wie es kam...

Tja, irgendwie verlaufen meine Reisen immer katastrophal, was mir den Spitznamen "Dr. Katastrophe" einbrachte. Leider sind nicht mehr alle Reiseberichte vorhanden. In manchen Fällen nur noch ein "Beschwerdebrief"...

kreative (!) Anregungen sind willkommen!

Euer
Dr. K.

Dienstag, 4. April 2017

Kuba

Urlaub im Freilichtmuseum

Vorgeschichte und Anreise

Zum dritten und wohl letzten Mal machten wir uns im ausgefallenen deutschen Frühling auf den Weg nach Kuba. Nach einer Busrundreise 2008 sollte es nun eine Mietwagenrundreise werden. Wir hatten uns auf eine Reiseroute geeinigt, ich hatte das Buchungsformular ausgefüllt, da ruft mich die Frau vom Reisebüro an und sagte mir, dass die Flüge plötzlich pro Person (!) um 500 Piepen teurer geworden waren. Wir waren kurz davor, dass Ziel zu wechseln. Statt Gabelflug hatten wir nun einen Inlandsflug, einen Tag Verschiebung und „nur“ 40 € pP Mehrkosten. Immerhin konnte ich so noch am Freitagabend zum Fußball gehen.
Am nächsten Morgen ging es dann um kurz nach fünf Richtung Frankfurt. Am Gate wollten wir dann noch etwas essen und trinken, aber in dem gesamten Terminal C gibt es keine Cafés oder ähnliches. Nochmal zur Erinnerung: Wir waren in Frankfurt, dem zweitgrößten Flughafen Europas und nicht etwa in Lemberg. Also mussten wir zum Terminal B – natürlich inklusive Kontrolle. Warum auch immer es die nicht in Terminal C an sich gibt, sondern nur am Gate, ist mir ein Rätsel. Es kam wie es kommen musste: Meine Powerbars machten wohl ein komisches Bild auf dem Röntgenapparat und dann wurde so ein Papierschnipsel durch meinen Rucksack gezogen, der einen Hinweis auf gefährliche Substanzen hatte. (Zugegeben: Der Sack ist ca. 18 Jahre alt und war schon auf mehreren Kontinenten – wer weiß, in was für Zeugs der schon gestanden hat. Meine Frau entschließt sich zu einer Grundreinigung nach der Rückkehr.) Der herbeigerufene Beamte ist indes immer noch nicht da und an der Kontrolleinrichtung befinde nur noch ich mich, da ich meine Frau losgeschickt hatte, die Leute vom Flieger zu informieren, dass es wohl noch etwas dauern könne. Nachdem dann der letzte Aufruf kam und man erneut den Uniformierten angerufen hatte, kam der dann auch gemütlich vorbeigeschlendert. Dann ging es endlich – mit (nicht wegen mir) Verspätung los.
Bei der Ankunft in Varadero am Flughafen stand dann auch ein Fuzzi mit einem Schild „Stephania – Manuel“. Ein Schreibfehler, dachte ich. Der wollte uns nach Varadero bringen. Wir wollten aber nach Havanna. Es stellte sich heraus, dass der Mann tatsächlich auf wen anderes wartete. Nach zwei Stunden waren wir dann auch endlich mit dem richtigen Fahrer im Kolonialhotel angekommen. Und ich wusste, dass ich nachts auf kubanischen Landstraßen nicht sein wollte – was da alles so unbeleuchtet rumeiert…
Das Hotel mit super Lage war schon weit über hundert Jahre alt, die Matratzen allerdings auch. Am zweiten Morgen gibt es kein fließend Wasser. Ein Teil in der Pumpe ist kaputt und wird auch nicht so schnell repariert… Das Personal war auch gut: gleich beim Einchecken las er laut meine Stadt vor: Dortmund? Borussia! Auch später sprachen mich einige auf mein schlichtes T-Shirt mit der Aufschrift Dortmund an. Das war neu. Im Baseball verseuchten Kuba war Fußball bisher ziemlich unbekannt. Und dann auch noch unser Club...

Vom Anfang bis zur Mitte

Zum Frühstück gab es natürlich Eier. Da meine Gattin diesen nicht traute, hatte ich vier. Dann Oldtimertour durch die Hauptstadt: cool. Dann Mittagessen: Ich bestelle mal Hühnchen, damit kann man nix falsch machen. „Huhn ist aus.“ Ok, dann Rind. „Rind ist aus.“ Damit fallen etwa zwei Drittel der Speisekarte aus. Am Abend gibt es kein Huhn und Schwein. Bier ist auch aus (außer Hai-necken – ich trinke doch hier bitte nur kubanisches Bier!). Ok, nehmen wir Cuba Libre. Später kommt plötzlich eine Lieferung Bier. So war das eigentlich immer: irgendwas gibt es nicht. Außer Eier. Die gibt es immer. Die werden locker zu 30 Stück auf der Palette auf dem Fahrrad balanciert oder lose Tüten transportiert.
Gleich am Anfang tauschen wir Geld im Hotel, da wir keine Lust haben, in Schlagen vor Wechselstuben zu stehen und auch heute schon ne Menge Kohle für das Auto brauchen. Später stelle ich fest, dass wir dadurch etwa 50 € verbrannt haben, aber immerhin Zeit gespart.
Am Ende des ersten Tages müssen wir auch schon unseren Mietwagen holen. Der Papierkram selber dauert nicht lange, lediglich das Zurverfügungstellen des Autos dauert schlappe 110 Minuten, da man es erst von was weiß ich wo herfahren muss. Damit liegt die Geschwindigkeit bzw. der Service auf dem Level von Fuerteventura.
Am nächsten Morgen geht es dann auch schon los Richtung Santa Clara über Cienfuegos. In den Städten gibt es do gut wie keine Schilder, die dir helfen könnten, aus der Stadt und dann auch noch in die richtige Richtung zu kommen. Ohne Navi kannst du da einpacken. Genau Adressen kennt unsere Offlinenavigation auch nicht. Unser Zimmer ist einen Block nach Osten und einen nach Süden verrutscht, daher müssen wir etwas länger suchen. Die Privatunterkunft ist wie alle anderen topp: Doppelzimmer, eigenes Bad, zum Glück fast immer mit Kühlschrank, sauber, jeden Morgen gibt es frisches Obst (hier bin ich gegen einiges allergisch, dort vertrage ich alles), frisch gepressten Obstsaft, leider nur Weiß- oder gar nur Milchbrötchen und natürlich Eier. Eigentlich sitzen wir immer draußen. Fensterscheiben gibt es so gut wie nirgends. In der Unterkunft hier handelt es sich ebenfalls um einen Kolonialbau, mit den (nicht nur vom Alter her) dazu passenden Einrichtungsgegenständen.
Abends bestellt meine Frau eine Pizza. Das war ein Fehler. Das konnten die damals schon nicht. Am nächsten Tag fahren wir in das ca. eine Stunde entfernte Remedios und von dort für einige Stündchen ans Meer. Niemals wieder hatten wir so eine Ruhe. Die Sonne ist allerdings deutlich aggressiver als erwartet und etwas liederliches Eincremen verursacht an der ein oder anderen übersehenen Stelle kleinere Verbruzzelungen. Abends besuchen wir noch ein Museum und versuchen (man beachte, dass dieses Wort hauptsächlich aus „suchen“ besteht) etwas zu Essen zu finden. An einer lebhaften Bar bekommen wir ein paar gute Kleinigkeiten zum Bier. Wir wollen noch ein zweites. „Ist aus.“ Cuba Libre tut‘s auch.
An nächsten Morgen fahren wir weiter Richtung Osten und wollen tanken. Da ich mit einem 50 CUC-Schein (1 CUC ist ca. 1 €) bezahle (der einzige, den ich hier bekam), muss ich mich registrieren. Komischerweise zeigt der Bordcomputer unseres MGs über hundert Kilometer mehr Reichweite an als bei der Entgegennahme des Fahrzeugs – Volltanken ist eben nicht gleich Volltanken…
Weiter geht es über die einzige Autobahn des Landes. Warum die so heißt, ist mir ein Rätsel: Neben Eselkarren, Radfahren und Fußgängern gibt es Kreuzungen und Wendemöglichkeiten sowie ordentliche Schlaglöcher.
Gegen Nachmittag erreichen wir dann Camaguey. Wir flanieren durch die Einkaufsstraße. Wie ich feststelle, gibt es mittlerweile auch hier Fitnessstudios, was man vereinzelten Leuten auch ansieht. Es ist heiß. Wie immer. Da unser Mittagessen aus einem Toast und ein paar Keksen Bestand und wir eine kleine Pause machen wollen, kehren wir eine Art Kneipe eine, stillen unseren Durst und bestellen ein paar Häppchen. Mit dem leeren Magen knallt das Bier natürlich doppelt. Da kommt ein Opa herein und will mir Zigarren (natürlich ohne Banderole) verkaufen. Mehr aus Mitleid halte ich ihm 1 CUC hin und hätte gern zwei Stück (bei dem Preis kann es sich nur um Abfall handeln). Der Opa will schon gehen und dreht sich nochmal um, um mir noch eine dritte zu geben. Seine Großzügigkeit (immerhin hat er etwas verschenkt) gepaart mit seiner Armut berührt mich.

