wie es kam...

Tja, irgendwie verlaufen meine Reisen immer katastrophal, was mir den Spitznamen "Dr. Katastrophe" einbrachte. Leider sind nicht mehr alle Reiseberichte vorhanden. In manchen Fällen nur noch ein "Beschwerdebrief"...

kreative (!) Anregungen sind willkommen!

Euer
Dr. K.

Freitag, 31. Januar 2014

Gastbeitrag: Braunschweig ruft uns

Wahre Liebe vs. Echte Liebe 1-2

„Hamburger Straße, ein Gewühl Schluckspechte suchen sich ihr Ziel Stadion Gegengerade. Dafür ist keine Mark zu schade“ (Daily Terror)
Getreu der legendären Huldigung der alten Braunschweiger Kloppertruppe (Schluckspechte), machten wir uns (Schluckspechte), mit dem Fokus auf 3 sicheren Punkte, im freitäglichen Feierabendverkehr auf, ins Zonenrandgebiet nach Braunschweig zur legendären Hamburger Straße zu reisen. Mo hatte sich als Fahrer geopfert, Holger, Marcel und Manuel opferten sich für die Dortmunder Brauereiwirtschaft. Die ersten Begrüßungsgetränke gab es bereits vor der Dienststelle von Holger und Manu in Dortmund. Den ersten Schnee gab es in Ostwestfalen(-Idioten). Also, den, der vom Himmel fällt und auf der Straße liegen beliebt. Die Fahrt verlief relativ angenehm. Pinkel- und Raucherpausen hielten sich die Waage und so erreichten wir Braunschweig doch schneller, als gedacht. Trotz nur 2.500 Gästekarten, konnte man bereits auf der A2 viele Gleichgesinnte begrüßen. Pünktlich zur letzten grünen Patrone Brinkhoffs erreichten wir das Stadionumfeld. Geparkt wurde klassisch und oldschool im Wohnviertel in Stadionnähe. In Braunschweig, jetzt nicht gerade die Perle der Welt – zumindest nicht da, wo wir gestrandet waren – erwarteten uns sibirische Kälte, verschneite Gehwege und ne Menge gelber Leute, die unterwegs waren. Das war echt eine kniffelige Aufgabe an dem Abend, Freund und Feind zu unterscheiden. Ein leerer Rahmen Brause, das Alter und die Dunkelheit schärften nicht gerade die Sinne dafür. Nach 500m Gehweg, das Stadion vor Augen, waren wir schon wieder dehydriert, so dass wir zielstrebig eine Tanke ansteuerten, um nachzuladen. Kurz vor dem Ziel wurden wir jedoch von den Staatsdienern in Grün angehalten. Scheiße, das wars, dachten wir. Nun geht’s auf direktem Weg zum Gästeeingang. Der Gästeeingang war im Vorfeld ungefähr wie der Todesstreifen beschrieben worden: wenn man einmal drauf ist, kommt man nicht mehr heile runter bzw. raus. Die Polizei erwies sich aber dieses Mal als äußerst freundlicher Helfer. Da man uns ansah, aus welcher schönen Ecke der Welt wir kamen und das wir hilflos Richtung Eintracht-Kurve steuerten, wies man uns freundlich den Weg. Und – das sollte an dieser Stelle lobend erwähnt werden – man wies uns den Weg in die Fankneipe der Braunschweiger, direkt vorm Stadion. Ich bin ja immer noch der Meinung, dass diese Hilfsbereitschaft an unseren eingefallenen Gesichtern und vertrockneten Lippen lag, ansonsten wären wir vermutlich direkt zum Gästeeingang eskortiert worden…
Nach kurzer Wegstrecke erreichten wir dann die Wahre Liebe, so der ansprechende Name der Pinte, direkt vorm Stadion. Im Laden waren wir durchaus willkommen. Das Publikum war durchwachsen. Schnell kam man ins Gespräch mit den Braunschweigern. Daily Terror, gute alte 70er/80er-Jahre, Hörnertee, unsere Erfolge usw. War wirklich angenehm. Die Freundschaft führte sogar so weit, dass Manu die Tage noch einen Anruf von einem aus der Kneipe bekommen hat… Gut, keiner weiß, was Manu da wieder für Pfandgeschäfte gemacht hat. Vielleicht hat der Typ auch einfach sein Kringe-Trikot an gehabt… Nach dem wir ein paar Wolters gestemmt hatten, entschlossen wir uns dann ca. eine Stunde vor Kick-off Richtung Checkpoint Auswärtsfans zu gehen, in froher Erwartung, nun bis Anpfiff in der Kälte zu versauern. Aber, auch hier ein dickes Lob an die Ordnungskräfte der Braunschweiger, das ging fix und freundlich über die Bühne! Das Stadion an sich ist einfach etwas für Romantiker. Eine typische Schüssel, wie es sie in allen Größen und Variation in den 70ern gegeben hat, mit Laufbahn und früher sicher mit dem Attribut „hässlich“ oder „0815“ versehen. Heute jedoch absoluter Kult, wenn man sonst nur in betonierte Ponyhöfe, langweilig blinkende Schlauchboote oder löchrige Getränkehalle fahren darf.
Die Kurve – ja! endlich mal wieder traf dieser Name zu – war prall gefüllt. Der Veranstalter wusste wohl, dass man es mit durstigen Zeitgenossen aus dem Ruhrpott zu tun bekommen würde und da die ortsansässige Brauerei scheinbar Angst hatte, der Nachfrage Stand zu halten, schenkte man nur bleifreies Bier aus. Gut so, so konnte man klaren Kopfes das Spiel verfolgen… Der Support von beiden Seiten war gut.
Das Spiel hatte was von G-Jungend. Einer pöhlt die Kugel irgendwo hin und ein Mob von 20 Leuten stürzt sich auf den Ball. Spielkultur? Keine Ahnung. Ab und an blitzte unser Können mal auf. Verheißungsvoll anmutende Angriffe wurden dann aber fahrig zu Ende gespielt usw. Leider nichts Neues. Hummels Anwesenheit strahlte etwas Sicherheit aus, zumindest hatte man den Eindruck auf der Tribüne, aber sonst war es ziemlich mau. Ein schöner Angriff reichte zur Führung, danach wenig Konstruktives und Zwingendes. Dass die zwar wacker kämpfenden, aber äußerst bieder spielenden Braunschweiger dann doch ausgleichen durften, war eigentlich zu erwarten. Zum Glück durfte dann Spiderman noch mal ran. Anstatt den Sack danach zu zumachen, machten die Jungs es dann noch mal unnötig spannend. Ob man dann ausgerechnet noch mal den Pfosten zur Hilfe nehmen musste, weiß ich nicht… Egal, Ende, Aus, 3 Punkte, Welle, nach Hause.
Der Weg zum Auto führte dann wieder am Dunstkreis der Heimkurve her. Hier gabs dann doch die ein oder andere leichte Aufforderung zum Tanz. Naja. Nichts desto trotz verlief der Weg einigermaßen ruhig und wir kamen schnell wieder Richtung A2 und heim. Die Stimmung in der Karre war aber irgendwie gedämpft. Kälte, Spiel und keine Brause mehr, hinterließen Spuren.
Fazit:
Schön Freitagabend im Winter ins Zonenrandgebiet, Schnee, Kälte, traditionelle Mannschaft und Stadion – was will man mehr. Ach ja, 3 Punkte mitgenommen ist auch nicht ganz unwichtig. In 28 Jahren können wir dann wieder nach Braunschweig fahren…



