wenn doch sowieso alles dem Staat, ähm dem Volk gehört? Oder Tankstellenbetreiber? Warum kostet nicht überall die gleiche Ware dasselbe? Also lieber Raul, wenn Sozialismus, dann bitte richtig und nicht so einen Mumpitz.
Internet: Gibt’s nur an manchen Hotspots an irgendwelchen Plätzen, die man daran erkennen kann, dass dort ein Lemming artiges Zusammenrotten stattfinden. Dafür muss man sich vorher Karten kaufen, die dir für eine Stunde in modemartiger Geschwindigkeit das Weltweite Netz eröffnen.
Fahren, Parken und Straßen: Die Straßenverhältnisse stimmen etwa mit der Markgrafenstraße bei uns daheim um die Ecke überein, was uns die ganze Zeit ein Gefühl von Heimat vermittelte. Also teilweise geflickter Asphalt und teilweise tiefe Schlaglöcher, denen man ausweichen muss. Das Fahren ist auch daher so anstrengend, weil man nicht nur auf den Boden sondern auch auf Fahrräder, Pferdekutschen und Fußgänger achten muss, die – vor allem in den Städten – auf den Straßen rumeiern, kreuz und quer und auch mal in deine Richtung kommen. Und wenn du irgendwann mal dein Auto abgestellt hast, musst du auf jeden Fall dafür bezahlen. Davon weißt du zwar vorher meist nichts, aber dafür ist dein Wagen auch am nächsten Tag noch heile. Manchmal musst du auch das Auto einfach nur über die Kreuzung fahren, damit der „Aufpasser“ da so sein Schutzgeld kassiert.
Und sonst: Am Ende am Flughafen regte sich eine Frau auf: „Dieses Land hat meine Geduld schon überstrapaziert.“ Ich sagte darauf: „Da haben Sie aber was falsch gemacht…“ Es hat wirklich Spaß gemacht. Es bereichert dich ungemein. Es ist allerdings kein Erholungsurlaub und du musst wissen, worauf du dich einlässt. Vielleicht komme ich ja doch nochmal wieder…
Euer
Che Manolo

































Samstag, 8. Oktober 2016

Jugoslawien

Eine kleine Zeitreise

Vorgeschichte

Ja, ja, ich weiß. Jugoslawien gibt es gar nicht mehr. Es trifft jedoch unser Ziel am einfachsten mit einem Wort, denn im Herbst zog es uns nach Kroatien, Bosnien und Herzegowina und Montenegro. Also drei Länder, die wir mit dem Mietwagen bereisen wollten, sowie mindestens eine Insel (also eine Fähre benutzen). Und gerade diese Punkte machen eine Mietwagenauswahl auf herkömmliche Art unmöglich.
Ich hatte sämtliche bekannte Anbieter angesehen. Man musste in allen die kleingedruckten AGBs ansehen. Ein Preisvergleich war nicht möglich. Manche hatten eine pauschale Grenzübertrittsgebühr, manche eine abhängig von der Anzahl der Tage und manche nur Kauderwelsch. Wenn man glaubt, man habe etwas gefunden, stellt man fest, dass noch Gebühren für eine Fährbenutzung hinzukommen oder dass Fährnutzung grundsätzlich verboten ist. Irgendwann hatte ich dann unser Standardportal, wo auf meine Fragen in 8 von 10 Fällen stand: „Rufen Sie uns an.“ Das habe ich dann gemacht. Nach dem ich nach dem dritten Anbieter und den Konditionen gefragt hatte, sagte mir die recht unhöfliche Frau, sie könne mir nicht alle Tarife nennen. Ich sagte darauf: „Hier steht aber, ich solle Sie anrufen?!“. Am nächsten Tag habe ich dann wieder bei der Hotline angerufen. Diesmal wusste die Frau nichts. Ich legte wieder auf und drückte Wahlwiederholung. Ein Mann hatte diesmal ein paar Antworten, zur Sicherheit solle ich aber in Kroatien anrufen. Auf der Webseite des lokalen Anbieters fand ich widersprüchliche Angaben. Also rief ich am dritten Tag das vierte Mal an. Endlich jemand kompetenter, der mir die Gebühren auf meinen Voucher auf druckte. Mit leichten Bauchschmerzen ging es los. Ich traute denen nicht. Und immerhin überquerten wir die EU-Außengrenze.
Die Bauschmerzen wurde mehr, als ich mir ein paar Tage vor Urlaubsantritt einen Infekt geholt hatte. Ich wurde in letzter Minute gesund.