Von der Mitte bis in den Osten

Der Vermieter unserer Unterkunft ist tatsächlich ein echter Italiener (warum jemand in diese Richtung auswandert…) und im angeschlossenen Restaurant gibt es dann auch eine richtig gute Pizza. Beim Frühstück lernen wir ein Pärchen aus dem ehemaligen sozialistischen Bruderland kennen. Wir fahren gemeinsam über Bayamo (keine Reise wert) nach Santiago de Cuba. Darauf hatte ich mich schon lange gefreut. Ich hatte das schöner als Havanna in Erinnerung, diesmal empfand ich es anders: Ich zitiere hier den Reiseführer: „Santiago ist anstrengend.“ Ja, es ist laut. Und zwar immer! Bis auf Havanna kräht auch jeden Morgen ein Hahn auf Kuba. Wobei „Morgen“ eher „mitten in der Nacht“ bedeutet, wie jeder weiß, der schon mal auf dem Land übernachtet hat. Auch hier in der Innenstadt. Zur Strafe landen die dann normalerweise auf meinem Teller. Schon erstaunlich, dass Sie die Viecher überhaupt gegen das Knattern der alten Schleudern und Mofas durchsetzen können. Ach ja: Musik ist auch immer laut. Aber davon gab es mir am Abend zu wenig. Am späten Nachmittag sah ich öfter Livemusik, aber nach dem Abendessen nicht (in Havanna war auch das anders). Ich habe extra nicht geschrieben „zum Bier“, denn das wird hier offenbar rund um die Uhr getrunken. Macht auch Sinn: Es ist immer schönes Wetter und außer den paar Leuten in den Läden muss niemand arbeiten. Was mein schönes Bild über Santiago trübte, war das viele Betteln oder das „Anbieten von Diensten“: Eine Bettlerin folgte uns bis in den Laden und wartete dann sogar an der Kasse mit uns. Dafür gibt’s natürlich nix! Und auf dem Hauptplatz geht es etwa so zu: Taxi? Taxi? Taxi? Internet? Taxi? Taxi? Taxi my friend? Taxi? Cigar? Taxi? Taxi? Hola amigo, Taxi? Taxi? Internet? Taxi? Restaurant? Taxi? Taxi? Und jetzt das ganz wieder von vorn. Und wenn du schnell lesen kannst, hast du das auch in dem Tempo gelesen, wie das auf dich einprasselt.
Hier findet einer unserer Höhepunkte der gesamten Reise statt: Wir wollen eine Hafenrundfahrt machen. Wieder so ein lästiger Vogel will uns zunächst günstigere Tickets verkaufen. Immerhin weiß er, wann die Fähre fahren wird (in der Touristeninfo hat man uns 14:00 Uhr genannt, 15:00 war richtig). Man solle an dem Restaurant am Wasser die Tickets kaufen. Das machen wir. Dort fragt man uns, ob wir unsere Pässe dabei hätten. Natürlich nicht. Ob wir unsere Passnummer wüssten. Natürlich nicht. Ok, der Name reicht. Meine Gattin heißt Estefany. Weil die Frau, die das einträgt auch so heißt. Sie freut sich und holt die Kellnerin herbei, denn die heißt auch so.
Bei schnulziger Livemusik warten wir auf die Fähre. Es ist eine Fähre, die zu einer kleinen bewohnten Insel im Hafenbecken fährt und zurück. Ansonsten hat die keinen Zweck. An Bord befinden sich außer uns vier steife Engländer und ansonsten nur Einheimische. Alle haben sich Sprit mitgebracht. Die Musik ist laut genug, dass man nicht in die Versuchung kommt, sich zu unterhalten. Es gibt Importbier. Nein danke! Wir nehmen Rum. Pur natürlich. Cola ist aus. Die Gruppen der Einheimischen mischen sich schnell und man schenkt sich regelmäßig Rum ein. Es wird getanzt. Der olle Kahn befindet sich nach etwa einer Stunde auf dem Rückweg und das lästige Einschenken wird weggelassen und direkt aus der Pulle Rum getrunken. Auch die beiden deutschen Touris sind mittlerweile beim Trinken und Tanzen dabei. Alle haben Spaß. Nach ca. zwei Stunden ist die Party leider vorbei. Das Festland scheint nicht mehr so ganz stabil zu sein und fast verabreden wir uns noch für den Abend. Leider entdecke ich den Club erst am nächsten Tag. Schade. Das wäre die Krönung gewesen. Schnell gehen wir noch was Einkaufen. Der Supermarkt ist direkt gegenüber der Anlegestelle und wir wollten eh eine Droschke für den Heimweg nehmen. Bepackt mit Fusel für den Abend halten wir den ersten Radtaximann an. Er winkt ab. Komisch. Der zweite macht es. Er ist deutlich jünger. Er will fünf Euro (später lernen wir, dass wir für vier bis zur Tür mit einem Auto gebracht werden). Der junge Mann fährt in die falsche Richtung. Dort ist es flacher. Er holt Schwung. Die Steigung nimmt zu. Mir fällt ein, dass wir ja oben auf dem Hügel wohnen. Um eine Kurve muss er uns ziehen. Er legt etwa zwei Drittel des Weges zurück. Eigentlich hat er sich das Geld nicht verdient, aber in Anbetracht der Ströme von Schweiß, die nun an Ihm herunterrinnen irgendwie doch.
In Santiago lernen wir noch ein Pärchen aus der DDR kennen. Mit beiden Paaren verbringen wir den Abend. Unsere Begeisterung über eine Bootsfahrt, die lustig ist, können wir offenbar nicht vermitteln. Am nächsten Tag wollen wir mit einem Bus durch die Stadt fahren. Er ist oben offen. Der Stern knallt. Wir fahren zu einem Kinderpark und zurück. Ok, das war wohl der falsche Bus. Er hat auch nur 25 Cent für beide gekostet. Ein anderer Bus muss es sein. Der kreuzt nach einiger Wartezeit auch auf. Wir fahren zu einem Kinderpark und zurück. Das kostet diesmal etwas mehr. Wir steigen aus und der Busfahrer kommt hinter uns her gelaufen, um uns zu sagen, dass er nun woanders hinfahren würde und das hätten wir ja schließlich gebucht. Wir winken ab. Leider geht es dem Magen meiner Frau nicht so gut. Wir bummeln einfach noch etwas. Meine Gattin entdeckt noch einen Laden für Schläppchen. Der „Laden“ ist etwa so groß wie ein Kinderzimmer hier und dient dort normalerweise als Wohnzimmer, da es sich um ein ganz normales Wohnhaus handelt, auch wenn es mitten in der Fußgängerzone liegt. Während sie ein paar Schuhe anprobiert, kommt ein Anwohner mit einem Schweinekopf vorbei – d.h. herein. Er hält ihr das tote Tierteil vors Gesicht. Ob wir auch noch etwas Suppe wollten? Nein danke, die Sandalen reichen.
Am nächsten Tag fahren wir in den äußersten Osten der Insel. Dort wollen wir etwas Natur genießen. Leider könnten wir unseren gewünschten Ausflug erst am Tag der Abreise machen. Dieser Teil der Reise war daher etwas enttäuschend. Das Beste passiert noch am ersten Abend: wir sitzen zu viert auf der Veranda, als es plötzlich laut wird auf der Straße. Dort hat sich offenbar ein Mopp zusammengerottet, der die Straße entlang zieht. Unser Vermieter klärt auf: Die Leute feiern einfach nur so. Tanzender- und musizierenderweise zieht man um den Block. Man hat einfach nur Spaß. Es vielleicht hundert Eingeborene und EIN Tourist. Wir schließen uns der „Conga“ an. Das dauert etwa eine halbe Stunde und dann gehen plötzlich alle heim. Unglaublich.
Wir legen uns am nächsten Tag an den - laut Reiseführer – „Hausstrand“. Dahin müssen wir allerdings ca. 20 km über eine Schotterpiste fahren. In den drei Stunden dort kommen fünf Leute vorbei, die uns Getränke, Knabbersachen und ein Essen anbieten. Und sie kennen meinen Namen, schließlich habe ich mit beim Verlassen des Autos einem dahergelaufenen Fuzzi vorgestellt. Außer uns sind auf dem kurzen Stück noch zwei andere Paare. Scheinbar jedoch genug, um diese Fragesteller hier zu haben. Nach unserer Rückkehr staunen wir über das Auto unsere neuen Bekannten. Hatte das vorher auch keine Nummernschilder? Der Vermieter sagt, wir sollen unseren Wagen umparken. Warum ist nicht wirklich klar. Vor einer Bank darf man nicht parken? Falsche Fahrtrichtung? Wir gehorchen natürlich. Als die beiden von einem Ausflug wieder kommen, stellt sich heraus, dass die Polizei kurzer Hand die Nummernschilder abgeschraubt hatte. Normalerweise wäre das doch unser Auto gewesen, wo so etwas passiert wäre!? Ich kann ein bisschen mit meinem Spanisch bei der Wache aushelfen. Es kostet „nur“ 30 Euro. Wenigstens können wir gemeinsam am nächsten Morgen losfahren. Tanken müsste ich noch. Erste Tankstelle: Schlange. Aber es gibt noch eine am anderen Ende des Ortes. Dort ist Benzin aus. Ach, es wird schon reichen durchs Gebirge. Als der Bordcomputer allerdings noch 13 km Reichweite anzeigt und die nächste Tanke noch 29 km entfernt ist, fange ich an zu schwitzen. Zum Glück sind wir nicht allein unterwegs. Als wir die Tanke erreichen habe ich schon wieder ca. 60 km Reichweite – daheim klappt das nie mit dem „Mehr-Werden“. Dann der Schock: Benzin ist aus! Die nächste Tankstelle ist in 40 km. Ok, das sollte so gerade eben noch reichen. Die Anspannung steigt trotzdem. Wir erreichen die Tankstelle jedoch problemlos. Allerdings: Ihr wisst schon: Benzin ist aus! Manni hat die gute Idee, den Tankwart zu fragen, ob er nicht vielleicht noch ein Schlückchen im Schlauch und auf dem Boden des Tanks hat. Für fünf Euro hat er noch. Ob das an der Planwirtschaft liegt? Auch wenn es das Benzin mit der Oktanzahl meiner Kindheit ist schaffen wir es noch so gerade eben nach Guantanamo. Den Rest der Strecke mit Schlaglöchern und Schotterpistenabschnitten fahre ich nach dem Erlebnis vom Vortag wie auf Schienen. Nach schlappen sieben Stunden ohne wirkliche Pause (außer den ganz erfolglosen Tankstopps) sind wir AI-Hotel angekommen.