Mittwoch, 18. Dezember 2013

Marseille

Vorgeschichte:
Ein internationales Spiel gemeinsam sollte sein, also wurde nach der Auslosung wie wild telefoniert, gesmst und gemailt. Die Wahl fiel auf Marseille und der Flug sollte von Düsseldorf über Lyon dorthin gehen. Ein Fan stieß später dazu und buchte wohl kurz vor dem Zu-Bett-Gehen. Das Ergebnis war nur ein Flug bis Lyon. Auch hier sag ich wie neulich zu meiner Frau (Zypern): „Irgendwann muss eine Freundschaft mit Doc. K. auch mal abfärben… Letztendlich wurde der Flug ohnehin gestrichen und wir wurden kostenlos auf Air France umgebucht.
Morgens um viertel nach acht gab’s am Flughafen dann das erste Pils. So was hatte ich erwartet, wenn man mit den Sauerländern unterwegs ist…

Der Trip:
Wir erreichen Südfrankreich (ich breche hier schon meinen Flugrekord pro Jahr ein, lande am Ende bei 24) bei 20 Grad und strahlend blauem Himmel. Nach dem Einchecken im Hotel wartet die erste Schwierigkeit auf uns: Wir wollen ein Bier trinken – einige auch essen. Wir laufen Richtung Hafen und Innenstadt, vorbei an unzähligen Bauzäunen, Baustellen, Bürogebäuden (zur Info: die Innenstadt ist ca. 30 bis 40 Minuten zu Fuß entfernt). Nach endlosem Suchen bemerkt jemand: „Hoffentlich ist überhaupt noch was offen.“ Ich sage: „Es ist erst halb acht.“ Passanten: Fehlanzeige. Endlich finden wir eine Eckkneipe. Draußen prangt ein Rauchverbotsschild. Der Keller bringt uns Essen und Trinken mit einer dicken Zigarre im Mund. Außer uns gibt noch vier weitere Gäste. Mit zweien freunden wir uns an: Jeton mit dem Rosa-braunen Pullover über dem rosanen Polohemd und seinem fetten Freund, Belmondos Namensvetter. Nach einigen halben verlassen wir die Kneipe nur mit Jeton. Er will uns noch einen guten Laden zeigen. Er hat allerdings Probleme grade zu laufen und so haben wir in der tristen Stadt geringe Hoffnungen. Nach einem langen Weg erreichen wir endlich einen irischen Pub, der komplett in schwarz-gelber Hand ist. Belmondo ist auch da. Wo kommt der jetzt plötzlich her? Nachdem wir wenigstens etwas gefeiert haben, starten drei von uns zu Fuß, weil es angeblich keine Taxen gibt. Auf etwa einem Drittel des Wegen ruft mich einer der beiden Sauerländer an, die es noch ca. 15 Minuten länger aushielten als wir. Sie hatten doch ein Taxi erobert. „Wie heißt nochmal unsere Straße?“ Ich sage es und lege auf. Telefon: „Wie heißt nochmal unsere Straße?“ Immerhin sind sie vor uns da.
Am nächsten Tag bei schönstem Wetter ist zunächst Frühstück auf dem Plan. Es gibt in der Parallelstraße einiges, so hieß es. Das stimmt: Döner. Döner. Pizza. Döner. Pizza. Pizza. Wir entscheiden uns für Pizza. Anschließend wollen wir wenigstens etwas Sightseeing machen. Auf dem Weg rät uns zunächst ein Franzose vom Weitergehen ab. Es gibt hier wohl ne Menge heißer Pflaster. Nach dem Mittag versacken die Sauerländer, doch wir drei anderen schaffen es noch in die „Altstadt“ und auf das Fort.
Vor Einbruch der Dunkelheit sind wir wieder am Irish Pub. Da hat einer von unseren Jungs schon arg Schlagseite. Ich befürchte später, ihm könne der Einlass verwehrt bleiben. Ich begrüße ja, dass Superbreite draußen bleiben müssen. So auch der Trottel mit der grünen Wollmütze, den wir auch in Mainz gesehen haben.
Das Spiel ist schnell erzählt. Der hochverdiente Sieg, mit dem keiner mehr gerechnet hatte, hat zur Konsequenz, dass eine Umarmung mich fast zu Boden reißt und ich mir das äußere Knie prelle. Die Schmerzen sind übel und meine Lust auf Feiern hält sich in Grenzen. Die Schmerzen werden im Laufe des Abends immer schlimmer.