Kroatien

Wieder mal flogen wir (leicht verspätet) direkt nach Split, wo wir nur die erste Nacht verbrachten. Der Vermieter war richtig modern und schickte mir per WhatsApp Infos zu. Die Straße sei eine Sackgasse und ich solle nicht reinfahren. Leider verwechselte ich die Straße und fuhr trotzdem rein. Glücklicherweise stellt rückwärtsfahren auch durch mehrere Kurven für mich kein Problem dar und enge Gassen sind ohnehin meine Spezialität. Nach ein paar Lenkradumdrehungen war ich aus der Falle raus.
Die Stadt kam mir schöner vor als bei unserem ersten Besuch vor vier Jahren. Allerdings auch teurer. Vermutlich weil hier ständig Tagestouristen von Kreuzfahrtschiffen ankommen. Daher ist es auch schwer, eine Restaurant zu finden, was normale Preise hat und nicht einer Pommesbude gleichkommt.
Nach zwei leckeren Bierchen machten wir uns auf den Weg zurück zum Apartment. Dort hörte ich aufgeregte spanische Stimmen: Vier Frauen waren ebenfalls in die Sackgasse geraten und vollkommen hilflos. Ich fragte auf Spanisch, ob ich helfen könne. Die Damen schienen sich überhaupt nicht zu wundern, dass hier jemand ihre Sprache sprach. Das Auto war um einiges größer als unseres. Die aufgelöste Fahrerin überlies mir umgehend das Steuer. Ich kannte ja bereits die Gasse und im Handumdrehen waren die Damen gerettet. Schon am ersten Abend hatten wir wieder mehr erlebt (da war doch was), als so manch ein anderer in zwei Wochen.
Unsere Nachbarn sind ein Pärchen, dass offenbar die Arbeitszeit reduziert hat und nun ständig Urlaub machen kann. Eine Begegnung (bzw. Thema), die mir nachhaltig im Kopf bleibt. Am nächsten Tag treffen wir die Chicas doch tatsächlich auf dem Markt wieder.
Wir laufen noch auf eine kleine Anhöhe mit wundervollem Blick auf die Stadt, bevor wir uns mit dem Wagen zur Fähre aufmachen. Ein Penner lässt sich nicht davon abhalten, unsere Scheiben zu wischen. Er möchte dafür auch nur "10 Kuna für ein Bier" - na wenigstens ist er ehrlich.
Wir verbringen die nächsten zwei Tage auf Hvar, einer wirklich schönen Insel mit zwei niedlichen kleinen alten Städtchen. Am dritten Tag fahren wir die lange schmale Insel bis fast zur Festlandküste und müssen nochmals eine Fähre nehmen. Nach der kurzen Überfahrt geht es Richtung Herzegowina.