Abschluss und Fazit

AI-Hotel: Kuba erlebt man auf diese Art (mit dem Mietwagen) tatsächlich intensiver. Es ist allerdings anstrengender und ein kleines Abenteuer. Die fünf Tage nichts machen waren daher auch wirklich nötig. Ich habe vier Mal in meinem Leben (mangels Alternative) AI-Urlaube gemacht, dreimal davon auf Kuba. Ich finde das furchtbar: Natürlich gibt es überall auf der Welt Fette (ich rede nicht über ein paar Speckröllchen oder einen Bierbauch), aber in diesen Anlagen trifft man sie geballt: Frauen mit Liegebrüsten (die liegen auf dem Wanst) mit ihren Männern, deren Arme im 45 Grad Winkel vom Körper abstehen, weil sie nicht mehr anliegen können, die auch nur wankenderweise vorwärts kommen, weil auch ihre Beine zu fett sind, um aneinander vorbeizukommen. Die sich dann ihre Teller vollschaufeln, mit Dingen, die ich mir selbst daheim nicht kaufen würde wie Gänseleberpastete und das in einem Land, wo die Leute hungern müssen, finde ich das schon abstoßend.
In den paar Tagen wurde auch das Hotel immer, so dass am letzten Tag der kleine Pool schon etwas milchiges Wasser hatte. Außerdem gab es eine Liegen-Reservier-Mentalität vom allerfeinsten: Am letzten Tag legte ich mich noch mit so einem Fuzzi vom Hotel und einem anderen Gast an, die meinten für EINE Scheintote, die jeden Tag ca. 45 Minuten hier im Schatten schlief ZWEI Liegen reservieren zu müssen, direkt unter dem Schild „Liegen reservieren verboten“. Zur Beruhigung der Patrioten unter euch: Es waren ca. 95 % der Gäste aus Kanada.
Dann war Derby-Tag. Bei uns daheim kann man diese Spiele nur für viel Geld im TV sehen, hier – wie in Brasilien - hatten wir neun Sender und zwei davon zeigten jeweils eine BuLi-Begegnung live! Leider hatten wir vergessen, dass die Zeitumstellung bereits eine Woche vorher war und daher mussten wir in der Halbzeitpause schnell frühstücken, um dann vom sonnigen Balkon das lateinamerikanische Goooooooooooooool zu hören.
Die letzte Nacht mussten wir wegen der komplizierten Flugverbindung nochmals in Havanna verbringen. Wir waren wieder im gleiche Hotel und hatten diesmal das beste Zimmer (riesengroß und deutlich schöner als beim ersten Mal und mit besseren Betten). Der Flug wurde allerdings zwei Stunden nach hinten verschoben. Obwohl das schon vor unserer Ankunft bekannt war, wurden wir dennoch für die alte Flugzeit abgeholt – das hieß annähernd sechs (!) Stunden vor Abflug waren wir am Flughafen. Das Gute daran war, dass wir erst drei Stunden vorher einchecken konnten und es uns daher mit unseren Koffern gemütlich machen konnten. Da das Terminal, wo Condor abfliegt, vor der Check-in etwa so viel Infrastruktur hat wie der Provinzflughafen von Augsburg, hatten wir nur eine Option: Wir setzten uns mit Sack und Pack an die einzige Snackbar vor dem Gebäude und tranken Bier. Etwa 45 Minuten vor dem Check-in schloss jedoch diese auch und verhinderte so, dass wir volltrunken an Bord gehen mussten. Am nächsten Tag waren wir gegen 18:00 ziemlich gerädert daheim. Immerhin hatte ich 30 Minuten Zeit, bis ich ins Stadion musste.
Bier: Es gibt fünf Sorten, einige durchaus trinkbar, aber fürs Reinheitsgebot reicht es nicht – in allen ist Zucker. Hier ist sowieso in allem Zucker, vermutlich auch im Salz.
Autos: Das erste Feuerwehrauto, das wir sahen, war so niedlich, dass man sich gar keine Sorgen mehr machen würde ob des ernsten Auslaufens des selbigen. Die Polizeiwagen haben so einen blauen Fünflitereimer auf dem Dach. Das sieht auch niedlich aus. Ach ja – die Oldtimer. Jeder Fahrer ist ein Bastler. Es gibt sogar welche, die Klimaanlagen haben. Allerdings gibt es so viele alte Schleudern, die so viel Dreck in die Luft pusten… Bei manchen hatte ich das Gefühl, die verbrennen direkt Rohöl. Wenn man sich mal vorstellt, dass vor ca. 50 Jahren Millionen davon auf dem Straßen fuhren und immer noch in der dritten Welt rum fahren, dann wird einem erstmal klar, dass wir mit unseren Bemühung um Mülltrennung usw. niemals genug erreichen werden, wenn wir nicht den ganz großen Dreck dort abschaffen.
Sozialismus: Während des Wartens auf das Auto warteten, erzählte ein Angestellter, dass es doch nicht gut sei, wenn sie viel Geld einnehmen und so noch ein paar neue Wagen anschaffen könnten, das aber anders verteilt werden würde. So sahen wir an einer anderen Stelle eine Kolone nagelneuer Trecker. Du magst ja vom Sozialismus halten, was du willst, aber du solltest das auch verstehen. Warum z.B. gibt es zwei verschiedene Autovermietungen, wenn doch sowieso alles dem Staat, ähm dem Volk gehört? Oder Tankstellenbetreiber? Warum kostet nicht überall die gleiche Ware dasselbe? Also lieber Raul, wenn Sozialismus, dann bitte richtig und nicht so einen Mumpitz.
Internet: Gibt’s nur an manchen Hotspots an irgendwelchen Plätzen, die man daran erkennen kann, dass dort ein Lemming artiges Zusammenrotten stattfinden. Dafür muss man sich vorher Karten kaufen, die dir für eine Stunde in modemartiger Geschwindigkeit das Weltweite Netz eröffnen.
Fahren, Parken und Straßen: Die Straßenverhältnisse stimmen etwa mit der Markgrafenstraße bei uns daheim um die Ecke überein, was uns die ganze Zeit ein Gefühl von Heimat vermittelte. Also teilweise geflickter Asphalt und teilweise tiefe Schlaglöcher, denen man ausweichen muss. Das Fahren ist auch daher so anstrengend, weil man nicht nur auf den Boden sondern auch auf Fahrräder, Pferdekutschen und Fußgänger achten muss, die – vor allem in den Städten – auf den Straßen rumeiern, kreuz und quer und auch mal in deine Richtung kommen. Und wenn du irgendwann mal dein Auto abgestellt hast, musst du auf jeden Fall dafür bezahlen. Davon weißt du zwar vorher meist nichts, aber dafür ist dein Wagen auch am nächsten Tag noch heile. Manchmal musst du auch das Auto einfach nur über die Kreuzung fahren, damit der „Aufpasser“ da so sein Schutzgeld kassiert.
Und sonst: Am Ende am Flughafen regte sich eine Frau auf: „Dieses Land hat meine Geduld schon überstrapaziert.“ Ich sagte darauf: „Da haben Sie aber was falsch gemacht…“ Es hat wirklich Spaß gemacht. Es bereichert dich ungemein. Es ist allerdings kein Erholungsurlaub und du musst wissen, worauf du dich einlässt. Vielleicht komme ich ja doch nochmal wieder…
Euer
Che Manolo

































Samstag, 8. Oktober 2016

Jugoslawien

Eine kleine Zeitreise

Vorgeschichte

Ja, ja, ich weiß. Jugoslawien gibt es gar nicht mehr. Es trifft jedoch unser Ziel am einfachsten mit einem Wort, denn im Herbst zog es uns nach Kroatien, Bosnien und Herzegowina und Montenegro. Also drei Länder, die wir mit dem Mietwagen bereisen wollten, sowie mindestens eine Insel (also eine Fähre benutzen). Und gerade diese Punkte machen eine Mietwagenauswahl auf herkömmliche Art unmöglich.
Ich hatte sämtliche bekannte Anbieter angesehen. Man musste in allen die kleingedruckten AGBs ansehen. Ein Preisvergleich war nicht möglich. Manche hatten eine pauschale Grenzübertrittsgebühr, manche eine abhängig von der Anzahl der Tage und manche nur Kauderwelsch. Wenn man glaubt, man habe etwas gefunden, stellt man fest, dass noch Gebühren für eine Fährbenutzung hinzukommen oder dass Fährnutzung grundsätzlich verboten ist. Irgendwann hatte ich dann unser Standardportal, wo auf meine Fragen in 8 von 10 Fällen stand: „Rufen Sie uns an.“ Das habe ich dann gemacht. Nach dem ich nach dem dritten Anbieter und den Konditionen gefragt hatte, sagte mir die recht unhöfliche Frau, sie könne mir nicht alle Tarife nennen. Ich sagte darauf: „Hier steht aber, ich solle Sie anrufen?!“. Am nächsten Tag habe ich dann wieder bei der Hotline angerufen. Diesmal wusste die Frau nichts. Ich legte wieder auf und drückte Wahlwiederholung. Ein Mann hatte diesmal ein paar Antworten, zur Sicherheit solle ich aber in Kroatien anrufen. Auf der Webseite des lokalen Anbieters fand ich widersprüchliche Angaben. Also rief ich am dritten Tag das vierte Mal an. Endlich jemand kompetenter, der mir die Gebühren auf meinen Voucher auf druckte. Mit leichten Bauchschmerzen ging es los. Ich traute denen nicht. Und immerhin überquerten wir die EU-Außengrenze.
Die Bauschmerzen wurde mehr, als ich mir ein paar Tage vor Urlaubsantritt einen Infekt geholt hatte. Ich wurde in letzter Minute gesund.

Kroatien

Wieder mal flogen wir (leicht verspätet) direkt nach Split, wo wir nur die erste Nacht verbrachten. Der Vermieter war richtig modern und schickte mir per WhatsApp Infos zu. Die Straße sei eine Sackgasse und ich solle nicht reinfahren. Leider verwechselte ich die Straße und fuhr trotzdem rein. Glücklicherweise stellt rückwärtsfahren auch durch mehrere Kurven für mich kein Problem dar und enge Gassen sind ohnehin meine Spezialität. Nach ein paar Lenkradumdrehungen war ich aus der Falle raus.
Die Stadt kam mir schöner vor als bei unserem ersten Besuch vor vier Jahren. Allerdings auch teurer. Vermutlich weil hier ständig Tagestouristen von Kreuzfahrtschiffen ankommen. Daher ist es auch schwer, eine Restaurant zu finden, was normale Preise hat und nicht einer Pommesbude gleichkommt.
Nach zwei leckeren Bierchen machten wir uns auf den Weg zurück zum Apartment. Dort hörte ich aufgeregte spanische Stimmen: Vier Frauen waren ebenfalls in die Sackgasse geraten und vollkommen hilflos. Ich fragte auf Spanisch, ob ich helfen könne. Die Damen schienen sich überhaupt nicht zu wundern, dass hier jemand ihre Sprache sprach. Das Auto war um einiges größer als unseres. Die aufgelöste Fahrerin überlies mir umgehend das Steuer. Ich kannte ja bereits die Gasse und im Handumdrehen waren die Damen gerettet. Schon am ersten Abend hatten wir wieder mehr erlebt (da war doch was), als so manch ein anderer in zwei Wochen.
Unsere Nachbarn sind ein Pärchen, dass offenbar die Arbeitszeit reduziert hat und nun ständig Urlaub machen kann. Eine Begegnung (bzw. Thema), die mir nachhaltig im Kopf bleibt. Am nächsten Tag treffen wir die Chicas doch tatsächlich auf dem Markt wieder.
Wir laufen noch auf eine kleine Anhöhe mit wundervollem Blick auf die Stadt, bevor wir uns mit dem Wagen zur Fähre aufmachen. Ein Penner lässt sich nicht davon abhalten, unsere Scheiben zu wischen. Er möchte dafür auch nur "10 Kuna für ein Bier" - na wenigstens ist er ehrlich.
Wir verbringen die nächsten zwei Tage auf Hvar, einer wirklich schönen Insel mit zwei niedlichen kleinen alten Städtchen. Am dritten Tag fahren wir die lange schmale Insel bis fast zur Festlandküste und müssen nochmals eine Fähre nehmen. Nach der kurzen Überfahrt geht es Richtung Herzegowina.