Wir stehen direkt (!) an der Rolltreppe zur U-Bahn. Und werden leider mit 2:5 überstimmt ein Taxi zu nehmen. „Wenn die Bahnen jetzt nur noch alle 30 Minuten fahren, müssen wir nachher 29 Minuten warten.“ Sag einer. Eine Quelle oder gar Beweis für seine Befürchtung gibt es nicht. Wieder zeigt sich, dass es schwer ist ein Taxi zu bekommen. Wir warten 32 Minuten. Na das hatte sich also gelohnt.
Am nächsten Morgen sind wir alle kaputt und ich ein Humpler. Wir verbringen das Frühstück bei unserer Stammpizzeria und Kaffee gibt’s beim goldenen M am Hauptbahnhof. Neben uns sitzen vier Mädchen - wenn die 20 waren, waren die alt – und lassen das Tütchen kreisen (zur Erinnerung: es ist vormittags mitten in der Woche). Später kommt noch eine Jungengruppe. Einer baut gemütlich auf dem Mülleimer und erhält dafür einen Anpfiff vom McD Angestellten. Der junge Mann mit offenbar nordafrikanischen Einschlag ruft uns entgegen „Marseille Scheiße, super Deutschland“ und Grüßt für den Herrn Hinkel, was bei uns nur Kopfschütteln auslöst. Später kommen Uniformierte um die Szene zu bereinigen, was aber nur teilweise klappt.

Fazit:
Die Stadt ist absolut langweilig. Die „Altstadt“ hat ihren Namen nicht verdient. Und warum das Kulturhauptstadt geworden ist? Bei der Wahl waren wohl ein Tütchen von McD zu viel im Spiel… Innerstädtisches Grün? Fehlanzeige!
Kontakt mit den Einheimischen (vor allem Fans) gab es kaum. Bis ich der ersten OM-Fan traf, sahen wir 3 Milan und 6 Chelsea Fans.
Die Gruppe war gut drauf und vor allem meine persönliche Krankenschwester – die einzige Frau unserer Gruppe - erwies sich als meine Retterin. Das war mal wieder ein klassischer Dok. K. Und als der Arzt die Diagnose gibt, dass es „nur“ eine Prellung ist, bin ich froh, dass nix kaputt gegangen ist.

Saarbrücken

In der ersten Runde des DFB-Pokal wurde Wilhelmshaven gelost. Da habe ich gesagt: „Was wollt ihr da? Wenn’s Saarbrücken wäre, wär ich dabei!“ Und dann war’s Saarbrücken in der dritten Runde - also musste ich hin. Im Vorfeld gab es einiges Chaos, wer mit wem wann wo losfährt. Ich fuhr mit einem Konzern-Kollegen, den ich aus Donezk kannte, und der Rest des Fanclubs irgendwie anderes. Meine Gruppe war ausgezeichnet vorbereitet, so dass wir einen kostenlosen Parkplatz neben einer Pizzeria fußläufig vom Stadion hatten. Dort waren bereits die ersten freundlichen blau-schwarzen – also die deutsche Antwort auf Inter Mailand sozusagen. Einer fragte: „Ihr seid extra aus Dortmund hergekommen?“ Das konnte man sich hier nicht vorstellen.
Das Stadion war eine kleine Zeitreise: Mit der einzigen Anzeigetafel schräg im Rücken sahen wir das Spiel. Davor steht unser Fanclub Längster und wir winken uns, während wir telefonieren. Hinter uns immer wieder nostalgische mit dem 64er programmierte animierte Grafiken. Leider hatte das alte Stadion auch noch eine Laufbahn, so dass wir unseren 0:2 Siegtreffer kaum erkennen konnten. Der Mann an der Anzeigentafel offenbar auch nicht, denn zunächst wurde ein anderer Schütze eingeblendet.
Gästefans sieht dieses Stadion offensichtlich nicht oft. Unter uns rankt das Moos und hier und da wächst auch Gras auf den mehrheitlich für Steher gemachten Tribünen. Wir stehen unter freiem Himmel und sind froh, dass es trocken bleibt. Die Heimfans auch: Bei Beginn wird ein kleines Feuerwerk abgeschossen. Sehr kreativ. Die Kreativität bleibt auch während des Spiel: Alle 5 bis 10 Minuten werden Pyros gezündet. Bis zum Ende. Die regelmäßig darauf folgenden Durchsagen und Warnungen interessieren scheinbar keinen.
Ganz niedlich finden wir auch die Bekanntgabe von zwei (!) Handynummern auf der Anzeigetafel von Ansprechpartnern für Busse für das nächste Auswärtsspiel.
So macht Fußball schauen Spaß! Keine Werbung, die alle drei Sekunden blinkt und das Stadion hat sogar noch einen echten Namen. Schön, dass der gierige Kommerz noch nicht jeden Winkel erreicht hat!