Bosnien und Herzegowina

An der Grenze ist nix los. Als der Beamte meinen Pass sieht, sagt er "Westfalen". Dass er den Namen meiner Heimat kennt, finde ich genauso schön wie ungewöhnlich. Natürlich kennt er auch "Borussia". Kurz nach der Grenze ist es schon etwas heruntergekommener. Unser erster Stopp ist Pocitelj, ein winziges Dorf mit einer großen Burgruine malerisch an einem Fluss gelegen. Die alten glatten Steinstraßen führen steil nach oben. Autofahren ist nicht möglich. Ich frage mich, wie manch ein Bewohner seine Möbel hier her bekommen hat. Oben treffen wir drei (vermutlich) Türken, die wir mit Händen und Füßen bitten, ein Foto mit dem wunderschönen Hintergrund zu machen. Der eine hat richtig Spaß daran und machte mehrere Bilder von uns aus den verschiedensten Positionen. Wir alle lachen. Auf der anderen Seite der Ruine gilt nicht "savety first" - kein Geländer o.ä. schützt vor dem Absturz. Das Schöne daran ist, dass man auch überall rumkraxeln kann.
Am Nachmittag erreichen wir das berühmte Mostar (mit der noch berühmteren Brücke). Laut Navi sind wir 10 Minuten von der Unterkunft entfernt. Zwei Stunden später haben wir sie gefunden. Die kurze Sackgasse, die keiner, den wir fragen kennt, kann man nur von hinten herum anfahren, ein Namensschild oder ähnliches gibt es auch nicht. Die Wohnung ist riesig: ein 2er und ein 3er Schlafzimmer und im Wohnzimmer könnten auch noch mal vier Leute pennen. Von der Terrasse aus kann man den Sonnenuntergang hinterm Berg genießen. Der Altstadtkern ist wundervoll, alles Drumherum schon eher in üblem Zustand. Am nächsten Morgen bringt uns die Vermieterin ein kostenloses Frühstück. Die Leute sind einfach nett hier!
Da es aus unserer Gegend keinen Direktflug nach Sarajevo gibt, entscheiden wir uns, der Stadt einen Besuch abzustatten. Das Internet sagt zwei Stunden für die 130 km voraus und es hat recht. Auf den Satellitenbildern konnte man jedoch sehen, dass die Hälfte der Strecke an einem Fluss entlangführt, was die Fahrt selbst zu einem Augenschmaus macht. Da ich seit Tagen nichts als kurze Buxe und Sandalen trage, starten wir auch so auf die Reise. Morgens ist es noch nichtig schattig, aber die letzten Tage wurde es ja auch immer schnell heiß. Je näher wir der Hauptstadt kommen, umso größer werden unsere Sorgen, denn das Thermometer schafft es nicht, die 13 zu knacken. Die Leute draußen haben Schals um.
Wir parken am Rand der Altstadt in einer Mall, die toppmodern ist. Ich kaufe mir Socken, eine lange Hose und einen Pulli. Meine Frau handelt entsprechend. Wir essen noch schnell eine Kleinigkeit und verlassen die Mall. Plötzlich ist es heiß. Sarajevo liegt etwas höher und die Temperaturen steigen daher erst recht spät an. Naja, neue Klamotten kann man immer gebrauchen.
Von der Stadt mache ich wenige Fotos. Die Stadt ist nicht schön und nicht hässlich, sie hat etwas, dass man auf einem Bild schwerlich festhalten kann: Atmosphäre. "Bosnien und Herzegowina" als Staatsgebilde zu verstehen, ist wahrlich nicht einfach. Das es dennoch funktioniert ist ein wundervolles Beispiel für ein glückliches Miteinander. Der Schmelztiegel der Kulturen und Sprachen kommt in Sarajevo auf den Höhepunkt. Die Stadt ist eine Mischung aus Moskau, Wien und Istanbul alles in kleiner.
Als wir Mostar Richtung Montenegro verlassen, besuchen wir noch einen Felsenkloster und haben nochmal richtig mieses Essen in einer netten kleinen Stadt kurz vor der Grenze an einem Fluss. Auf dem Weg dorthin wir einem auch klar, warum dieses Land ärmer ist: die Landschaft lässt kaum Landwirtschaft zu und Bodenschätze gibt es auch keine.