Bosnien und Herzegowina

An der Grenze ist nix los. Als der Beamte meinen Pass sieht, sagt er "Westfalen". Dass er den Namen meiner Heimat kennt, finde ich genauso schön wie ungewöhnlich. Natürlich kennt er auch "Borussia". Kurz nach der Grenze ist es schon etwas heruntergekommener. Unser erster Stopp ist Pocitelj, ein winziges Dorf mit einer großen Burgruine malerisch an einem Fluss gelegen. Die alten glatten Steinstraßen führen steil nach oben. Autofahren ist nicht möglich. Ich frage mich, wie manch ein Bewohner seine Möbel hier her bekommen hat. Oben treffen wir drei (vermutlich) Türken, die wir mit Händen und Füßen bitten, ein Foto mit dem wunderschönen Hintergrund zu machen. Der eine hat richtig Spaß daran und machte mehrere Bilder von uns aus den verschiedensten Positionen. Wir alle lachen. Auf der anderen Seite der Ruine gilt nicht "savety first" - kein Geländer o.ä. schützt vor dem Absturz. Das Schöne daran ist, dass man auch überall rumkraxeln kann.
Am Nachmittag erreichen wir das berühmte Mostar (mit der noch berühmteren Brücke). Laut Navi sind wir 10 Minuten von der Unterkunft entfernt. Zwei Stunden später haben wir sie gefunden. Die kurze Sackgasse, die keiner, den wir fragen kennt, kann man nur von hinten herum anfahren, ein Namensschild oder ähnliches gibt es auch nicht. Die Wohnung ist riesig: ein 2er und ein 3er Schlafzimmer und im Wohnzimmer könnten auch noch mal vier Leute pennen. Von der Terrasse aus kann man den Sonnenuntergang hinterm Berg genießen. Der Altstadtkern ist wundervoll, alles Drumherum schon eher in üblem Zustand. Am nächsten Morgen bringt uns die Vermieterin ein kostenloses Frühstück. Die Leute sind einfach nett hier!
Da es aus unserer Gegend keinen Direktflug nach Sarajevo gibt, entscheiden wir uns, der Stadt einen Besuch abzustatten. Das Internet sagt zwei Stunden für die 130 km voraus und es hat recht. Auf den Satellitenbildern konnte man jedoch sehen, dass die Hälfte der Strecke an einem Fluss entlangführt, was die Fahrt selbst zu einem Augenschmaus macht. Da ich seit Tagen nichts als kurze Buxe und Sandalen trage, starten wir auch so auf die Reise. Morgens ist es noch nichtig schattig, aber die letzten Tage wurde es ja auch immer schnell heiß. Je näher wir der Hauptstadt kommen, umso größer werden unsere Sorgen, denn das Thermometer schafft es nicht, die 13 zu knacken. Die Leute draußen haben Schals um.
Wir parken am Rand der Altstadt in einer Mall, die toppmodern ist. Ich kaufe mir Socken, eine lange Hose und einen Pulli. Meine Frau handelt entsprechend. Wir essen noch schnell eine Kleinigkeit und verlassen die Mall. Plötzlich ist es heiß. Sarajevo liegt etwas höher und die Temperaturen steigen daher erst recht spät an. Naja, neue Klamotten kann man immer gebrauchen.
Von der Stadt mache ich wenige Fotos. Die Stadt ist nicht schön und nicht hässlich, sie hat etwas, dass man auf einem Bild schwerlich festhalten kann: Atmosphäre. "Bosnien und Herzegowina" als Staatsgebilde zu verstehen, ist wahrlich nicht einfach. Das es dennoch funktioniert ist ein wundervolles Beispiel für ein glückliches Miteinander. Der Schmelztiegel der Kulturen und Sprachen kommt in Sarajevo auf den Höhepunkt. Die Stadt ist eine Mischung aus Moskau, Wien und Istanbul alles in kleiner.
Als wir Mostar Richtung Montenegro verlassen, besuchen wir noch einen Felsenkloster und haben nochmal richtig mieses Essen in einer netten kleinen Stadt kurz vor der Grenze an einem Fluss. Auf dem Weg dorthin wir einem auch klar, warum dieses Land ärmer ist: die Landschaft lässt kaum Landwirtschaft zu und Bodenschätze gibt es auch keine.

Montenegro

Auch der Grenzübergang ins "Land der schwarzen Berge" ist lustig: In einem Häuschen sitzt ein Beamter der uns für den BVB den Daumen hochhält, seine Kollegin ruft den Namen einer Kaufhauskette dazwischen.
Unser erster Besuch in diesem Land lässt einen weiteren weißen Fleck auf der Landkarte verschwinden. Zunächst kommt es uns eher vor wie das "Land der schwarzen Wolken". Im Laufe der Fahrt verschwinden die jedoch.
Viele von euch kennen wahrscheinlich mindestens aus dem Kreuzworträtsel die kroatische Insel mit drei Buchstaben (Krk). Es geht noch besser: Während wir an den Ufern der Bucht von Kotor entlang fahren, kommen wir zu einem Kaff mit dem Namen „Strp“.
Der Balkon unsere Wohnung in Kotor bietet sowohl beim Sonnenauf- als auch beim Sonnenuntergang ein wundervollen Blick auf die fjordähnliche Bucht. Bei der leichten Hanglange musst du dir aber vorher genau überlegen, was du einkaufen willst, denn nochmal runterzulaufen macht keinen Spaß.
Kotor selbst ist eine mittelalterliche Kleinstadt, die an manchen Tagen von Kreuzfahrttouristen überschwemmt wird. Das Flair geht in diesem Moment verloren. Wir beschließen, dass wir keine Kreuzfahrer werden wollen. Auch fallen wir auf die Nase, als wie einmal im Zentrum schön essen gehen wollen: Zum ersten Mal hatte ich mich vorher im Web über Restaurant informiert und mich später gewundert, dass wir keines der ersten fünf Lokale gefunden hatten. Wie wir später erfuhren, lagen die alle außerhalb des Kerns.
Montenegro ist eine kleine Zeitreise. Der lustigste Teil davon ist der Besuch der alten Hauptstadt Cetinje, dass etwa so viel zu bieten hat, wie Dortmund-Mengede. Irgendwas stimmt mit dem Wetter nicht: Es hat sich zugezogen und frischt auf. Plötzlich fängt es sogar an zu regnen. Ein Platzregen vom feinsten. Am nächsten Morgen ist alles vorbei.
Wir verbringen auch anderthalb Tage am Strand. Der Ort, den wir uns herausgesucht haben, ist so gut wie ausgestorben. Restaurants sind geschlossen oder verlassen, der Bereich vor dem Stand total heruntergekommen, aber der Strand erinnert uns doch leicht an die Karibik. Das einzige geöffnete Restaurant bietet gutes Essen, das sogar an die kostenlose Liege gebracht wird.
Wir verlassen Kotor bei strahlend blauem Himmel. Unser letzter Stopp in Montenegro ist Herceg Novi, eine kleine Stadt mit mittelalterlicher Burg kurz vor dem Ende der Bucht. Hier kommen wir doch noch tatsächlich mit dem Gesetz in Konflikt: Parkplätze gibt es nicht viele, daher sind wir glücklich, einen gefunden zu haben. Nach dem Bummel durch die Altstadt sehen wir den Anfang des Parkstreifens: Man hätte ein Ticket lösen müssen und so kam es, wie es kommen musste: Ein Strafmandat. Es sind weniger die 10 Euro, die uns Sorgen bereiten, sondern mehr die Tatsache, wie wir die bezahlen sollen. Also fahren wir zur Polizei. Dort gibt es natürlich keine Parkplätze. Also warte ich im Wagen, während meine Frau sich durchwurschtelt und mit der Information wiederkommt, dass wir bei einem externen Dienstleister zahlen müssen. Glücklicherweise finden wir den recht gut. Dort gibt es natürlich keine Parkmöglichkeiten. Also fahre ich im Kreis, bis meine Frau die Formalitäten erledigt hat.

Kroatien (schon wieder)

Mittlerweile ist es 26° Grad warm und wir machen uns auf zu unserem letzten Stopp: Makarska in Kroatien, ca. 90 Minuten vom Flughafen entfernt. Hier wollen wir nochmal zwei Tage nichts tun.
Während der ganzen Fahrt ist das Wetter traumhaft, nur etwas stimmt mit der Temperatur nicht: Sie fällt langsam aber stetig. In Makarska sind es nur noch 13° Grad. In der Nacht regnet es heftig und leider hat es am Morgen nicht aufgehört. Das Sattelitenbild zeigt, dass es leider im Umkreis von ca. 150 km in alle Richtungen nicht besser wäre. Unsere zwei mickrigen Strandtage fallen buchstäblich ins Wasser, wobei wir einen nutzen, um in Split in einer großen Mall nochmal zu shoppen.
Am Abreisetag ist wie am Vorabend wieder wundervolles Wetter. Kurz vor dem Flughafen sitzen wir noch ein paar Stündchen am Meer, bevor es (mit leichter Verspätung) heimgeht.

Fazit

Die ganze Gegend ist immer eine Reise wert! Die Leute sind freundlich, das Essen ist gut und etwas günstiger als daheim. Um diese Jahreszeit ist es angenehm leer und das Wetter war bis auf diese 1,8 Tage und einen halben nahezu perfekt. Wir auf alle Fälle wiederkommen und freuen uns jetzt schon drauf.
Euer
Doc.

Sonntag, 3. Juli 2016

Purtugal alé

Das kannst du vergessen!

Vorgeschichte
Die fällt diesmal kurz aus: Eigentlich war unser Herbsturlaub jetzt geplant, aber wir dachten, dass am Atlantik im Juli nicht ganz so heiß ist und es daher mehr Sinn macht, jetzt nach Portugal zu fahren. Die Idee stellte sich später als zumindest teilweiser Irrtum heraus.