Mainz

eine Co.-Farce…

Am Freitagabend erreichen wir Wiesbaden, wo unsere Freunde wohnen. Es regnet die ganze Zeit ohne Unterlass. Am nächsten Tag ist es glücklicherweise deutlich besser. Wir fahren mit dem Bus zum Hauptbahnhof in Mainz, von wo aus Shuttlebusse starten. Da wir auf Fälle mit unseren Freunden (also zu viert) zum Fußball wollten, verzichteten wir im letzten Jahr, weil wir nicht genügend Karten bekamen. Nach den Berichten aus der Vorsaison hatte ich auch eine ungefähre Vorstellung. Und siehe da: Am Stadtrand tauchte plötzlich ein riesiger Baumarkt auf. Die Shuttles halten aber nicht etwa davor, sondern 500 m weit weg (warum?). Wir danken nochmals Petrus und machen uns auf den Weg. Meine Frau freute sich schon auf Kötbuller, als wir auf die erste Kniffeligkeit stoßen: Der Eingang für die Gästefans ist nicht auffindbar. Doch dann sehen wir im Acker 2 Tore. Von dort müssen wir durch einen Tunnel zurück ins Stadion. Allerdings mussten wir erst mal reinkommen. Die Frauen haben einen extra Eingang und warteten bereits auf uns, während wir die Verbote studieren: Weinpulle und –glas sowie Sektglas haben wir eh nicht dabei. Das Bier schien erlaubt. Leider hatten wir keins, da auf dem ganzen Weg bis zum Baumarkt kein einziger Stand oder ähnliches war… Ein Problem deutete sich ab: Klorollen, Leitern und Koffern waren ebenfalls verboten – was daheim zu meiner Standardstadionausrüstung gehört. Wenigstens hatte ich mein Nunchaku daheim gelassen…

Im Stadion entsteht unter den Leuten um mich herum schnell eine Diskussion, welcher Spieler welche Rolle habe. Die Spieler scheinen scheinbar die gleiche Frage zu haben. Das (d.h. unser) Spiel ist entsprechend schlecht. Trotzdem gewinnen wir.
Traurig ist die Hardcore Werbung: Ich stelle mir vor, dass ich daheim von Nobby mit folgenden Worten begrüßt werde: "Wie ist die Stimmung auf der Landesbank Nordrhein-Westfalen Tribüne?" Da dreht sich mir alles um, aber ich frage mich auch, wenn es soweit sein wird...
Wir gehen in die Baumarktkneipe (das muss man denen lassen, das haben die uns Voraus: eine Kneipe direkt im Stadion (eigentlich haben wir auch eine, eigentlich sogar zwei, aber da hausen nur Spinnen – was für eine Verschwendung!)) und zu allem Überfluss kommt auch noch der Manager vorbei. Wir trinken mit den Mainzer Fans unserer Freunde ein paar Pils. Der Eine ist eigentlich Stuttgart Fan, der andere eigentlich KSC, aber das gestehen wir denen mal zu, ist ja noch ein recht junger Verein (was den erfolgreichen Fußball angeht - erkennbar am Baumarkt statt am "richtigen" Stadion).
Später in der Stadt geht es weiter in einem Laden wie unserem Stade nur mit weniger Asseln. Überall bekommen wir (trotz des unverdienten Sieges!) Sympathiebekundungen. Ich bin später sogar froh, dass unseren Verein jemand doof findet. Mit so viel heiler Welt wäre ich nicht klargekommen. Aber es ist schon sehr angenehm, nach dem Spiel zu feiern, ohne angepöbelt zu werden. Der Trip ist nächste Saison wieder gebucht!