Montenegro

Auch der Grenzübergang ins "Land der schwarzen Berge" ist lustig: In einem Häuschen sitzt ein Beamter der uns für den BVB den Daumen hochhält, seine Kollegin ruft den Namen einer Kaufhauskette dazwischen.
Unser erster Besuch in diesem Land lässt einen weiteren weißen Fleck auf der Landkarte verschwinden. Zunächst kommt es uns eher vor wie das "Land der schwarzen Wolken". Im Laufe der Fahrt verschwinden die jedoch.
Viele von euch kennen wahrscheinlich mindestens aus dem Kreuzworträtsel die kroatische Insel mit drei Buchstaben (Krk). Es geht noch besser: Während wir an den Ufern der Bucht von Kotor entlang fahren, kommen wir zu einem Kaff mit dem Namen „Strp“.
Der Balkon unsere Wohnung in Kotor bietet sowohl beim Sonnenauf- als auch beim Sonnenuntergang ein wundervollen Blick auf die fjordähnliche Bucht. Bei der leichten Hanglange musst du dir aber vorher genau überlegen, was du einkaufen willst, denn nochmal runterzulaufen macht keinen Spaß.
Kotor selbst ist eine mittelalterliche Kleinstadt, die an manchen Tagen von Kreuzfahrttouristen überschwemmt wird. Das Flair geht in diesem Moment verloren. Wir beschließen, dass wir keine Kreuzfahrer werden wollen. Auch fallen wir auf die Nase, als wie einmal im Zentrum schön essen gehen wollen: Zum ersten Mal hatte ich mich vorher im Web über Restaurant informiert und mich später gewundert, dass wir keines der ersten fünf Lokale gefunden hatten. Wie wir später erfuhren, lagen die alle außerhalb des Kerns.
Montenegro ist eine kleine Zeitreise. Der lustigste Teil davon ist der Besuch der alten Hauptstadt Cetinje, dass etwa so viel zu bieten hat, wie Dortmund-Mengede. Irgendwas stimmt mit dem Wetter nicht: Es hat sich zugezogen und frischt auf. Plötzlich fängt es sogar an zu regnen. Ein Platzregen vom feinsten. Am nächsten Morgen ist alles vorbei.
Wir verbringen auch anderthalb Tage am Strand. Der Ort, den wir uns herausgesucht haben, ist so gut wie ausgestorben. Restaurants sind geschlossen oder verlassen, der Bereich vor dem Stand total heruntergekommen, aber der Strand erinnert uns doch leicht an die Karibik. Das einzige geöffnete Restaurant bietet gutes Essen, das sogar an die kostenlose Liege gebracht wird.
Wir verlassen Kotor bei strahlend blauem Himmel. Unser letzter Stopp in Montenegro ist Herceg Novi, eine kleine Stadt mit mittelalterlicher Burg kurz vor dem Ende der Bucht. Hier kommen wir doch noch tatsächlich mit dem Gesetz in Konflikt: Parkplätze gibt es nicht viele, daher sind wir glücklich, einen gefunden zu haben. Nach dem Bummel durch die Altstadt sehen wir den Anfang des Parkstreifens: Man hätte ein Ticket lösen müssen und so kam es, wie es kommen musste: Ein Strafmandat. Es sind weniger die 10 Euro, die uns Sorgen bereiten, sondern mehr die Tatsache, wie wir die bezahlen sollen. Also fahren wir zur Polizei. Dort gibt es natürlich keine Parkplätze. Also warte ich im Wagen, während meine Frau sich durchwurschtelt und mit der Information wiederkommt, dass wir bei einem externen Dienstleister zahlen müssen. Glücklicherweise finden wir den recht gut. Dort gibt es natürlich keine Parkmöglichkeiten. Also fahre ich im Kreis, bis meine Frau die Formalitäten erledigt hat.

Kroatien (schon wieder)

Mittlerweile ist es 26° Grad warm und wir machen uns auf zu unserem letzten Stopp: Makarska in Kroatien, ca. 90 Minuten vom Flughafen entfernt. Hier wollen wir nochmal zwei Tage nichts tun.
Während der ganzen Fahrt ist das Wetter traumhaft, nur etwas stimmt mit der Temperatur nicht: Sie fällt langsam aber stetig. In Makarska sind es nur noch 13° Grad. In der Nacht regnet es heftig und leider hat es am Morgen nicht aufgehört. Das Sattelitenbild zeigt, dass es leider im Umkreis von ca. 150 km in alle Richtungen nicht besser wäre. Unsere zwei mickrigen Strandtage fallen buchstäblich ins Wasser, wobei wir einen nutzen, um in Split in einer großen Mall nochmal zu shoppen.
Am Abreisetag ist wie am Vorabend wieder wundervolles Wetter. Kurz vor dem Flughafen sitzen wir noch ein paar Stündchen am Meer, bevor es (mit leichter Verspätung) heimgeht.

Fazit

Die ganze Gegend ist immer eine Reise wert! Die Leute sind freundlich, das Essen ist gut und etwas günstiger als daheim. Um diese Jahreszeit ist es angenehm leer und das Wetter war bis auf diese 1,8 Tage und einen halben nahezu perfekt. Wir auf alle Fälle wiederkommen und freuen uns jetzt schon drauf.
Euer
Doc.

Sonntag, 3. Juli 2016

Purtugal alé

Das kannst du vergessen!

Vorgeschichte
Die fällt diesmal kurz aus: Eigentlich war unser Herbsturlaub jetzt geplant, aber wir dachten, dass am Atlantik im Juli nicht ganz so heiß ist und es daher mehr Sinn macht, jetzt nach Portugal zu fahren. Die Idee stellte sich später als zumindest teilweiser Irrtum heraus.