Der Beginn (Lissabon)
Wir wollten schon länger hier mal hin, waren wir doch beide schon hier nur nicht gemeinsam. Trotz aktueller Karten wurde uns schnell klar, dass wir uns hier nicht hundertprozentig auf unser Navi verlassen können. Manche Straßen waren niemals befahrbar (zumindest seit es Navis gibt). Unsere Unterkunft war super, allerdings durfte man dort in der Woche nicht parken. Pro Nacht mussten stolze 18,50 Euro berappt werden und die Parkgarage musste man erstmal finden. Autofahren macht in Lissabon auch nicht wirklich Spaß. Alles andere schon! Und überall anders im Land macht auch das Autofahren Spaß.
Wir kamen am Samstagnachmittag an. Kurz die wichtigsten Sachen besorgt und dann hatten wir plötzlich Zeitnot: An dem Abend spielten Deutschland – Italien. Ich hatte mir vorher bei Gugl unsere Gegend angesehen und nach möglichen Lokalitäten geschaut. Meine Vorbereitung war ausgezeichnet. Nach ein paar Straßen kamen wir in besagte und nahmen gleich ob der fortgeschrittenen Zeit das allererste Restaurant, in dem auch ein Fernseher hing. Trotz meines 54er Deutschland-Retroshirts und der Minifahne meiner Frau fragte man uns wegen unseres unarischen Aussehens, für wen wir den seien. Nebenan war eine internationale Reisegruppe mit einem Italiener, die dementsprechend alle für selbige. Ich habe keine Idee, wie der Wirt seine Getränke plante. Auf alle Fälle schlecht. Wir bestellten ein „Super Bock“, danach wollten wir das mal in dunkel probieren. Das ging noch. Die folgenden Biere waren alle unterschiedlich. Was er hätte, wäre nicht kalt genug. Er verschwand aus dem Restaurant und kam mit zwei kalten Pullen wieder. Das wiederholte sich noch zwei Mal. Jedes Bier (alle unterschiedlich) kostete am Ende 2 €. Nach dem wohl schlechtesten Elfmeterschießen der EM hatte uns die Mutti des Hauses schon ins Herz geschlossen. Wir brauchten Schnaps! Den gab‘s sogar aufs Haus. Auf dem Heimweg führte ich uns im Siegestaumel in eine Kneipenstraße, wo auch noch die Hölle los war. Wir stoppten noch ein einigen Läden, um weitere Getränke zu konsumieren, bis wir lustig heimkamen. Ein zünftiger Auftakt!
Am nächsten Tag laufen wir die Stadt ab. Unter anderem besichtigen wir die Burg. Der Boden dort (also die Steinplatten) sind über die vielen Jahre so glatt geworden, dass ich mehrmals fast den Adler mache.
Nicht nur die Brücke, über die man die Stadt nach Süden verlassen kann, erinnert an San Francisco sondern auch die „Hügel“. Irgendwann steigen wir auch in die berühmte Linie 28. Das Wetter ist traumhaft und so schwitzen wir in der uralten Bahn, denn auch Wind geht kaum. Die Bahn ächzt einen weiteren Hügel hinauf und plötzlich geht nichts mehr. Ein Auto – zwar ordnungsgemäß geparkt – ist zu lang und ragt zu weit in die Straße und somit wenige Zentimeter in die Fahrbahn hinein. Mittlerweile steht die nächste Bahn ebenfalls hinter uns. Wir verlassen das alte Dingen und steigen in ein Tuk Tuk (ja, das gibt es tatsächlich in Westeuropa) und lassen uns heimfahren. Das macht richtig Spaß! Am nächsten Tag fühlen sich meine Beine wie Beton an. Wir fahren in das schöne Viertel Belem, wo es einiges zu besichtigen gibt. Das Wetter ist grau und windig. Der einzige schlechte Tag!
Es geht weiter über ein paar kleine mittelalterliche Dörfer zu einer Zwischenübernachtung in Beja. Im Restaurant nebenan lassen wir es krachen: Ich bestelle Lamm, meine Frau Schweinefilet. Dazu eine Flasche Wein, zum Abschluss einen einheimischen Schnaps aus dem Reiseführer, der angenehm runter brennt und hier etwa ein „Doppelter“ wäre. Dann kommt die Rechnung: 27,40 Euro. Als wir abreisen, vergisst meine Frau ihre kurz zuvor gekauften Sandalen. Dazu später mehr.

Die Algarve
Am nächsten Tag erreichen wir nach einem kleinen Zwischenstopp die Algarve. Dort verbringen wir eine Woche (kürzer konnte man nicht mieten). Die Anforderungen an unsere Unterkunft sind eigentlich immer die gleiche: Küche, Balkon oder Terrasse und gute Lage. Und bei diesem Aufenthalt auch noch bitte mit Pool. Da dünnt sich die Auswahl schnell aus. Unsere Wahl fällt auf Vilamoura. Das heißt auch noch „Old Village“, dabei ist der ganze Komplex bestimmt nicht mal so alt wie ich. Der Ort entpuppt sich so ein Bisschen wie England nur mit schönem Wetter. Die Gäste sind zu ca. 85% Briten, entsprechend wird man von allen Leuten auch nur englisch angesprochen – egal ob von den Gästen oder vom Personal. Unsere Terrasse ist in diesem Falle der Durchgang zwischen zwei Wohneinheiten. Als wir uns das erste Mal den Pool ansehen wollen – es gibt drei Stück davon – finden wir bei zweien nicht eine einzige freie Liege. Nicht dass überall Leute wären, aber Handtücher. Ansonsten ist die Anlage sehr gepflegt und wir fühlen uns wohl.
Das Vergessen (1. Teil, 1. Fortsetzung) der Schläppchen fällt erst nach ein paar Tagen auf. Natürlich kann man das Hotel nicht erreichen. Wir haben nur noch zwei Nächte und ich frage an der Rezeption, ob man so freundlich wäre, das für uns nachsenden zu lassen. Allerdings lieber in die nächste Unterkunft, das erschien mir sicherer.
Man kann bequem in das kleine Örtchen laufen, wo wir das verabschieden der Deutschen aus dem laufenden Turnier mit einem Pärchen aus Düsseldorf verfolgen. Sie fliegen am nächsten Tag heim. Er hat offenbar mächtig Spaß, endlich mal mit jemandem ein paar Humpen zu nehmen, bis seine Frau anfängt an ihm rumzuzerren, dass man doch irgendwann aufbrechen sollte.
In selbiger Kneipe finden wir uns ein paar Tage später erneut ein, um das Finale zu sehen. Es ist natürlich kein Platz mehr. Aber von draußen kann man genauso gut zusehen. Ich gehe schnell noch in der Supermarkt um mir die letzten sieben Büchsen Pils zu besorgen (Super Bock und leider Heineken, mehr gab es nicht), die gemeinsam sehr schön die Landesfarben bilden. Ich kann sogar einen Stuhl von drinnen ergattern. Wir sind nicht die einzigen draußen. Schnell werden mir von unserer Nachbarin Erdnüsse angeboten. Wir singen schließlich mit: „Purtugal ale, Purtugal ale!“ Mit ihr und der halben Kneipe umarmen wir uns nach „unserem“ Sieg (immerhin hat schwarz-gelber gewonnen).
Wir haben eine Woche und besichtigen die meisten Städtchen hier unten. Bei der berühmten Fliesenkirche haben wir kein Glück, denn die Kirche macht Mittagspause. Ansonsten sind die Orte alle ähnlich und alle ganz nett zum Bummeln, Essen usw. Den Nachmittag lassen wir in der Regel am Pool ausklingen, denn es ist heiß. Ab 35 Grad oder schon ab 30 pack es die Klimaanlage im Auto nicht mehr wirklich. Wir sind ja jetzt nach Portugal gefahren, weil wir beide in Erinnerung hatten, dass es hier etwas frischer ist, wegen des Atlantiks und des Windes. Es ist - wie wir feststellen - nur teilweise richtig: Scheinbar verläuft eine Art Klimazone etwas weiter westlich von hier. Bei unserem Ausflug zum Kap starten wir wie immer bei 36 Grad. Am Kap (ca. 1 Std. entfernt) sind es tatsächlich nur 21. Am nächsten Tag fahren wir nur 30 km in die Richtung und auch dort sind es acht Grad weniger.
Den letzten Tag an der Algarve wollen mal nur am Pool genießen. Plötzlich bekomme ich eine Nachricht „Wir heißen Sie gleich willkommen!“ Wie jetzt? Ich liege doch noch in meiner Badehose hier rum und habe doch noch eine Nacht. Bei der Buchung war mir tatsächlich eine Tagesverschiebung unterlaufen. Jetzt musste ich mir schnell was einfallen lassen. Natürlich hatte das andere Hotel keine freie Kapazität mehr, wenn wir das ganze um einen Tag verschieben. Auch diese Unterkunft kann man nicht erreichen. Über die Bucking Seite kann ich das noch regeln. Nachdem ich einen Anruf aus den Niederlanden erhalte, sind wir erleichtert, denn man erlässt uns die Stornierungsgebühren. Wir finden einen Ersatz in Milfontes, einem ziemlich unbekannten Ort. Kein Reiseführer nennt oder kennt den, aber doch einige Touristen. Der Ort ist ganz nett und es ist tagsüber immer noch heiß. Abends wird es allerdings richtig kalt.

Der letzte Tag
Programm heute: drei Stunden Autofahrt nach Lissabon; dann die Schläppchen abholen (denn sie wurden ja dahin gesandt, wohin wir gar nicht fuhren); ein kurzer Stopp bei „Boca do Inferno“; dann ein Besuch von „Quinta da Regaleira“ eine Art Disneyland des vergangen Jahrhunderts; dann Auto abgeben – hört sich mehr an als es sein sollte. Eigentlich.
Nach ca. einer Stunde fällt meiner Frau auf, dass unsere Jacken noch in Milfontes hängen (Vergessen 2. Teil). Eine Umkehr würde das Programm vernichten. Später daheim bekommen wir das für 36 Piepen nachgesandt. Das war trotzdem die richtige Entscheidung.
Kurz vor Lissabon ist dann Stau. Wie bereits erwähnt, mach hier das Fahren keinen Spaß. Irgendwann kommen wir dann bei der Unterkunft an, bei der ja nun nicht waren (Vergessen 1. Teil, 2. Fortsetzung). Der hat aber die Sandalen gar nicht. Der hat nur den klassischen Abholschein von der Post. Also fahren wir in das kleine Örtchen. Und nach etwas Rumsuchen finden wir auch die Post. Für unter sieben Piepen hätten wir keine neuen Schuhe bekommen. In Summe haben wir nun schon zwei Stunden verloren und unser Magen knurrt. Wir finden tatsächlich nichts, wo man sich etwas auf die Hand nehmen kann (von manchen Sachen haben wir die Nase voll), auch am „Boca“ gibt es nur Weißbrotzeugs. An einem Einkaufszentrum hoffen wir auf die Möglichkeit, dort was zu finden. Allerdings sieht es dort nicht aus wie an einem Freitagnachmittag sondern eher wie in einem Endzeitfilm (fast ausgestorben). Der Besuch in den Lustgärten belohnt etwas die Strapazen.
So, jetzt noch das Auto wegbringen. Erst die Koffer abliefern und einchecken. Den Shuttleservice zum Flughafen, weswegen ich diese Butze gebucht hatte, gibt es nur morgens. Die Autovermietung liegt irgendwo im Industriegebiet am Flughafen. Nicht leicht zu finden. Nachdem wir das Auto verlassen haben, steht eine Nettoreisezeit von ca. acht Stunden zu Buche, etwa das Doppelte wie geplant. Ob man mir eben ein Taxi rufen könne, denn zum Flughafen brauchen wir jetzt nicht. „Haben Sie eine Telefonnummer?“ Keine Ahnung, auf welchem Mond der groß geworden ist. Ok, vergessen wir das und lassen uns zum Flughafen bringen. Die Schlange am Taxistand ist megalang. Also laufen wir los, bis wir ein Taxi finden. Die Fahrt ist kurz und kostet keine fünf Mäuse. In dem „Nobelhotel“ gibt es natürlich keinen Außenbereich. Verständlicherweise, denn die meisten kommen her, um portugiesische Klimaanlagenluft zu atmen, statt ein Pils in der Sonne zu trinken. Zum Glück finden wir noch einen Laden, wo eiskaltes Bier und ein paar Tapas für kleines Geld gibt.
Am nächsten Morgen in aller Frühe geht es heim.