Donnerstag, 28. November 2013

Zypern

Geschichten aus (oder von kurz vor) der Gruft

Vorgeschichte:
Ich hatte im Reisebüro unseres Vertrauens gesagt "bitte buchen Sie das für mich". Leider war eine Pfeife am Werk und nicht unsere übliche Kontaktperson, so dass wir 30 Piepen mehr zahlen mussten (und 40 das Reisebüro). Die letzten Tage vor dem Urlaub waren wirklich Mist. Und so startete ein Dok. K.-würdiger Urlaub so kurz nach 19:00 Uhr daheim. Da unser Flieger um 6:00 Uhr am nächsten Morgen ging, hatten wir uns ein Zimmer für 47 Piepen in Düsseldorf genommen. Um Punkt 21:00 waren wir da, um zu erfahren, dass die den Check-in nur bis 20:00 Uhr hatten. Angeblich stand das in der Buchung – das stimmt zwar, allerdings stand da auch, dass wir 23:00 Uhr anreisen können. Widersprüchliche Angaben, was soll man davon glauben? Die Schweine berechnen es uns jedenfalls (wie wir nach der Heimkehr erfuhren). Über die Hotline bekamen wir in 1 km Entfernung ein noch billigeres Zimmer. Die Temperaturen waren schon recht sportlich und meine Frau musste ihr Notdurft verrichten. Willkommen war eine Kneipe mit einigen asseligen F95 Fans (lieber die Klappe halten, schließlich ist es unseren Gurken zu verdanken, dass die nur noch zweitklassig sind (das ist zwar falsch, wird aber vom gemeinen Fan ja gern auf ein Spiel reduziert)). Also auch in der Landeshauptstadt gibt's HartzIVler, die in der Woche trinken. Im Zimmer angekommen (für ein paar Stunden war‘s ok) blieb die Uhr meiner Gattin stehen. Ich sage ihr, dass es ja irgendwann auf sie überspringen musste. Es fing also richtig gut an...

Eine linke Er"fahrung":
Der Flug mit Condor war gut. Eine echte Empfehlung. Genauso wie die Reisezeit: 28 Grad bei unserer Ankunft auf Monkey Island IV. Strahlend blauer Himmel. Ok, unsere Mühle - ein Suzuki - hat eine harte Saison hinter sich. Man sagt uns, dass am Ende der Saison die Autos eben zerkratzt und zermackt aussehen. Auch sonst eher eine Schleuder.
Zum ersten Male, dass ich selber ein "verkehrtes" Auto steuern muss. Es ist weniger schlimm als erwartet. Im Dunklen erschrecken wir uns anfangs zwei Mal, weil uns auf der anderen Seite was entgegen kommt...
Die Unterkunft (etwas alt und der Zahn der Zeit hat auch schon dran genagt) ist zwar nicht schön, aber sehr geräumig, einige der Leser haben eine kleinere Wohnung, sogar unser Balkon ist kleiner. Sauber genug ist es auch und die Betten sind ok. Der Kühlschrank ist kalt. Eiskalt. Auf Stufe 1 gefriert der Apfel (schon mal Obst eingefroren? Lasst es!). Unser erster Urlaub mit komplett HP beginnt...

Wir gehen gleich einkaufen. Spanischer Wein (der durch das ganze Mittelmeer geschippert wurde) kostet 2 € aufwärts. Wein auch Chile oder Südafrika (10.000 km weit gereist) gibt's ab 3 €. Lokaler Wein (hier um die Ecke ist Weinanbaugebiet) dagegen für sportliche 5 Piepen. Das kapier einer. Auch sonst ist es hier alles andere als billig. Kapier ich auch nicht (jetzt komm mir nicht mit „auf Inseln muss man alles importieren“)! Insbesondere mit diesem Wissen ist unsere Unterkunft spottbillig!

Zunächst lungern wir nur am Pool rum. Der gehört mehr oder weniger allein.
Der erste Ausflug geht auf den Markt nach Neu-Pahos, dass jetzt Ktima heißt, dann nach Nea-Paphos (nea = neu). Alt Paphos liegt 16 km entfernt. Paphos gibt's auch noch. Oder? Ich geb auf.

Meine Frau ist enttäuscht vom Markt. Nix von dem, was wir sonst so kennen bzw. erwarten. Die Altstadt von Neu-Paphos (geht das überhaupt?) ist richtiger Schrott. Die Hafenmeile ist schön, aber kurz. Aber das war's hier.
Wir wandern an einem anderen Tag in eine Schlucht. Wirklich eindrucksvoll!
Die Orte hier - oder besser Käffer sind selten ein Besuch wert und dann so klein, dass man in ein paar Minuten durch ist.
Bei unserem Trip nach Norden kommen wir durch ein paar verlassene Dörfer. Von Türken nach der Invasion aufgegeben. In einem Haus wohnt eine riesige Sau mit ihren Kindern. Die meisten Häuser sind nach fast 40 Jahren verfallen.
Ein anderer Trip bringt uns zum Olymp über die halbe Insel. Hier wohnen aber nicht die Götter, sondern immer noch die britischen Besatzer. Fotos sind verboten.
Im Hotel haben jeden Abend den gleichen Tisch. Unsere Tischnachbarn sind Schotten, die sich aber wie Engländer fühlen. Dann kommt eine Französin, die aber seit Jahren in England lebt (inkl. Kinder und Enkelkinder). Über unsere Nachbarn lernen wir einen Iren kennen, der seit fufzich Jahren in England lebt. Das alles hier scheinen Stammkunden zu sein, die 3 bis 6 Wochen bleiben. Ein paar Rentner von Monkey Island I haben das stabile englische Wetter (13 Grad und Nieselregen) permanent gegen blauen Himmel und warme Temperaturen getauscht. Über die lernen wir auch einen Deutschen kennen, der mit uns (nachdem meine Frau die Kellner betört hat) abends Fußball schaut. Wir sind die einzigen Gäste. Unser neuer Freund ist 92. Das entspricht etwa der Altersstruktur der übrigen Gäste – und ich dachte, auf Lanzarote wären die Leute alt…
Der Rest der Touristen hier kommt aus dem Ostblock (ein paar Tschechen, sonst Russen). Das erklärt auch, warum meine Frau nur hässliche Fummel gefunden hat: die lokale Klamottenindustrie hat sich auf osteuropäische Kunden eingestellt, also viel mit Glitzer usw.