Der Beginn (Lissabon)
Wir wollten schon länger hier mal hin, waren wir doch beide schon hier nur nicht gemeinsam. Trotz aktueller Karten wurde uns schnell klar, dass wir uns hier nicht hundertprozentig auf unser Navi verlassen können. Manche Straßen waren niemals befahrbar (zumindest seit es Navis gibt). Unsere Unterkunft war super, allerdings durfte man dort in der Woche nicht parken. Pro Nacht mussten stolze 18,50 Euro berappt werden und die Parkgarage musste man erstmal finden. Autofahren macht in Lissabon auch nicht wirklich Spaß. Alles andere schon! Und überall anders im Land macht auch das Autofahren Spaß.
Wir kamen am Samstagnachmittag an. Kurz die wichtigsten Sachen besorgt und dann hatten wir plötzlich Zeitnot: An dem Abend spielten Deutschland – Italien. Ich hatte mir vorher bei Gugl unsere Gegend angesehen und nach möglichen Lokalitäten geschaut. Meine Vorbereitung war ausgezeichnet. Nach ein paar Straßen kamen wir in besagte und nahmen gleich ob der fortgeschrittenen Zeit das allererste Restaurant, in dem auch ein Fernseher hing. Trotz meines 54er Deutschland-Retroshirts und der Minifahne meiner Frau fragte man uns wegen unseres unarischen Aussehens, für wen wir den seien. Nebenan war eine internationale Reisegruppe mit einem Italiener, die dementsprechend alle für selbige. Ich habe keine Idee, wie der Wirt seine Getränke plante. Auf alle Fälle schlecht. Wir bestellten ein „Super Bock“, danach wollten wir das mal in dunkel probieren. Das ging noch. Die folgenden Biere waren alle unterschiedlich. Was er hätte, wäre nicht kalt genug. Er verschwand aus dem Restaurant und kam mit zwei kalten Pullen wieder. Das wiederholte sich noch zwei Mal. Jedes Bier (alle unterschiedlich) kostete am Ende 2 €. Nach dem wohl schlechtesten Elfmeterschießen der EM hatte uns die Mutti des Hauses schon ins Herz geschlossen. Wir brauchten Schnaps! Den gab‘s sogar aufs Haus. Auf dem Heimweg führte ich uns im Siegestaumel in eine Kneipenstraße, wo auch noch die Hölle los war. Wir stoppten noch ein einigen Läden, um weitere Getränke zu konsumieren, bis wir lustig heimkamen. Ein zünftiger Auftakt!
Am nächsten Tag laufen wir die Stadt ab. Unter anderem besichtigen wir die Burg. Der Boden dort (also die Steinplatten) sind über die vielen Jahre so glatt geworden, dass ich mehrmals fast den Adler mache.
Nicht nur die Brücke, über die man die Stadt nach Süden verlassen kann, erinnert an San Francisco sondern auch die „Hügel“. Irgendwann steigen wir auch in die berühmte Linie 28. Das Wetter ist traumhaft und so schwitzen wir in der uralten Bahn, denn auch Wind geht kaum. Die Bahn ächzt einen weiteren Hügel hinauf und plötzlich geht nichts mehr. Ein Auto – zwar ordnungsgemäß geparkt – ist zu lang und ragt zu weit in die Straße und somit wenige Zentimeter in die Fahrbahn hinein. Mittlerweile steht die nächste Bahn ebenfalls hinter uns. Wir verlassen das alte Dingen und steigen in ein Tuk Tuk (ja, das gibt es tatsächlich in Westeuropa) und lassen uns heimfahren. Das macht richtig Spaß! Am nächsten Tag fühlen sich meine Beine wie Beton an. Wir fahren in das schöne Viertel Belem, wo es einiges zu besichtigen gibt. Das Wetter ist grau und windig. Der einzige schlechte Tag!
Es geht weiter über ein paar kleine mittelalterliche Dörfer zu einer Zwischenübernachtung in Beja. Im Restaurant nebenan lassen wir es krachen: Ich bestelle Lamm, meine Frau Schweinefilet. Dazu eine Flasche Wein, zum Abschluss einen einheimischen Schnaps aus dem Reiseführer, der angenehm runter brennt und hier etwa ein „Doppelter“ wäre. Dann kommt die Rechnung: 27,40 Euro. Als wir abreisen, vergisst meine Frau ihre kurz zuvor gekauften Sandalen. Dazu später mehr.