Fazit
Ein super Urlaub. Sehr erholsam, wobei nur der letzte Tag etwas aus dem Rahmen fiel. Land und Leute sind sympathisch, ebenso das Wetter. Die Menschen sind freundlich und entspannt, das Bier ist lecker. Zu sehen gibt es eine Menge, allerdings ist alles etwas kleiner. Wenn man nicht in irgendwelchen Tourihochburgen rumrennt, ist es auch recht günstig. Es war bestimmt nicht unser letzter Besuch hier. Mein nächster steht ja schon an.

Dienstag, 10. Mai 2016

Doblin

OP 7.0

Vorgeschichte und Anreise:
Die Mehrheit wollte gern mal nach Westen und dafür sogar auf den heimischen Flughafen verzichten. Ich gehörte zwar nicht zu der Mehrheit, aber hatte Dublin noch in guter Erinnerung und nach fast 25 Jahren bedarf es auch mal einer Auffrischung. Das wohl längster Männerwochenende stand vor uns: Mittwochabend ging es von Düsseldorf los und zurück kamen wir erst am Montag nach Köln. Und es fing schon „gut“ an: Das Phantom musste sich ein Taxi nehmen, weil der Bus nicht so fuhr wie er sollte und auch Chorche, der erst am nächsten Tag anreiste, schwitzte im Zug nicht nur wegen der super Pünktlichkeit der deutschen Bahn. Unser Flug hatte dann auch noch etwas Verspätung. Angekommen am internationalen Hauptstadtflughafen wollten wir zunächst die Touristeninfo aufsuchen, aber es gab gar keine. Wir nahmen dann auch den Bus, der direkt bei der Ankunft auf uns wartete, was sich spätestens bei der Abreise als Fehler herausstellte.

Das Doyles
Entsprechend kaputt waren wir alle am ersten Abend, doch durch die Zeitumstellung hatten wir ja eine Stunde „gewonnen“. Gegenüber war eine recht urige Kneipe – das Doyles – und wollten doch wenigstens mal die dort beworbenen drei Farben (schwarz, rot, blond) mal durch probieren. Das Rote schmeckte etwa so, wie Tannenzapfen riechen, das Schwarze wie Geräuchertes und das Blonde darf eigentlich erst gar nicht in einem Satz mit „schmecken“ stehen. Wir nahmen natürlich noch ein Guinness und als Absacker ein Whiskey. Das Doyles war für die fünf Abende hier unser zweites zu Hause. Denn unser Hostel war nicht wirklich sauber oder schön, geschweige denn gemütlich. Das winzige Bad führte obendrein dazu, dass häufig die Notdurft woanders verrichtet wurde.

Ocam Pivo
Am Donnerstagmorgen gingen wir irisch frühstücken. Obwohl wir viel Alkohol zu uns nahmen, wurde morgens nicht getrunken. Und wir hatten dennoch Spaß. Es wurde so viel gelacht, dass eine ältere Dame zu uns sagte: „Ihr müsst aber gute Laune haben, so viel, wie ihr lacht. Ein schöneres Kompliment kann ein Fremder dir und deinen Freunden eigentlich nicht machen. Wir schauen uns ein Bisschen in der Stadt um, bevor wir am frühen Nachmittag die klassische Free Walking Tour mitmachen. Wir lernen, dass Irland zweisprachig ist und was „prost“ auf Gälisch (was hier ca. 3% der Iren sprechen) heißt. Am frühen Abend kam dann Chorche zu uns und endlich waren wir wieder „ocammen“. Als wir nach diversen Spelunken am Ende wieder im Doyles landen, kommen wir mit zwei Weibern ins Gespräch, die sich munter volllaufen lassen. „Müsst ihr denn morgen nicht arbeiten?“ - „Doch, aber freitags sind wir nur körperlich anwesend.“ Ein Modell, das uns ebenfalls anspricht.
Am Freitag besuchen wir die größte Kirche des Landes und später machen wir eine als Wikinger verkleidete Tour auf einem Amphibienfahrzeug. Im Nachhinein eher was für Kinder, aber trotzdem lustig. Abends geht’s in die Tempel Bar (das ist ein Viertel, das dem Ballermann z.B. in nichts nachsteht). Zunächst sind wir in einer Art Diskokneipe. Nachdem zwei von uns hintereinander die Toilette aufsuchten, wurde diese gesperrt. Direkt im Anschluss fiel der Strom aus und zwar nicht nur für ein paar Minuten. Einen Zusammenhang sehe ich hier nicht. Wir verlassen das Etablissement und kehren in eine urige Kneipe ein, die so einen Kontrast herstellt, dass dort nicht mal Musik läuft. Dort lernen wir eine Mutti kennen, die in Dublin mit ihren beiden Töchtern ihren siebzigsten Geburtstag feiert. Wir tanzen später noch mit den Damen, bevor wir einen Absacker im Doyles nehmen (nach uns wurde die Tür verschlossen). Am Samstag habe ich etwas schlechte Laune. Meine Frau sonnt sich auf dem heimischen Balkon. Wir wollen zum Rugby, dafür haben wir das Fußballspiel am Abend vorher sausen lassen. Die Sonne sehen wir den ganzen Tag nicht und kurz vor Abpfiff muss ich mir einen heißen Kakao holen, weil ich anfange durchgefroren zu sein. Wir sind für die Blau-weißen und auf der Nordtribüne, die eher provisorisch aussieht. Das Spiel gewinnen die Iren vor 10.000 Zuschauern 50 zu 19 gegen eine Mannschaft aus Italien. Spannung und Stimmung kommt kaum auf. Sicherheitskontrollen gibt es auch so gut wie keine. Die Stimmung drum herum selbst ist extrem entspannt. Wie auf einem Familienfest holen wir uns zwischen Westtribüne und der Kirche ein paar Guinness.
Am Sonntag besichtigen wir dann auch die legendäre Guinnessbrauerei, interessant - allerdings mehr eine Kommerzveranstaltung.

Rückreise & Fazit:
Das Busticket zum Flughafen hatten wir schon beim Hinweg mitgelöst. Das Problem dabei war allerdings, dass genau diese Linie nur alle 20 Minuten fährt und das auch nur im Durchschnitt, so dass wir etwa 38 Minuten keinen Bus von denen sahen, dann kam einer der nur 6 Plätze hatte, Panik brach bei den zwei hinteren aus, als dann zum Glück der zweite Bus direkt hinterher kam. Daheim im Zug hatten wir die Frau von Lurch Peter Hansen, die uns durch Mikro mit „Moooooine Damen und Herren“ begrüßte. Alles in allem ein Klasse Trip! Die Stadt bietet viel Kultur. Die Leute sind tatsächlich so gut drauf, wie man immer hört. Die Tempelbar (das Partyviertel) steht den Partymeilen auf den Balearen in nichts nach, allerdings ist das Ausgehen hier deutlich teurer. Nur das Wetter könnte besser sein.

Slàinte
Manu (an uachtarán)

Sonntag, 27. März 2016

Danzig

Piroggen


Wie jedes Jahr Ostern machen wir uns ein langes Wochenende. Nach elf Jahren kehre ich nach Danzig zurück. Wir haben eine schöne kleine Wohnung mitten in der Innenstadt, von dessen Dachterrasse (die einfach aus ein paar Brettern zwischen zwei Giebeln besteht) wir die Haupteinkaufsstraße sowie den zentralen Markt sehen können. Allerdings ist die vierte Etage mit Gepäck schon nichts für Fußfaule. Die Wohnung an sich ist zwar ganz niedlich, allerdings fehlt es an der Ausstattung, um sich dort selbst zu versorgen, und das, was da war, ist dreckig. Das Badezimmer war zudem für Hobbits konstruiert. Also alles in allem eher enttäuschend.
Die Stadt jedoch nicht. Das Essen ist gut und günstig, das Bier ist lecker und hat auch genügend Prozente. Auf dem Fluss machen wir eine Bootstour und Schmuck für die Damen gibt es auch ausreichend. Leider war es sehr kalt, ansonsten ein guter Trip und wir waren bestimmt nicht das letzte Mal dort.

Samstag, 5. März 2016

Fuerteventura

Der Name ist Programm

Vorgeschichte
Auf Fuerte waren wir gelandet, weil es das einzig für diese Jahreszeit in Frage kommende Ziel war, das man ab Dortmund direkt erreichen konnte.
Vor der Sicherheitskontrolle wurde plötzlich mein Name ausgerufen, ich solle mich „dringend“ beim Sicherheitspersonal melden. Das hatte ich auch noch nicht. Bis wir dann jemanden gefunden hatten, der uns überhaupt sagen konnte, was los war, dauerte es auch etwas. Wir sind dann mit einem Mann in die Katakomben des Flughafens gegangen, wo ein freundlicher Herr auf uns wartete und uns fragte, ob wir einen Verdampfer im Koffer hätten.
Wir wollten ursprünglich etwas eher fliegen, aber Porto kam dazwischen. Wegen anderer Termine ergab sich nur dieses Datum. Wir flogen mit Germania. Mein letztes Mal mit denen war über 15 Jahre her. Durch unsere guten Beziehungen gab einen Wein für jeden von uns für lau. Der Flug und alles was dazu gehört war auch ansonsten ganz gut.