Fazit:
Winter-/ Reisezeit:
Winterzeit braucht doch kein Mensch! Ich sage das schon seit ein paar Jahren: ich brauche es morgens nicht hell. Ich komme lieber im Hellen heim! Was bedeutet diese überflüssige Zeitumstellung für Zypern? Im Urlaub im November ist es morgens schon um 8:00 Uhr richtig muckelig, aber um 16:00 Uhr wird‘s kalt, um 17:00 Uhr dunkel. Da es erst um 19:00 Essen gibt, sind wir immer da schon angeschickert. (West)Zypern:
Ideal zum Wandern, nix zum Bummeln. Wir wollen uns nochmal den anderen (älteren Teil) ansehen. Hier gibt’s leider extrem viele Brachflächen = hässlich! Umweltbewusstsein ist de-facto nicht vorhanden = viele wilde Müllkippen. Arm ist das Land allerdings: Es gibt z.B. keine Bettler! Außerdem arbeiten hier extrem viele Rumänen usw. Falsch rum:
Die Überbleibsel der Kolonialherren. Außerdem kann fast jeder hinterletzte Bauer englisch. Fahren ist kein Problem. Auf der Autobahn (Singular) ist eh nix los. Rechts überholen macht allerdings nicht so viel Spaß, wie daheim. Irgendein farbenblinder Vollidiot hat sich jedoch ausgedacht, Straßenschilder mit Autobahnhinweisen in grün mit gelber Schrift zu verfassen. Im Dunkeln kann man das genau dann lesen, wenn man vorbei ist. Essen:
Das Essen im Hotel war richtig super! Wenn du Fisch willst, bist du hier allerdings falsch! Unbezahlbar und zudem eh meist importiert. Beim Tauchen bestätigt sich das Bild: Es hier ziemlich überfischt. Und das auf einer Insel. Krass. Das macht einen schon nachdenklich!

Euer
ΔΟΚ. ΚΑΤΑΣΤΡΟΦΕ

Dienstag, 22. Oktober 2013

Malaga...

...oder doch lieber ein Tütchen... Stracciatella?