Die Algarve
Am nächsten Tag erreichen wir nach einem kleinen Zwischenstopp die Algarve. Dort verbringen wir eine Woche (kürzer konnte man nicht mieten). Die Anforderungen an unsere Unterkunft sind eigentlich immer die gleiche: Küche, Balkon oder Terrasse und gute Lage. Und bei diesem Aufenthalt auch noch bitte mit Pool. Da dünnt sich die Auswahl schnell aus. Unsere Wahl fällt auf Vilamoura. Das heißt auch noch „Old Village“, dabei ist der ganze Komplex bestimmt nicht mal so alt wie ich. Der Ort entpuppt sich so ein Bisschen wie England nur mit schönem Wetter. Die Gäste sind zu ca. 85% Briten, entsprechend wird man von allen Leuten auch nur englisch angesprochen – egal ob von den Gästen oder vom Personal. Unsere Terrasse ist in diesem Falle der Durchgang zwischen zwei Wohneinheiten. Als wir uns das erste Mal den Pool ansehen wollen – es gibt drei Stück davon – finden wir bei zweien nicht eine einzige freie Liege. Nicht dass überall Leute wären, aber Handtücher. Ansonsten ist die Anlage sehr gepflegt und wir fühlen uns wohl.
Das Vergessen (1. Teil, 1. Fortsetzung) der Schläppchen fällt erst nach ein paar Tagen auf. Natürlich kann man das Hotel nicht erreichen. Wir haben nur noch zwei Nächte und ich frage an der Rezeption, ob man so freundlich wäre, das für uns nachsenden zu lassen. Allerdings lieber in die nächste Unterkunft, das erschien mir sicherer.
Man kann bequem in das kleine Örtchen laufen, wo wir das verabschieden der Deutschen aus dem laufenden Turnier mit einem Pärchen aus Düsseldorf verfolgen. Sie fliegen am nächsten Tag heim. Er hat offenbar mächtig Spaß, endlich mal mit jemandem ein paar Humpen zu nehmen, bis seine Frau anfängt an ihm rumzuzerren, dass man doch irgendwann aufbrechen sollte.
In selbiger Kneipe finden wir uns ein paar Tage später erneut ein, um das Finale zu sehen. Es ist natürlich kein Platz mehr. Aber von draußen kann man genauso gut zusehen. Ich gehe schnell noch in der Supermarkt um mir die letzten sieben Büchsen Pils zu besorgen (Super Bock und leider Heineken, mehr gab es nicht), die gemeinsam sehr schön die Landesfarben bilden. Ich kann sogar einen Stuhl von drinnen ergattern. Wir sind nicht die einzigen draußen. Schnell werden mir von unserer Nachbarin Erdnüsse angeboten. Wir singen schließlich mit: „Purtugal ale, Purtugal ale!“ Mit ihr und der halben Kneipe umarmen wir uns nach „unserem“ Sieg (immerhin hat schwarz-gelber gewonnen).
Wir haben eine Woche und besichtigen die meisten Städtchen hier unten. Bei der berühmten Fliesenkirche haben wir kein Glück, denn die Kirche macht Mittagspause. Ansonsten sind die Orte alle ähnlich und alle ganz nett zum Bummeln, Essen usw. Den Nachmittag lassen wir in der Regel am Pool ausklingen, denn es ist heiß. Ab 35 Grad oder schon ab 30 pack es die Klimaanlage im Auto nicht mehr wirklich. Wir sind ja jetzt nach Portugal gefahren, weil wir beide in Erinnerung hatten, dass es hier etwas frischer ist, wegen des Atlantiks und des Windes. Es ist - wie wir feststellen - nur teilweise richtig: Scheinbar verläuft eine Art Klimazone etwas weiter westlich von hier. Bei unserem Ausflug zum Kap starten wir wie immer bei 36 Grad. Am Kap (ca. 1 Std. entfernt) sind es tatsächlich nur 21. Am nächsten Tag fahren wir nur 30 km in die Richtung und auch dort sind es acht Grad weniger.
Den letzten Tag an der Algarve wollen mal nur am Pool genießen. Plötzlich bekomme ich eine Nachricht „Wir heißen Sie gleich willkommen!“ Wie jetzt? Ich liege doch noch in meiner Badehose hier rum und habe doch noch eine Nacht. Bei der Buchung war mir tatsächlich eine Tagesverschiebung unterlaufen. Jetzt musste ich mir schnell was einfallen lassen. Natürlich hatte das andere Hotel keine freie Kapazität mehr, wenn wir das ganze um einen Tag verschieben. Auch diese Unterkunft kann man nicht erreichen. Über die Bucking Seite kann ich das noch regeln. Nachdem ich einen Anruf aus den Niederlanden erhalte, sind wir erleichtert, denn man erlässt uns die Stornierungsgebühren. Wir finden einen Ersatz in Milfontes, einem ziemlich unbekannten Ort. Kein Reiseführer nennt oder kennt den, aber doch einige Touristen. Der Ort ist ganz nett und es ist tagsüber immer noch heiß. Abends wird es allerdings richtig kalt.