Urlaub & Fazit
Allerdings konnte man das von der Autovermietung nicht sagen: Zunächst konnte mal diese gar nicht finden. Es gab kein einziges Schild, das auf diese hinwies. Auf dem Autoparkplatz kannte die Gesellschaft auch niemand. Nachdem ich über den ganzen Parkplatz gelaufen war und am anderen Ende des Flughafens war, sagte man mir, das sei auch Europcar. Dort angekommen, erlebten wir die wohl am schlechtesten vorankommende Vermietung. Nach etwas über drei (!) Stunden Wartezeit hatten wir endlich unser Auto.
Gegenüber von unserer Unterkunft war ein guter Supermarkt, wo ich der Verkäuferin sage, dass ich nur in Ermangelung an Alternativen die 3er Eier kaufe. So was gibt’s daheim ja zum Glück gar nicht mehr. Ich erkläre der Verkäuferin, dass ich nur widerwillig die Eier nehme.
Das Hotel war soweit ok. Wenn man denn man Sonne hätte, hätte man sie den ganzen Tag auf dem Balkon. Pool kam für uns nicht in Frage: So sardinenmäßig haben wir noch nirgends gelegen. Ganz schlimm ist eine ältere deutsche Frau, die dort arbeitet (als was auch immer) und alle anderen Leute brüllend über das gesamte Gelände begrüßt und mit feinstem Schrottenglisch Smalltalk macht.
Die Insel machte ihrem Namen alle Ehre. Wir entschieden uns, dass es uns definitiv zu windig ist und wir wohl nicht mehr herkommen. Viel ist auch nicht los. In unserem Ort war allerdings noch etwas Leben. Mit dem Wetter hatten wir auch nicht wirklich Glück.

Mittwoch, 18. November 2015

Brasilien

Ein Urlaub der Rekorde


Vorgeschichte und Anreise
2014 Fußball-WM in Brasilien, 2016 Olympische Spiele in Rio, da bot sich 2015 ja optimal für eine Reise an: Die Preise sollten günstiger sein, und das Land in einem „gepflegten“ Zustand. Da wir eine Rundreise machen wollten, klappte es auch nicht mit einem Direktflug und nach einigem Rumbasteln mit dem Reisebüro unseres Vertrauens Stand dann der Trip.
Natürlich waren wir vor dem Urlaub wie immer krank und mussten dabei auch ein paar Impfungen über uns ergehen lassen. Bis auf gegen Pest haben wir jetzt wohl alles. Diesmal wurden wir allerdings grade noch rechtzeitig wieder gesund.
Bis wir in unserem Langstreckenflieger von Paris nach Rio saßen, nahmen wir die U-Bahn, noch eine U-Bahn, den Regionalexpress, die H-Bahn (normal bis hier her), den Zubringerflug (bei diesem hatte es nur an einem Aufguss zu einem ordentlichen Saunagang gefehlt), den Flughafenbus und dann noch den Flughafenzug. Dafür mussten wir allerdings erneut durch die Sicherheitskontrollen – also Getränke abgeben. Diese Sinnlosigkeit begleitete uns noch des Öfteren. Für den Notfall füllte ich uns in eine leere Flasche hinter der Kontrolle einen (!) Liter Kranwasser ab. Im langen Flug meinte es der Kapitän gut: Damit wir uns schon mal an die arktische Kälte an unserem Ziel gewöhnen konnten, wurde die Temperatur so im angepasst, dass mir die Rotze an der Nase gefror – und das nach dem schönen Saunaflug. In Rio war es hässlich grau und wir waren daher dankbar, den dritten Flieger besteigen zu dürfen. Den Liter Wasser durfte ich nach einem Schluck daraus behalten.

3 Tage – 3 Länder
Und so kam ich nach 13 Jahren wieder in Iguacu an, den größten Wasserfällen der Welt, die auch nach all der Zeit nichts an ihrer Faszination verloren hatten. Das tropische Klima und Schmetterlinge waren wie damals. Damals trank ich kein Bier. Brasilianer sind Biertrinker. Wir bestellten also unser erstes Essen (Buffet) und Bier dazu. Das kommt auch in guten Restaurants fast immer aus der Dose, in seltenen Fällen aus der Pulle. Dazu gibt es Weingläser. Wir lernten gleiche eine Spezialität kennen: Farofa (Paniermehl mit Speck). Am nächsten Tag konnte ich eine 13 Jahre alte Rechnung begleichen: Wir fuhren auf die argentinische Seite der Wasserfälle. Damals hatte ich nur eine Passkopie dabei, die nicht ausreichte, um einzureisen. Die Seite ist anders, doch ebenfalls faszinierend. Am dritten Tag fahren wir nach Paraguay. Ich hatte das als riesigen Markt in Erinnerung und wollte diesen meiner Frau zeigen. Dort gibt es aber so gut wie nichts Einheimisches zu kaufen sondern nur „Markensachen“. Meine Frau beschrieb diesen Ort passend mit: „Ich habe noch nie so viel Schrott auf einen Haufen gesehen.“ Wir gehen in einen Laden und kaufen einen „Gebrauchsgegenstand“ (Wert ca. 5 €), ich versuche alles mit meiner Kreditkarte zu zahlen. Dafür braucht man meine Passnummer. Ich habe nur die Kopie dabei (es ist eine Art Freihandelszone und man kann ohne Pass einreisen). Bevor wir den jedoch kaufen, wollen wir noch etwas im Laden rumlaufen. Das scheint ein schwieriges Unterfangen zu sein. Wir haben immerhin schon einen Artikel gefunden. Dann gehen wir noch in den (neudeutsch) „Food-Court“, zum Essen ein Pils. Dort gibt es Literpullen, aber wir entscheiden uns doch für eine „normale“ Dose.

Dschungel
Weiter ging‘s über Brasilia nach Manaus. Die Millionenstadt hat man in weniger als einer Stunde gesehen. Aber es gab grade einen Markt. Das heißt für meine Frau natürlich Powershopping. Auf dem Markt suche ich den wenigen Schatten. Ich habe nur morgens einmal LSF 15 aufgetragen. Die ca. 45 cm hohen Bordsteine sorgen auch dafür, das nur völlig fitte unterwegs sind.
Es gab auch wirklich schöne Sachen. Ich probiere in einem Schuhladen auch ein paar Paare an. Aber wegen meiner Füße finde ich nur ein Paar, was halbwegs passt. Da es halbwegs ist und die beiden Jungs, die mich bedienten wenigstens noch was umsetzten wollten, lassen sie mir einfach ein Drittel nach. So kauft man gern ein.
Dann werden wir für unseren Dschungelaufenthalt abgeholt. Laut Unterlagen sollten wir um 13:30 im Hotel abgeholt werden. Als wir um 13:10 ins Hotel kamen, war ein Mann bereits da und aufgeregt, weil wir nicht da waren. Im Hotel waren wir unbekannt – schließlich hatten wir vor zwei Stunden ja auch ausgecheckt. Es gab dann keinerlei Infos. Später am Hafen war auch zunächst kein Schiff da. Das Problem dabei war: Wir saßen später nach dem „Bootswechsel“ zwei Stunden ohne Sonnenschutz (das erste hatte noch eine Art Dach) auf einem Boot, unsere Mützen ebenso wie die Sonnencreme waren im Koffer, der wurde auf das andere Boot geladen, welches schneller abfuhr als wir reagieren konnten. Die Temperaturen hier sind immer 34 – 36 Grad (diese werden im Schatten gemessen – das Problem war nur, es gab hier nirgends Schatten). Und ich hatte nur morgens einmal 15 genommen. Kannst du dir vorstellen, wie meine Haut danach aussah? Nein! Nämlich immer noch wie hier. Nach all den Jahren im Freibad hatte sich scheinbar bei mir eine Art Leguanhaut gebildet. Meine Hautfarbe hatte sich auch nach einer Woche kaum verändert. Wieder mal ein Beweis dafür, dass man seiner Haut auch mal Sonne gönnen sollte. Während ich sinniere brauchte sich etwas zusammen. Dann regnete es sehr heftig. Das war der erste Regen meines Lebens, der mir richtig Spaß machte. Allerdings war im Boot keine Plane o.ä. um Koffer oder Tasche abzudecken. Mein Reiseführer wurde so nass, dass er zunächst zu einem Stück wurde und anschließend aufquoll. Auf dem Weg dorthin lernen wir ein nettes Paar aus Franken kennen. Der ältere Mann hat ein paar interessante Anekdoten auf Lager. Zu unserer kleinen Gruppe gesellt sich noch ein sehr junges Paar aus dem Rheinland, wobei die beiden so viel Energie hatten, dass sie es doch tatsächlich bis 20:00 Uhr aushielten, bevor sie sich in Ihre Hütte begaben, die wie alle weder elektrisches Licht noch warmes Wasser hat. Das „Porzellanmädchen“ hat nach zwei Wochen Südamerika ebenfalls die gleiche Hautfarbe wie daheim. Da kann mir doch keiner erzählen, dass die Chemiemassen auf der Haut besser sind, als auch gelegentlich mal etwas durch zu lassen. Wir knallen uns nur Anti Gefiechszeug auf die Haut, denn mal abgesehen davon, dass ich von der Fauna hier doch recht enttäuscht war, gab es doch von den kleinen Krabbeldingern mehr als genug. Wobei mein Favorit immer noch das achtbeinige haarige Tierchen war, dass alles andere als klein war und in einem Blatt in der „Lobby“ wohnte. Außerdem hatten wir noch unsere Führerin Rosi. Schon deren Lebensgeschichte ist ein Abenteuer. Unteranderem erzählte Sie, dass sie mal deutlich über 100 kg wog.
Der dunkelhäutige Mann, der uns abgeholt hat, greift sich einen Abend die Klampfe und beweist mal wieder mit Wish You Were Here, dass diese Leute Musik im Blut haben.
Wir gehen in einem Nebenfluss des Amazonas baden. In Anbetracht der Tiere, die es hier gibt, zunächst ein komisches Gefühl, aber alles unberechtigt. Hier lerne ich, dass eine Frau durchaus auch im reiferen Alter und unabhängig vom Körperumfang immer noch ihren Bikini tragen kann, den sie zur Kommunion geschenkt bekommen hat.
Wir besuchen noch ein Indianerdorf, wo ich eine Pulle Schnaps für 5 Euro kaufe. Später sehe ich sie im Supermarkt für 2. Naja, es war ja auch zu einem guten Zweck.
Als wir dann abreisten, kam eine größere deutsche Gruppe an. Ja, wir hatten das auch gelesen, dass man helle Sachen wegen der Insekten tragen sollte. Allerdings sahen einige von denen in weiß aus wie Doktor Trottel im Urlaub. Bei einem auf jeden Fall eine Marotte – der war später auch am Flughafen - komplett in rot. Auch Rosi treffen wir wieder.
Wieder zurück in Manaus brauchten wir Geld. An fünf Automaten Fehlanzeige: Die Karte wurde nicht akzeptiert. Wir machten uns Sorgen, denn angeblich können man mit der Karte überall abheben. Auch am nächsten Flughafen bei drei Automaten hatten wir keine Chance. Irgendwann fanden wir dann doch noch einen Automaten, bei dem wir zumindest etwas abheben konnten. Glücklicherweise ist Brasilien – ebenso wie fast alle andere Länder auf diesem Globus – weiterentwickelt als unsere Heimat: Man fast überall und jeden Betrag mit der Kreditkarte bezahlen. Aber wir holen auf!