Wie immer war zunächst etwas anderes geplant: Türkei. Als allerdings der Preis in vier Tagen um ca. 40 % gestiegen war, entschieden wir uns kurzer Hand für Malaga. Ich komme also zum vierten Male nach Lanzarote, Madrid und der Costa Verde dieses Jahr nach Spanien.
Zum ersten Mal buchten wir Ryanair. Nachdem wir ca. hundert Fragen über Ryanair-Koffer, Ryanair-Telefonkarten und sonstigem Firlefanz verneinten, bekamen wir sogar einen recht günstigen Flug. Schön ab Dortmund und da gab es gleich noch für jeden ne Tüte Gummibärchen, wenn man 3 Statistikfragen beantwortete. Die Fragen wurden allerdings von den beiden Knaben am Stand mehr oder weniger selber durchgeführt, was mein Glauben an Umfragen noch weiter sinken ließ.
Dank guter weiblichen Beziehungen der Osam-Pivo-Gruppe durften wir schnell einsteigen und es ging los. Gut angekommen und unseren Miet-Opel Meriva abgeholt ging’s zur Unterkunft. Die hatte uns ein Bekannter von Chorches Schwester überlassen. Zunächst trafen wir den Hausmeister/ Putzmann in einer Bar am Strand. Dann ging‘s ca. 500 m zum Häuschen. Also eine recht nette Lage leicht erhöht. Die Aussicht ist allerdings mau. Chorche (der vom Fach ist) kommt auch am zweiten Tag nicht darüber hinweg, wie chaotisch hier alles zugebaut ist. Manche Bürokratie daheim hat dann doch was Gutes! Unsere Unterkunft: Eine echte Bruchbude, wie sich herausstellte. Und der Putzmann hatte seinem Beruf keine Ehre gemacht – also eine dreckige Bruchbude. Die erste Aktion des Putzmanns war, eines unserer Begrüßungsbiers zu trinken. Später am Abend kam er nochmals, um etwas vorbeizubringen. Und er trank ein Bier.
Vor Ort stellte ich fest, dass man zwar die Handymafia dazu gezwungen hatte, einheitliche Kabelstecker zu schaffen, aber glaubt ja nicht, dass ich mein Gerät mit Chorches Kabel laden konnte…
Wir hausten in den nächsten Tagen in dem Loch, so wie es sich jeder Mann wünscht, dessen Hirn nach jahrelangen Beziehungen nicht vollkommen gewaschen worden war. Chorche verfeinerte den Anblick, in dem er gebrauchte Taschentücher und Unterbuxen auf dem Tisch drapierte.
Hier in diesem Stadtteil startete vor genau 11 Jahren meine Spanischkarriere. Alte Erinnerungen wurden wach und ich fühlte mich fast ein bisschen zu Hause. Die Innenstadt ist deutlich schöner, als ich es im Gedächtnis hatte. Der Strand und das Wasser sind allerdings so dreckig, wie ich es im Gedächtnis hatte. Ein Besuch in einer der alten Stammkneipen ist auch anders: Früher hatten wir Spaß und tranken gemeinsam. Am Nachbartisch sitzen fünf vermeintliche Sprachschüler etwa so alt wie ich damals. Unterhaltung oder gar Spaß: Fehlanzeige. Alle fuckeln mit ihren Smartphones rum. Traurig!
Wir erkunden in den nächsten Tagen etwas die Umgebung. Ich sehe wenig neues, viel schönes bekanntes. An den Stellen, wo ich mit meiner Frau war, vermisse ich sie besonders. Chorche ist so nett, auf den schmalen und kurvenreichen Hügelstraßen die Rolle der klassischen Frau zu übernehmen („Fahr nicht so schnell!“, „Fahr nicht so dicht auf!“ usw.). Aber das hilft nicht (klar, meine Frau ist ja auch keine „klassische Frau“). Trotzdem ist es schön.
Das Wetter ist nahezu perfekt (24 – 28 Grad). Die Blumen stehen noch in voller Blüte und in den Straßen duftet es regelrecht. Manchmal auch nach nicht frischen Blüten. Marokko lässt grüßen. Abends gibt’s normalerweise Wein am Strand zum Sonnenuntergang.
Dann ist Samstag und wir gehen in die Stadt. Vorab sei gesagt, dass Andalusien eine relativ arme Gegend in Spanien ist. An dem Abend sehe ich allerdings 85 % mega aufgebrezelte Ischen. Alle scheinen im direkten Wettbewerb der höchsten Absätze zu sein. Flache Schuhe: Fehlanzeige! Wo sind denn die „normalen“ Leute? Wir machen etwas Club-Hopping. Nirgends Eintritt, aber überall muss man ein Cocktail und einen Schnaps trinken. Nach dem dritten haben wir keine Lust mehr. Die meisten Leute hier könnten fast meine Kinder sein. Wo sind denn die anderen? Wir kommen auf die Straße und es gibt keinerlei Auflösungserscheinung, wie sie bei uns so ab 3:00 Uhr einsetzt. Dann kann es ja nicht so spät sein. 4:45 Uhr. Tja, in Spanien ist halt ein anderer Rhythmus…
Ein angetrunkener Halbstarker Madrid-Fan ruft uns noch einen Haufen Schimpfwörter entgegen, als er erfährt, wo her wir kommen. Der Stachel schein ganz schön tief zu sitzen. Schon arm, dass es hier eigentlich nur zwei Fanlanger gibt.
In Andalusien geht es noch ruhiger zu als im restlichen Spanien. Jeder Kunde hat immer und überall Zeit für ein Schwätzchen. Und wenn der Apotheker mal nicht genau Bescheid weiß, dann zieht man halt mal den Schuh und Socken aus und hält im den Pillefuß hin. Hektik? Fehlanzeige!
Ein für meine Verhältnisse doch recht ruhiger Urlaub ist fast vorbei. Wir stehen um 3:30 auf und gurken zum Flughafen. Damit es auch noch etwas mehr Doc. K.-like wird, vergesse ich zunächst meinen Pulli am Flughafen. Dann fällt noch eine Bilderbuchassel auf. Kurz vor dem Einsteigen wird dann auch klar, dass es nur einen Fleck auf Erden geben kann, wo es Steine gibt, wo der heraus gekrochen kam. Er sitzt natürlich in unserem Flieger in seine Lieblingsstadt. Zum Glück nicht in unserer Nähe.
Wir bleiben im Flieger jedoch noch ca. 90 Min. am Boden. Weil die Streikweltmeister mal wieder trainieren. Natürlich gibt’s nix zu trinken o.ä. im Billigflieger. Man muss fast noch glücklich sein, immerhin werden 9 Flüge gestrichen.
Warum bleiben wir nicht hier?