Der letzte Tag
Programm heute: drei Stunden Autofahrt nach Lissabon; dann die Schläppchen abholen (denn sie wurden ja dahin gesandt, wohin wir gar nicht fuhren); ein kurzer Stopp bei „Boca do Inferno“; dann ein Besuch von „Quinta da Regaleira“ eine Art Disneyland des vergangen Jahrhunderts; dann Auto abgeben – hört sich mehr an als es sein sollte. Eigentlich.
Nach ca. einer Stunde fällt meiner Frau auf, dass unsere Jacken noch in Milfontes hängen (Vergessen 2. Teil). Eine Umkehr würde das Programm vernichten. Später daheim bekommen wir das für 36 Piepen nachgesandt. Das war trotzdem die richtige Entscheidung.
Kurz vor Lissabon ist dann Stau. Wie bereits erwähnt, mach hier das Fahren keinen Spaß. Irgendwann kommen wir dann bei der Unterkunft an, bei der ja nun nicht waren (Vergessen 1. Teil, 2. Fortsetzung). Der hat aber die Sandalen gar nicht. Der hat nur den klassischen Abholschein von der Post. Also fahren wir in das kleine Örtchen. Und nach etwas Rumsuchen finden wir auch die Post. Für unter sieben Piepen hätten wir keine neuen Schuhe bekommen. In Summe haben wir nun schon zwei Stunden verloren und unser Magen knurrt. Wir finden tatsächlich nichts, wo man sich etwas auf die Hand nehmen kann (von manchen Sachen haben wir die Nase voll), auch am „Boca“ gibt es nur Weißbrotzeugs. An einem Einkaufszentrum hoffen wir auf die Möglichkeit, dort was zu finden. Allerdings sieht es dort nicht aus wie an einem Freitagnachmittag sondern eher wie in einem Endzeitfilm (fast ausgestorben). Der Besuch in den Lustgärten belohnt etwas die Strapazen.
So, jetzt noch das Auto wegbringen. Erst die Koffer abliefern und einchecken. Den Shuttleservice zum Flughafen, weswegen ich diese Butze gebucht hatte, gibt es nur morgens. Die Autovermietung liegt irgendwo im Industriegebiet am Flughafen. Nicht leicht zu finden. Nachdem wir das Auto verlassen haben, steht eine Nettoreisezeit von ca. acht Stunden zu Buche, etwa das Doppelte wie geplant. Ob man mir eben ein Taxi rufen könne, denn zum Flughafen brauchen wir jetzt nicht. „Haben Sie eine Telefonnummer?“ Keine Ahnung, auf welchem Mond der groß geworden ist. Ok, vergessen wir das und lassen uns zum Flughafen bringen. Die Schlange am Taxistand ist megalang. Also laufen wir los, bis wir ein Taxi finden. Die Fahrt ist kurz und kostet keine fünf Mäuse. In dem „Nobelhotel“ gibt es natürlich keinen Außenbereich. Verständlicherweise, denn die meisten kommen her, um portugiesische Klimaanlagenluft zu atmen, statt ein Pils in der Sonne zu trinken. Zum Glück finden wir noch einen Laden, wo eiskaltes Bier und ein paar Tapas für kleines Geld gibt.
Am nächsten Morgen in aller Frühe geht es heim.

Fazit
Ein super Urlaub. Sehr erholsam, wobei nur der letzte Tag etwas aus dem Rahmen fiel. Land und Leute sind sympathisch, ebenso das Wetter. Die Menschen sind freundlich und entspannt, das Bier ist lecker. Zu sehen gibt es eine Menge, allerdings ist alles etwas kleiner. Wenn man nicht in irgendwelchen Tourihochburgen rumrennt, ist es auch recht günstig. Es war bestimmt nicht unser letzter Besuch hier. Mein nächster steht ja schon an.