Kolonialzeit
Weiter geht’s nach Salvador da Bahia. Eine bunte wunderschöne Stadt im alten Kolonialstil, in der alle 200 bis 500 Meter zwei Polizisten stehen. Manche fahren auch zu zweit auf dem Motorrad, wobei der hintere immer (!) seine Pistole gezogen hat. Vorsichtshalber entschieden wir uns, den Abend nur gegenüber in einer Spelunke ausklingen zu lassen. Alle saufen Bier. Auch Frauen. Aber dass Frauen Schnaps wollen, scheint eher ungewöhnlich. Wir lernen einen alten Mann mit ca. zwei Zähnen kennen. Als er erfährt, dass ich den gleichen Namen habe – und er sich vergewissert hat, dass er mit U und nicht mit O geschrieben wird - und ich erst kürzlich in Galizien war, wo er geboren wurde, bekommt er feuchte Augen. Dann ist da noch ein Anwalt, der mal drei Monate in Freiburg gelebt hat. Am nächsten Abend grüßen unsere neuen Saufkumpane schon beim Vorbeilaufen.
Auf dem größten Platz hat tote weiße Schwarze „They Don't Care About Us“ aufgenommen. Sein Pappebenbild steht immer noch auf einem Balkon. Schaut euch das Video an. Ein kleiner Einblick in unserer Reise.
Hier verteilen Leute Bändchen, die uns ein paar Wünsche erfüllen sollen. Ich bekomme zwei (schwarz und gelb, nachdem er mich nach meinem Verein gefragt hat), meine Frau rot dazu, damit es unserer Nationalflagge entspricht – also ungebildet sind die nicht.

Strand
Von hier geht e seine Stunde mit dem Wagen nach Praia do Forte, ein kleiner schöner Ort am Strand. Schon touristisch, aber in einer angenehmen Art: kein Haus darf höher als die Palmen sein. Wir kommen an unserer Unterkunft an. Die hatte ich selber gebucht. Wir waren natürlich zu früh dran. Einchecken ging also nicht. Ob ich denn das WLAN schon benützen könne, wir wollten Radio hören. Ja klar. Daheim: Derby. Relativ zügig verstand man, was uns interessierte. Leider hatten wir nur noch zwei Büchsen Pils. Plötzlich fingen die Damen des Haus an, wild zu gestikulieren und meinen Namen zu rufen. Der Herr des Hauses hatte für uns das Derby im TV gefunden. Dann brachte er uns noch zwei Weingläser für das Bier. Da meins schon leer war, brachte er mir sogar noch eine neue Dose. Schon allein diese Erfahrung sollte als Erklärung reichen, warum wir ungern Hotels buchen, sondern lieber private Unterkünfte. Später ist der Abschied ebenso herzlich wie die Ankunft. Am Strand treffen wir den Anwalt wieder. Brasilien ist halt ein Dorf.
In dieser Gegend leben viele Nachkommen der einstigen afrikanischen Sklaven. Durch die Vermischung mit Eingeborenen und eingewanderten Europäern hat sich ein offensichtliches Aussehen ergeben, was ich so in solcher Konzentration noch nicht gesehen hatte. Die Frauen hier sind rrrrr. Zugegebenermaßen sehen die Männer hier auch nicht schlecht aus.
Wir machen einen Ausflug mit dem Jeep, wo ich eine Schlange auf den Arm nehmen durfte, aber ich verzichte dankend; und besichtigen das einzige feudale Schloss Amerikas (woran auch immer das zu erkennen ist) bzw. die Überreste davon. Hier wie auch in anderen Orten wurden wir auf das 1:7 angesprochen, allerdings niemals mit feindseligen Gefühlen. Dann auch noch eine Schildkrötenfarm und tun so auch noch etwas gute mit unserem Eintrittsgeld (tauchen ging leider nicht).
In der letzten Nacht werden wir nochmal bzw. eigentlich das erste Mal richtig zerstochen. Ansonsten wurden wir die meiste Zeit verschont.

Rio
Rio liegt von Salvador westlich, aber wir müssen die Uhren vorstellen. Ok, weil Salvador näher am Äquator liegt, ungewohnt war es trotzdem. Zunächst machen wir eine von diesen in Mode gekommenen „Free Walking Tours“ und ich erinnere mich, warum ich von Rio selbst kaum Fotos hatte. Eine wirklich hässliche Stadt. Die Altstadt wurde absichtlich platt gemacht bis auf wenige Ausnahmen. Am Strand entlang stehen nur riesige hässliche Bauklötze. Trotzdem ist eine unfassbar faszinierende Stadt, die dich auch gleich in ihren Bann zieht. Vielleicht ist das ihre Schönheit? Also vom Prinzip wie Dortmund. In Rio gibt es zwei Metrolinien: Die eine hat ca. 30 Stopps, die andere ca. 20, von denen die ersten 10 mit der anderen parallel laufen – der Sinn hat sich mir nicht erschlossen. In Rio war unser kältester Stopp: es war in der Regel unter 30 Grad. Und so waren wir auch angezogen. Entsprechend fühlten wir uns beim Betreten der Metro, denn hier hatten sich durch die Klimaanlage bereits Eiskristalle an den Fenstern gebildet. Das ist in Thailand oder anderen solchen warmen Ländern ebenfalls so - der Sinn hat sich mir noch nie erschlossen. Heute wollen wir zur Christusstatue. Das hatte ich vom Reisebüro abbestellt. Ich wollte doch mit der alten Zahnradbahn hochfahren und nicht mit dem Jeep. Also Metro. Dann Bus. An der Zahnradbahn angeblich zwei Stunden Wartezeit. Also doch den Minibus. Fast oben angekommen mussten wir erstmal warten. Nach dem Eintrittskartenkauf mussten wir auf den nächsten Bus nach ganz oben warten. Eintrittskarte vorzeigen. Unser Bus hatte offenbar ein kaputtes Getriebe. Wir waren froh, dass er überhaupt oben ankam. Eintrittskarte vorzeigen. Oben hat man eine beeindruckende Sicht (wenn denn keine Wolken da sind) auf Rio und Umgebung. Es ist allerdings rappelvoll. Hatte ich so nicht in Erinnerung. Wir wollen heim. Aber erstmal raus. Eintrittskarte vorzeigen. Auf den Minibus warten. Eintrittskarte vorzeigen. Dann zur Bushaltestelle. Warten. Fahrkarte vorzeigen. Dann den Bus zur Metrostation nehmen. Erstmal shoppen nach der ganzen Warterei. Abends sitzen wir mit ein paar Büchsen Bier am Strand. Am Ende der ewig langen Promenade, auf der langsam die Lichter angehen, liegt der Zuckerhut. Ich bin emotional arg erfasst von der unglaublichen Schönheit des Augenblicks. Unser Hotel hier war nix. Keine Möglichkeit, sich draußen aufzuhalten. Da wir aber nicht des Nachts durch Rio eiern wollten, nahmen wir die nächste Kneipe, die nett aussieht. Das Bier schmeckt. Nach der Verrichtung der Notdurft erscheint die Toilette im Spirit wie ein Wellnessbereich. Also erstmal Schnaps bestellen.
Am letzten Tag (ein Sonntag) fahren wir noch auf den Zuckerhut. Leider ist es sehr bewölkt. Wir gehen noch zu einem Sonntagsbuffet, das hier sehr beliebt ist und das Essen ist auch richtig gut. Das Viertel Rios hat lt. Reiseführer mehr als viermal so viele Rentner wie andere. Und die sind auch alle essen. Auf dem Rückweg zum Hotel stellen wir fest, dass an der Copa Cabana grade eine „Gay Parade“ läuft – und das zum Abschluss unserer Reise. Unsere homosexuellen Freunde werden vor Neid erblassen. Ok, nach diesem Urlaub würden das auch alle Heten. Leider fällt die Parade am Ende noch in Wasser. Ansonsten gab es an dem Wetter wirklich nichts auszusetzen.

Fazit
Ein Land mit unglaublich vielen Rekorden und so war es auch der Urlaub: Es war meine teuerste Reise mit zehn Flügen, vier Zeitzonen (irgendwann war uns nicht mehr klar, ob wir die Uhren nun verstellen müssen oder nicht), ca. 50 Eiern und etwa genauso viele Plastiktüten. Dagegen erhalte ich – anders als hier, wo ich einen halben Meter langen Kassenzettel bekomme – nur einen Schnipsel Papier.
Den weiblichen Leserinnen, die glauben, ihr Hintern sei zu dick für einen String oder ihr Alter lasse das Tragen von gewissen Kleidungen nicht mehr zu, sei gesagt: Das ist ein Irrtum. Komischerweise gibt es unverhältnismäßig viele dickere Frauen. Der Hintern geht allerdings nicht zur Seite wie bei uns sondern nach hinten und man kann sogar extra nach hinten ausgebeulte Buxen kaufen. Deine Socken, lange Hosen, langärmlige Oberteile und Jacken kannst du daheim lassen. Allerdings solltest bei den Temperaturen und der Luftfeuchtigkeit nur mit jemandem reisen, den du wirklich gut riechen kannst.
Wir wurden daheim bekloppt gemacht, was die Sicherheit in Brasilien angeht. Sicherlich waren wir nicht nur darum übervorsichtig. Aber es gab bis zu unserer Heimkehr nur eine Situation, wo fast nur zwielichtige Gestalten um uns rum waren: Als wir daheim die U-Bahn betraten. Alle Einheimischen, die wir dort kennenlernten, waren nett und freundlich zu uns.
Das Essen war sehr vielfältig und anders als in anderen Urlauben, wo man oft essen geht, wurde es nie langweilig. Ist allerdings von Vorteil, wenn du gern Rind isst. Einmal bekam ich Schwein, selten Huhn. Und das können die hier alles richtig gut und auch noch günstig zubereiten.
Dieser Urlaub war – auch wenn es sich nicht gleich so anhört – anders: Er stand unter dem Motto „weniger ist mehr“, also wenig geplantes Programm und fast immer einen Tag länger als der ursprüngliche Baustein des Reisebüros vorsah. Daher fühlten wir uns zu keiner Zeit gehetzt, hatten immer das Gefühl noch genug Zeit übrig zu haben. In Kombination mit dem Erlebten eine fantastische Reise.

Euer Manoel