Dienstag, 13. August 2013

Haarlem

Der Besuch der Globetrotter

Es war mal wieder so weit: Unser traditionelles Pärchenwochenende mit „Bruder“ und „Schwägerin“ stand an. Nach dem wir vier in den Vorjahren in Bremen, Enschede und Amsterdam waren, ging’s nun dieses Jahr nach Haarlem. Da unsere Frauen keine Gleitzeit hatten, kamen wir erst nach 18:00 los. Grade in Haarlem angekommen, fiel eine Frau vom Gepäckträger eines Rades runter. Bevor wir jedoch Mitleid entwickeln konnten, wurde klar, sie war genauso besoffen, wie ihr „Fahrer“. Zum Scherz sagte meine Gattin: „Das sind bestimmt unsere Vermieter.“
Wir hatten ein Haus von einem Rudy gemietet. Die Übergabe sollte jedoch durch Rob erfolgen. Ich schickte ihm noch aus Deutschland eben ein Email, dass wir kurz nach 21:00 da sein würden. Diese Email erreichte ihn wohl zu spät, so dass er schon ab 19:30 Uhr (das hätte mit viel Glück klappen können) auf uns wartete. Er beschwerte sich nicht, hatte er sich doch die Wartezeit offenbar mit einigen Kaltgetränken verkürzt. Wenige waren es nicht, denn Rob (ich versicherte mich kurz, dass wir nicht doch ein Hausboot gemietet hatten, dass über die Wellen gleitet) hatte doch arg Probleme, dem nicht vorhandenen Seegang zu trotzen.
Zur Begrüßung gab’s zunächst für jeden eine Büchse Bier. Wir erklären etwa fünf Mal, dass wir aus Deutschland seien, er seinerseits bat uns ca. ein halbes Dutzend Mal, am Sonntag um 11:00 Uhr das Zimmer zu verlassen. Beide Frauen bekamen schnell Komplimente und die soziale Ader meiner Frau nahm bereits seinen Lauf: Nachdem sie ihm eine Zigarette angeboten hatte, ließ er sich mit ihr häuslich auf der Terrasse nieder. Ich glaube, er wäre nie gegangen, wenn ich nicht gesagt hätte, wir alle müssten jetzt noch was einkaufen.
Das war auch nicht gelogen. Viel Zeit bleibt nicht, die Läden schließen um 22:00 Uhr. Wir setzten die Damen ab (50m unsere Straße raus, dann ein paar hundert Meter grade aus, keine 5 Minuten zu laufen. Wir parken den Wagen etwas weiter weg. Den Schlüssel nehme ich mit. Schließlich müssen die Frauen ja auch das Warensortiment analysieren, beruhige ich meinen Bruder. Wir machen es uns daheim gemütlich, als irgendwann sein Handy geht: "Wo seid ihr?" - "Zu Hause. Wo denn sonst?" Haben die sich doch tatsächlich auf den paar Metern verlaufen...
Das „Haus“ (ja, es war ein ganzes Haus) hat vielleicht maximal 60 qm, war neu, voll ausgestattet (sogar mit Spülmaschine) und sauber. Rob machte seine Arbeit offenbar gründlich. Vielleicht sollten wir auch auf der Arbeit trinken? Mindestens zwei Liter sagt man ja. Rob hielt sich an diese Regel. Bei Check-Out war jedoch voll auf der Höhe. Bis auf das zweite Bett alles absolut empfehlenswert!
Es ist schon spät am ersten Abend, aber ein paar externe Pils müssen es schon sein. Also schicken wir – wie mein Bruder sie nennt – das Kneipentrüffelschwein (meine Herzdame) voraus. Ich habe Durst und werde nach Duzenden liegengelassenen Kneipen ungeduldig. Aber wie eigentlich immer ist auf ihren Sinn Verlass. Wir erreichen eine Bar, in der eine Jam-Session stattfindet. Ein paar Gäste steigen in die Band ein und aus und es ist richtig gut, eine super Stimmung.

Am nächsten Tag bummeln wir durch die vielen Gässchen. Nach Haarlem kehrte ich nach ca. 10 Jahren zurück, wo ich zum ersten Mal holländische Köstlichkeiten wie z.B. Vla probierte. Für mich die schönste Stadt der Niederlande. Meine Mitreisenden bestätigen dies. Nur vor den Radfahren muss man sich in Acht nehmen. Alles in allem sehr beschaulich jedoch nicht dörflich und kaum Touristen.
Abends muss ich zeigen, was ich gelernt habe und suche die Kneipe aus. Definitiv ein Treffer, kein 08/15-Laden, jedoch auch speziell: Offenbar feiert jemand seinen Geburtstag. Die Zusammenstellung der übrigen Menschen ist durchaus bizarr: Ein Dunkelhäutiger kleiner vollkommen austränierter Affe im Unterhemd versucht, möglichst viele Frauen anzufassen und nimmt tatsächlich zwei gleichzeitig auf dem Arm. Beide Kellner haben rosa Oberteile. Wir bestellen zwischendurch eine Runde Kurze, die zweite gibt er uns aus. Es gibt auch zwei – zumindest vom Pass her – Frauen, von denen eine unsere ganz besondere Aufmerksamkeit erhält. Der Unterschied der Geschlechter ist heutzutage eh fließend. Äußerlich hätte ich sie als dicke Knastlesbe bezeichnet. Irgendwann kommt Sie näher zu uns und legt mit in der Kneipe einen 1A wasauchimmer Tanz ab. Und: man durfte drinnen rauchen. Wo gibt’s denn sowas?
Wir verlassen den Laden und beschließen noch ein letztes Getränk in der Vorabendkneipe einzunehmen. Wir (oder besser gesagt mein Frau) haben es innerhalb von zwei Tagen geschafft, eine Stammbar zu haben: Vor der Kneipe begrüßt uns der rauchende Kellner und drinnen der nächste bringt uns unaufgefordert gleich Getränke. Ein gelungener Abend.
Wir lassen am nächsten Tag das Wocheende im kotzhäßlichen Zeeland am Meer ausklingen.
Ein richtig gutes Wochenende. Wir wollen wiederkommen…